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DZBW:
In den besten Jahren


[16.11.2011] Die Datenzentrale Baden-Württemberg (DZBW) feierte gestern den 40. Geburtstag im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum und wurde als Vorbild für vernünftigen Ressourceneinsatz gelobt. Beim Festakt wurde auch klar: Die grün-rote Koalition plant eine Neuordnung der IT in der Landesverwaltung.

Mercedes-Benz-Museum: Spektakulärer Ort zum Feiern. (Foto: Mercedes-Benz) Für einen Schwaben ist der 40. Geburtstag ein ganz besonderes Datum. Er erreicht das so genannte Schwabenalter. Diese Grenze hat die Datenzentrale Baden-Württemberg (DZBW) nun überschritten und feierte gestern ganz unschwäbisch unbescheiden im spektakulären Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart die Gründung vor 40 Jahren. Es traf sich fast die komplette Prominenz der deutschen kommunalen IT-Szene.
Wie viele andere kommunale Datenzentralen wurde auch die DZBW im Jahr 1971 gegründet. Der Leitgedanke damals war, den Kommunen im Land möglichst einheitliche IT-Verfahren zur Verfügung zu stellen. Das ist gelungen: Die Programme der Datenzentrale werden heute von 95 Prozent der Kommunen im Ländle eingesetzt, kein anderes Bundesland hat eine so hohe Durchdringung mit einheitlichen Verfahren. Die Gründung der DZBW sei deshalb eine weise Entscheidung des Gesetzgebers gewesen, befand Martin Schallbruch, IT-Direktor im Bundesministerium des Innern, der eigens für einen Festvortrag von Berlin nach Stuttgart gereist war. Die DZBW sei bis heute ein Vorbild für vernünftigen Ressourceneinsatz und Kompetenzbündelung – offensichtlich auch für den Bund.
Dem Lob aus Berlin ging die Begrüßung der Gäste durch Gunter Czisch voraus. Der Erste Bürgermeister der Stadt Ulm und Vorsitzende des Verwaltungsrates der DZBW bezeichnete die Datenzentrale als Erfolgsmodell. Auch nach 40 Jahren sei die hier praktizierte interkommunale Zusammenarbeit moderner denn je. Nur kommunale IT-Dienstleister könnten die für die öffentliche Hand so wichtige Nachhaltigkeit garantieren. „Andere Bundesländer beneiden uns um diese Institution“, sagte Czisch.
Der nächste Redner bestätigte diese Einschätzung. Herbert O. Zinell, als Ministerialdirektor Amtschef im Innenministerium Baden-Württemberg, bescheinigte der DZBW eine gute Entwicklung. Sie sei sehr erfolgreich auch im Geschäft mit Drittkunden, was den Gemeinden im Land zugutekomme, weil es ihre IT-Kosten senke. Zinell, derzeit Vorsitzender des nationalen IT-Planungsrates, gab auch Einblicke in die IT-Pläne der neuen grün-roten Regierung im Südwesten. Er kündigte an, dass die Stelle des baden-württembergischen Landessystembeauftragten zum Chief Information Officer ausgebaut werde. Zudem soll ein eigener IT-Planungsrat eingerichtet werden, der analog zum nationalen Gremium die Steuerung der IT im Land übernehmen soll.
Derzeit werde auch die Neuordnung des DV-Verbunds diskutiert, dem neben der Datenzentrale Baden-Württemberg die Kommunale Datenverarbeitung Region Stuttgart (KDRS), die Kommunale Informationsverarbeitung Reutlingen-Ulm (KIRU) und die Kommunale Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF) angehören. Die IT müsse weiter gebündelt werden. Zinell: „Die gesamte Rechenleistung der beiden Landesrechenzentren, der kommunalen Rechenzentren und aller Behördenrechenzentren könnte problemlos von einer öffentlichen Cloud Baden-Württemberg erbracht werden.“ Allerdings ist dem früheren Oberbürgermeister der Stadt Schramberg auch klar, dass insbesondere die Kommunen nur ungern die Kontrolle über die IT aufgeben wollen, weil sie um Gestaltungsspielräume fürchten. Bis die Landes-Cloud kommt, könnte also noch etwas Zeit vergehen. Zinell sagte, in den wenigen Monaten seiner Amtszeit habe er bereits gelernt, dass Geduld die wichtigste Regierungstugend sei.
Karl Tramer, Vorstandsvorsitzender der Datenzentrale Baden-Württemberg, gab abschließend einen Ausblick auf die Zukunft der kommunalen Datenverarbeitung und die liegt auch aus seiner Sicht in der Cloud. Tramer ist überzeugt, dass sich die kommunalen Rechenzentren zu Anbietern von Software as a Service über das Netz wandeln und der Kostendruck die Kommunen zwinge, solche Cloud-Angebote anzunehmen. Die DZBW werde deshalb alle Fachverfahren schrittweise cloud- und damit zukunftsfähig machen. Die Datenzentrale Baden-Württemberg kann dem Schwabenalter also gelassen entgegensehen. Denn damit verhält es sich so: Der Volksmund sagt, „dr Schwob“ werde erst mit 40 Jahren „gscheit“, die anderen nicht in Ewigkeit. So gesehen stehen der Datenzentrale Baden-Württemberg die besten Jahre noch bevor. (al)

http://www.dzbw.de
http://www.mercedes-benz.com/museum

Stichwörter: DZBW, Herbert O. Zinell, Gunter Cziesch, Karl Tramer



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