Interview:
Konsolidierung aktiv gestalten


[28.9.2017] Das ITZBund steht unter einer neuen Leitung. move moderne verwaltung sprach mit Direktor Dr. Alfred Kranstedt über seine neue Aufgabe und die Ziele der IT-Konsolidierung Bund.

Dr. Alfred Kranstedt ist seit 1. Juli 2017 Direktor des Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). Herr Dr. Kranstedt, am 1. Juli dieses Jahres haben Sie die Führung des ITZBund übernommen. Wie gehen Sie die neue Aufgabe an, welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Ich habe die Position mit einem nicht unerheblichen Respekt vor der Aufgabe, aber auch mit einer großen Portion Entschlossenheit und Neugierde angetreten. Mein Vorteil ist, dass ich wusste, was auf mich zukommt, das ITZBund ist ja kein Neuland für mich. Ich möchte nun das große Potenzial unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter fördern und im Sinne unserer Kunden gewinnbringend einsetzen. Meine persönlichen Ziele und die des Hauses leiten sich aus dem Auftrag des ITZBund ab. Hauptaufgabe ist die verlässliche Versorgung der Bundesverwaltung mit IT.

Welche Erfahrungen können Sie aus Ihren bisherigen beruflichen Tätigkeiten einbringen?

Ich bin seit über zehn Jahren in der Bundesverwaltung und seit acht Jahren im ITZBund und der Vorgängerorganisation tätig. Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gesammelt habe, sind sicherlich für die neue Aufgabe sehr hilfreich. Somit bringe ich IT-Management-Erfahrung wie auch Insider-Wissen mit und eine große Leidenschaft für IT-Konsolidierung. Mein Anspruch ist es nun, mich aktiv und gestaltend bei der IT-Konsolidierung Bund einzubringen.

Das ITZBund ist durch den Zusammenschluss der drei IT-Dienstleistungszentren des BMF, des BMI und des BMVI hervorgegangen. Wie ist der Fusionsprozess verlaufen?

Der Zusammenschluss ist erstaunlich reibungslos verlaufen, wenn man bedenkt, dass wir de facto nur ein halbes Jahr Zeit hatten. Sehr hilfreich war, dass die beteiligten Ministerien den Ursprungsbehörden die Freiheit überließen, den Fusionsprozess selbst zu gestalten. Wir sind dann wie Ingenieure vorgegangen, also sehr lösungsorientiert. Zudem war die Zusammenarbeit der Beteiligten aller drei Häuser sehr konstruktiv und gut. Dies war ein wesentlicher Erfolgsfaktor, dass wir zum 1. Januar 2016 nicht nur eine Türschildlösung präsentieren konnten, sondern tatsächlich eine bereits integrierte Organisation, die in einem gemeinsamen Behördennetz arbeitet und eine gemeinsame Außendarstellung hat.

Welche Ziele werden mit der Konsolidierung der IT des Bundes verfolgt?

Es ist mir zunächst wichtig zu betonen, dass an erster Stelle nicht eine Kostensenkung steht, es geht eher um Kostenkontrolle. Als wesentliches Ziel wollen wir einen Mehrwert bei der IT-Sicherheit erreichen. Im Vordergrund stehen der Schutz vor Cyber-Angriffen und IT-Ausfällen sowie die Sicherung der hoheitlichen Kontrolle der Daten. Diese Themen sind nur beherrschbar, wenn die organisatorische Komplexität verringert wird, und das ist nur über Konsolidierung erreichbar. Der Bund hat deshalb ja bereits Konsolidierungsprojekte gestartet, die Netzkonsolidierung, Betriebs- und Dienste- sowie die Beschaffungskonsolidierung.

Das ITZBund hat Anfang 2016 die Arbeit aufgenommen. Was wurde seither erreicht?

Das ITZBund soll innerhalb von drei Jahren als Organisation zu einer Einheit zusammenwachsen und fähig werden, die Konsolidierung weiterer IT-Einheiten des Bundes zu gestalten. Wesentliche Aspekte dieser Ertüchtigung sind abgeschlossen, wichtige Geschäftsprozesse wurden bereits vereinheitlicht. Zudem konnten wir die Kapazität des Rechenzentrums bereits deutlich erhöhen und unser Portfolio für die Kunden erweitern.

Eine der Aufgaben ist der Aufbau und Betrieb einer Bundes-Cloud. Was ist das Ziel?

Der Begriff Bundes-Cloud wird ja leider sehr schwammig verwendet. Mir ist wichtig, zu betonen, dass der Auftrag an das ITZBund lautet, die Vorteile dieses Bereitstellungsmodells für IT-Services für die Bundesverwaltung nutzbar machen. Wir wollen vermeiden, dass die öffentliche Verwaltung auf Public-Cloud-Angebote der IT-Industrie angewiesen ist. Der Hintergrund ist die Sorge um hoheitliche Kontrolle, Datenschutz und -sicherheit. Deshalb hat das ITZBund die Aufgabe erhalten, eine so genannte Trusted Bundes-Cloud, also eine vertrauenswürdige, eigenständige und unter hoheitlicher Kontrolle befindliche Cloud-Infrastruktur aufzubauen.

"Unter den Rahmenbedingungen eines staatlichen Betriebs wollen wir als IT-Dienstleister dieselben Leistungsparameter erreichen wie privatwirtschaftliche Unternehmen."

Wie ist der Stand der Dinge?

Wir haben festgestellt, dass wir gegen die Uhr arbeiten, weil die Angebote der IT-Industrie sehr attraktiv sind. Mit Hochdruck haben wir eine erste Pilot-Infrastruktur aufgebaut, die seit Februar dieses Jahres läuft. Ein erster Cloud-Service, ein Speicher für temporäre Daten vergleichbar mit Dropbox, ist seit Mitte des Jahres produktiv.

Führt die Nutzung von Cloud-Services auch zu einer Kostenreduktion?

Wenn wir die Infrastruktur noch besser auslasten können, werden auch Kosten gespart. Es gibt Berechnungen aus der Industrie, dass Einsparungen zwischen 20 und 50 Prozent möglich sind. Ich würde mich nicht festlegen wollen, ob das für Behörden erreichbar ist, denn ein nicht unerheblicher Teil des IT-Bedarfs leitet sich aus den spezifischen fachlichen Prozessen der Verwaltung ab. Das lässt sich nicht alles über die Cloud abbilden.

Welche weiteren Dienstleistungen und Produkte bieten Sie als IT-Dienstleister der Bundesbehörden an?

Wir sind ein Full-Service-Provider im Sinne eines Generalunternehmers. Die Behörden der Bundesverwaltung müssen ihre IT bei uns oder den andere IT-Dienstleistern des Bundes beziehen. Das heißt, dass wir alle Anforderungen der Fachbehörden auch erfüllen müssen. Wir bieten Leistungen von der Beratung über die Basisversorgung mit IT-Arbeitsplätzen bis zur Entwicklung von Anwendungen und dem Betrieb von IT-Lösungen in unserem Rechenzentrum an. Dabei bedienen uns teilweise anderer Dienstleister aus dem Behördenumfeld und der Privatwirtschaft. Wir sind sozusagen der Vermittler zwischen der Fachlichkeit der Behörden und den Produkten der IT-Industrie. Unsere Aufgabe ist es, die adäquaten Lösungen der Hersteller für die fachlichen Anforderungen unserer Kunden auszusuchen.

Welche Aufgaben hat das ITZBund beim Aufbau des Verbunds aller Serviceportale der öffentlichen Verwaltung?

Wir sind an den Aktivitäten beteiligt und sind einer der Betriebspartner für die Anteile des Portals, die seitens des Bundes realisiert werden. Der politische Druck ist in diesem Thema hoch, erste Versionen sollen möglichst frühzeitig verfügbar sein.

Wie ist die Vorgehensweise?

Es gibt zwei Aktivitätsstränge. Einerseits findet eine grundlegende Abstimmung in der Verwaltung über die konzeptionellen Grundlagen eines Verbunds der Serviceportale der Verwaltung statt. Darüber hinaus hat die Bundesverwaltung unter Federführung des BMI mit dem Aufbau eines Bundesportals begonnen, das nicht nur die Verwaltungsdienstleistungen des Bundes bündelt, sondern über das auch Verwaltungsdienstleistungen der Länder und der Kommunen erreichbar sind. Dies kann als Vorarbeit zu einem umfassenden Portalverbund angesehen werden. Es müssen ja vielfältige Serviceangebote unterschiedlichster Anbieter angepasst und eingebunden werden. Ich gehe davon aus, dass es zu Beginn ein reduziertes Angebot gibt, das aber schnell ausgebaut wird, damit der Mehrwert des zentralen Portals sichtbar wird. Es wird aber sicher noch etwas dauern, bis ein umfassender und einheitlicher Portalverbund entsteht.

Das ITZBund präsentiert sich auch als attraktiver Arbeitgeber. Was können die Mitarbeiter erwarten?

Die Hauptattraktivität einer Stelle bei uns beruht auf der IT-Konsolidierung. Diese Aufgabe ist insbesondere für IT-Führungskräfte spannend. Sie haben also eine hohe Motivation, sich bei uns zu bewerben, um diesen Prozess mitzugestalten. Zudem haben wir inzwischen eine Größe erreicht, sodass wir sehr gute Karrieremöglichkeiten bieten können. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können früh Verantwortung übernehmen und aktiv gestalterisch tätig sein. Verbunden mit den Sicherheiten einer Anstellung im öffentlichen Dienst sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben wir gute Argumenten im Wettbewerb um die besten Kräfte. Außerdem gehen wir die Personalentwicklung aktiv an. Wir kooperieren mit Hochschulen, um Personal für unsere Zwecke ausbilden zu lassen. Beispielsweise gibt es spezifische Studiengänge zur Verwaltungsinformatik.

Wie wird sich das ITZBund aus Ihrer Sicht entwickeln?

Unsere Vision ist, dass wir die Kundenanforderungen so gut bedienen können, dass Insourcing oder Outsourcing für die Behörden kein Thema mehr ist. Unsere Kunden sollen im Brustton der Überzeugung sagen können, dass sie keinen Grund haben, die IT in die Hände der Industrie zu legen. Unter den Rahmenbedingungen eines staatlichen Betriebs wollen wir als IT-Dienstleister dieselben Leistungsparameter erreichen wie privatwirtschaftliche Unternehmen.

Interview: Alexander Schaeff

Dr. Kranstedt, Alfred
Dr. Alfred Kranstedt ist seit 1. Juli 2017 Direktor des Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). Der promovierte Diplom-Informatiker ist seit 2006 in der Bundesverwaltung in verschiedenen Ressorts tätig. Seit 2009 war er in einer der Vorgängerbehörden des ITZBund, dem Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT), als Referatsleiter in der Software-Entwicklung und im IT-Betrieb sowie später als Abteilungsleiter „Dezentrale Betriebsservices“ tätig.

http://www.itzbund.de

Stichwörter: Politik, ITZBund, IT-Konsolidierung, Portalverbund

Bildquelle: ITZBund / Martin Joppen Photography

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