Umfrage:
Digitalpakt Gesundheit gewünscht


[12.4.2019] Gesundheit ist der zweitwichtigste Bereich, für den sich die Bevölkerung mehr Online-Services und Vernetzung wünscht. 39 Prozent der Bürger meinen, dass das Gesundheitswesen bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung Vorrang haben sollte. Das hat Sopra Steria in einer Umfrage herausgefunden.

Bevölkerung wünscht sich mehr Online-Service im Gesundheitswesen. Große Teile der Bevölkerung in Deutschland wünschen sich eine Art Digitalpakt für den Gesundheitssektor, vergleichbar mit dem des Schulwesens. 39 Prozent der Bürger meinen, dass das Gesundheitswesen bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung Vorrang haben sollte. Gesundheit ist damit nach der Bildung und vor dem Meldewesen der zweitwichtigste Bereich, für den sich die Bevölkerung mehr Online-Services und Vernetzung wünscht. Das hat die Studie „Digital Government Barometer 2018“ von IPSOS im Auftrag von Sopra Steria Consulting (wir berichteten) ergeben
Es geht der Bevölkerung laut einer Pressemeldung von Sopra Steria in erster Linie um eine Tempoverschärfung bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Rund jeder dritte der 1.000 in Deutschland Befragten spricht sich dafür aus, dass Online-Services für den Krankheitsfall mit Priorität entwickelt und angeboten werden. Eckpfeiler, um diesen Wünschen zu entsprechen, seien die elektronische Patientenakte, elektronische Rezepte sowie der Online-Austausch zwischen Arzt, Krankenkasse und Patient. Durch Gesundheits-Apps, digitale Diagnose-Tools und Teleberatung könnten Patienten beispielsweise Arztbesuche vermeiden. Auch bei Patienten-Self-Service-Angeboten, etwa für die Terminvereinbarung über Online-Portale, ist das Potenzial aus Sicht der Befragten nicht ausgeschöpft.

Politik sieht Handlungsbedarf

Die Politik sieht ebenfalls Handlungsbedarf: Mit einem elfköpfigen Expertenteam will das Bundesgesundheitsministerium die Digitalisierung des Gesundheitswesens verbessern, heißt es in der Pressemeldung von Sopra Steria. Das Gremium soll in den kommenden drei Jahren dafür sorgen, dass digitale Innovationen schneller im Alltag der Patienten ankommen. Ziel sei zudem, dass bis 2021 jeder Versicherte einen elektronischen Medikationsplan, den Notfalldatensatz und die elektronische Patientenakte hat. Im kommenden Jahr soll die nötige Telematikinfrastruktur flächendeckend zur Verfügung stehen. Derzeit seien rund 30.000 Arztpraxen angeschlossen, so das Ministerium.
„Das komplexe Gesundheitssystem in Deutschland mit rund 2.000 Krankenhäusern, 118 gesetzlichen Krankenkassen, circa 20.000 Apotheken, mehr als 200.000 Haus- und Fachärzten sowie Therapeuten und die 82 Millionen potenziellen Patienten digital optimal zu verbinden, ist keine leichte Aufgabe“, sagt Ronald de Jonge, Leiter Management Consulting Public Sector von Sopra Steria Consulting. Dazu gehören immer auch gesetzliche Voraussetzungen wie das vom Bundestag verabschiedete Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie ein spezielles Digitalisierungsgesetz, in dem beispielsweise Zugriffsrechte der Patienten zu regeln sind. Eine weitere Aufgabe ist es laut Sopra Steria, die vielen IT-Infrastrukturen aufeinander abzustimmen und Abläufe zu vereinfachen. „Dazu kommt, dass Krankenhäuser als kritische Infrastrukturen besondere IT-Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Mit Abschluss dieser Arbeiten ist es absehbar, dass sich der Online-Leistungskatalog im Gesundheitssektor schnell füllen wird“, sagt de Jonge abschließend.

Drängendste Digitalbaustelle: Bildungswesen

Die drängendste Digitalbaustelle der Verwaltung ist für die Bürger nach Angaben von Sopra Steria das Bildungswesen: 41 Prozent wünschen sich eine bessere digitale Ausstattung in Schulen und Hochschulen sowie mehr Online-Angebote für einen einfachen Dialog mit Schul- und Wissenschaftseinrichtungen. Direkt nach konkreten Lebenslagen gefragt verschieben sich allerdings die Prioritäten. 57 Prozent der Befragten wünschen sich vorrangig das digitalisierte Einwohnermeldeamt. Insgesamt wollen mehr als 80 Prozent der Bürger mehr behördliche Leistungen online nutzen. (ba)

Zum European Digital Government Barometer 2018 (Deep Link)
Management Summary zum European Digital Government Barometer 2018 (PDF; 1,8 MB) (Deep Link)
https://www.soprasteria.de

Stichwörter: Politik, Sopra Steria Consulting, Studie, Gesundheitswesen, Telematik, Telemedizin

Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Politik
Digital-Gipfel 2020: Grün und digital Bericht
[2.12.2020] Digitalisierung unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit – darum ging es beim diesjährigen Digital-Gipfel der Bundesregierung. Dabei zeigte sich: der digitale Wandel könnte gleich an mehreren Stellen auch zum Klimaschutz beitragen. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Dritte Digitalkonferenz der Landesregierung
[27.11.2020] Die nunmehr dritte Digitalkonferenz in Nordrhein-Westfalen gab Anlass zu einem Blick auf bereits umgesetzte Projekte der Digitalstrategie ebenso wie auf künftige Digitalisierungsvorhaben des Landes. mehr...
Digital-Gipfel 2020: Digital nachhaltiger leben
[25.11.2020] Der diesjährige Digital-Gipfel der Bundesregierung steht unter dem Motto „Digital nachhaltiger leben“ und wird virtuell stattfinden. Das Programm dreht sich unter anderem um Cyber-Sicherheit, die Arbeitswelt nach Corona sowie neue Möglichkeiten für datenbasierte Entscheidungen in der Verwaltung. mehr...
Brandenburg: Neuer Staatssekretär für Kommunales
[24.11.2020] Markus Grünewald wurde zum neuen Staatssekretär für Inneres und Kommunales in Brandenburg ernannt. Im Innenministerium übernimmt er somit die Verantwortung für die Bereiche Kommunalangelegenheiten, Brand- und Katastrophenschutz, Digitalisierung, Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Ausländerangelegenheiten. mehr...
Dr. Markus Grünewald ist zum Staatssekretär im Ministerium des Innern und für Kommunales in Brandenburg ernannt worden.
Rheinland-Pfalz: Resiliente Verwaltung Interview
[16.11.2020] Während der Corona-Pandemie hat die rheinland-pfälzische Landesregierung einen Re­silienzbericht erstellt. Kommune21 sprach mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer über die Ergebnisse und die Rolle der IT-Infrastruktur für die Krisenbewältigung. mehr...
Ministerpräsidentin Malu Dreyer
Suchen...

 Anzeige


Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Politik:
Aktuelle Meldungen