E-Rech-VO:
Einfache PDF-Rechnung reicht nicht


[27.11.2019] Öffentliche Auftraggeber müssen ab heute bereit sein für den elektronischen Rechnungsempfang. Der Verband elektronische Rechnung befürchtet, dass rechtliche und technische Individuallösungen viele Lieferanten abschrecken werden.

Öffentliche Auftraggeber müssen jetzt bereit sein für den elektronischen Rechnungsempfang. Ab dem heutigen Mittwoch (27. November 2019) gilt die „Verordnung über die elektronische Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen des Bundes“ (E-Rech-VO). Darauf weist der Verband elektronische Rechnung (VeR) hin. Nicht mehr nur alle Bundesministerien und Verfassungsorgane sind jetzt dazu verpflichtet, elektronische Rechnungen im Format XRechnung zu empfangen und zu verarbeiten, auch öffentliche Auftraggeber, die keine obersten Bundesbehörden oder Verfassungsorgane des Bundes sind sowie die so genannten Sektorenauftraggeber und die Konzessionsgeber müssen auf den elektronischen Rechnungsempfang umgestellt haben. Betroffen sind damit auch alle bundesunmittelbaren Körperschaften, Anstalten und Stiftungen, etwa die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Das Datum hat auch Bedeutung für die Lieferanten. Ab heute dürfen die Rechnungsempfänger des Bundes nämlich alle papierbasierten Rechnungen oder Rechnungen, die als einfaches PDF ohne CEN-konformen XML-Datensatz übermittelt werden, zurückweisen.
Auch einige Bundesländer sind betroffen: Die öffentlichen Auftraggeber in Thüringen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind nun zum elektronischen Rechnungsempfang verpflichtet. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg gelten entsprechende Regelungen schon länger. Alle anderen Bundesländer müssen bis zum 18. April 2020 nachziehen.
Stefan Groß, Vorsitzender des Verbands elektronische Rechnung (VeR), sieht Probleme durch eine drohende Vielzahl an rechtlichen wie auch technischen Individuallösungen. Stefan Groß, Vorsitzender des Verbands elektronische Rechnung (VeR), sieht Probleme durch eine drohende Vielzahl an rechtlichen wie auch technischen Individuallösungen: „Zwar haben sich einige Länder dafür ausgesprochen, die Onlinezugangsgesetz-konforme Rechnungseingangsplattform des Bundes zu nutzen. Doch wird es auch zahlreiche selbstbetriebene Plattformlösungen geben. Und manche Bundesländer haben sogar noch gar keine Aussage getroffen, wie der elektronische Rechnungseingang vonstatten gehen soll.“ Zudem unterscheiden sich laut Groß auch viele landesspezifische Rechts- und Verwaltungsvorgaben mitunter erheblich voneinander – etwa ab welcher Rechnungshöhe nur elektronische Rechnungen akzeptiert werden sollen, in welchem E-Rechnungs-Format (XRechnung, ZUGFeRD 2.0) diese zulässig sind oder welche Übertragungswege zur Übermittlung der elektronischen Rechnungsdaten zur Verfügung stehen werden. Dies könnte viele Lieferanten abschrecken, mahnt Groß: „Ohne einen versierten E-Invoicing-Provider, der die verschiedenen Determinanten, Vorgaben und Spezifikationen für die elektronische Rechnungsstellung an die öffentliche Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen im Blick hat, dürfte es für die meisten Rechnungssteller schwierig werden, einen einheitlichen, effizienten und kostensparenden Versandprozess für elektronische Rechnungen zu entwickeln.“ (al)

https://www.verband-e-rechnung.org

Stichwörter: E-Procurement, E-Rechnung

Bildquelle v.o.n.u.: Andriy Popov/123rf.com, Verband elektronische Rechnung (VeR)

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich E-Procurement
Brandenburg: Vergabeportal in neuem Look
[22.1.2020] Mit einem modernen Design und erweiterten Funktionen ist die Vergabeplattform des Landes Brandenburg ins neue Jahr gestartet mehr...
Thüringen: E-Vergabe auf dem Vormarsch
[14.1.2020] Die Zahl der Ausschreibungen auf der Vergabeplattform des Freistaats Thüringen ist 2019 stark gestiegen. Zudem erscheint die Vergabeplattform jetzt im neuen Layout. mehr...
Beschaffung: Projekt von Bund und Ländern
[20.12.2019] Ein Kooperationsprojekt zur standardbasierten Digitalisierung des öffentlichen Einkaufs- und Beschaffungsprozesses haben die Freie Hansestadt Bremen, das Land Nordrhein-Westfalen, die Koordinierungsstelle für IT-Standards und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gegründet. mehr...
Berlin: Entwurf für Änderung des Vergabegesetzes
[5.12.2019] Durch eine grundlegende Überarbeitung soll das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz fairer, ökologischer und wirtschaftsfreundlicher werden. Ein entsprechender Entwurf geht jetzt dem Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme zu. mehr...
Vergabestatistik: Gesetzentwurf mit Rahmenbedingungen
[31.10.2019] Im kommenden Jahr soll die bundesweite Vergabestatistik eingeführt werden. In einem Gesetzentwurf legt die Bundesregierung Regelungen vor, sodass das Statistische Bundesamt mit der Erfassung, Aufbereitung, Auswertung und Bereitstellung der Daten beginnen kann. mehr...