Digitale Souveränität:
Unternehmen fordern Unabhängigkeit


[22.7.2020] Eine Studie von Sopra Steria unterstreicht die Sorge um zu große digitale Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern vor dem Hintergrund des US Cloud Act, der den Zugriff auf Daten seitens amerikanischer Behörden erlaubt.

Zwei von drei Entscheidern in Deutschland sind für den Aufbau einer europäischen Cloud-Infrastruktur nach dem Modell Gaia-X (wir berichteten). Besonders die Macht US-amerikanischer Cloud-Konzerne weckt Argwohn. Mehr als die Hälfte der Entscheider fürchten Zugriffe auf ihre Daten durch den US Cloud Act. Das sind die Ergebnisse der Studie „Potenzialanalyse Cloud in Europa“ von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut.
Viele Manager sorgen sich dabei um zu große Abhängigkeiten von Anbietern aus dem Ausland. 60 Prozent fürchten den Verlust der Kontrolle über ihre Daten durch die Marktmacht ausländischer Cloud-Plattformen etwa von Microsoft, Amazon, Google oder Alibaba. Dabei spiele der US Cloud Act eine wichtige Rolle. Das Gesetz erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten in Clouds von US-Anbietern – auch dann, wenn die Daten deren Kunden gehören und außerhalb der USA gespeichert sind. 59 Prozent der befragten europäischen Entscheider sehen ein hohes Risiko, dass es hierdurch zu Zugriffen auf ihre Daten kommt. Von den Befragten in der öffentlichen Verwaltung äußern sogar zwei Drittel die Sorge, Daten von Bürgern könnten nicht genügend geschützt werden. Einen schnellen Ausweg aus dem Dilemma sehen die Entscheider jedoch nicht. Sechs von zehn sind der Meinung, dass aufgrund der Marktdominanz ausländischer Hyperscaler auch in Zukunft kein Weg daran vorbeiführen wird, deren Cloud-Services zu nutzen.

Entscheider hoffen auf Europa

Sechs von zehn Entscheidern wollen, dass Politik und Unternehmen für mehr digitale Unabhängigkeit Europas künftig enger zusammenarbeiten. Den Aufbau einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur nach dem Vorbild von Gaia-X wird von Wirtschaftsführern begrüßt: Zwei von drei Managern glauben, dass eine solche Infrastruktur gegen die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern aufgebaut werden sollte. Lediglich sechs Prozent der für die Studie befragten Manager aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung sehen für eine europäische Lösung keine Notwendigkeit.
Auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit spielt bei den Cloud-Überlegungen von Unternehmen eine wichtige Rolle. So sieht jeder fünfte Befragte im verarbeitenden Gewerbe und bei Finanzdienstleistern eine Chance für mehr Innovationen und eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit. „Deutsche Unternehmen erkennen die technische Überlegenheit ausländischer Cloud-Angebote, fürchten sie aber auch“, sagt Urs M. Krämer, CEO von Sopra Steria. „Eine europäische Infrastruktur ist daher grundsätzlich sinnvoll. Damit sie funktionieren kann, muss sie aber einen Mehrwert liefern. Sonst werden Unternehmen auch in Zukunft auf außereuropäische Angebote zurückgreifen.“ Europäische Projekte wie auch das Angebot der US-Hyperscaler müssten sich daran messen lassen, wie gut sie die Digitalstrategien von Unternehmen und des öffentlichen Sektors voranbringen. Krämer warnt davor, sich den Lösungen ausländischer Cloud-Dienstleister pauschal zu verschließen: „Die Suche nach Souveränität kann nicht erfolgreich sein, wenn sie in einem Autarkiestreben mündet, bei dem nur die eigenen Lösungen Priorität genießen und Leistungseinbußen hingenommen werden.“ Gerade im Bereich Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit könnten sonst neue Abhängigkeiten entstehen. (hm)

https://www.soprasteria.de

Stichwörter: Panorama, Sopra Steria Consulting, Cloud Computing, Cloud Act, Datenschutz, Gaia-X, digitale Souveränität



Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Panorama
Telekom: Drohnen im Rettungseinsatz
[18.1.2022] Das vom BMVI finanzierte, zum Jahresende 2021 abgeschlossene Projekt VISION erprobte die Unterstützung von Rettungskräften durch vernetzte integrierte Drohnen. Diese erlauben die laufende Erfassung von Notsituationen im Innen- oder Außenbereich und somit schnelleres Agieren. mehr...
Kippflügler als Rettungsdrohne.
eGov-Campus: Erster Kurs des HPI
[17.1.2022] Am 15. Februar startet das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) seinen ersten Selbstlernkurs auf dem eGov-Campus. In 150 Stunden, bestehend aus Erklärvideos und Übungsaufgaben, sollen die Teilnehmer mit den wichtigsten Technologien für die Verwaltungsdigitalisierung vertraut gemacht werden. mehr...
Bundesverwaltungsamt: Standort Magdeburg schnell ausbauen
[14.1.2022] In Magdeburg soll einer der größten Standorte des Bundesverwaltungsamts entstehen. Geplant ist, unter anderem die wichtige Zukunftsaufgabe Registermodernisierung dort anzusiedeln. Nun verzögert sich der Bezug des Gebäudes aber auf unbestimmte Zeit. mehr...
eGov-Campus: FITKO übernimmt Leitung
[11.1.2022] Die Verantwortung für den vor zwei Jahren vom Land Hessen initiierten eGov-Campus geht für den nun dauerhaften Betrieb an die FITKO über. An der deutschlandweiten digitalen Bildungsplattform für E-Government sind auch führende Hochschullehrstühle beteiligt. mehr...
ÖFIT-Umfrage: Meinungsbildung in digitaler Öffentlichkeit
[11.1.2022] Das ÖFIT hat eine Umfrage zum Einfluss digitaler Kommunikation auf die politische Meinungsbildung durchgeführt. Die Befragung zeigte, dass digitale und traditionelle Medien wichtiger werden. Zudem bewerten jüngere Menschen digitale Informationsquellen deutlich anders als ältere. mehr...
Suchen...

 Anzeige


Aktuelle Meldungen