Saarland:
Polizei wird fit für digitale Spuren


[21.2.2022] Neue Ermittlungswerkzeuge sollen die Polizei im Saarland fit für die digitale Spurensicherung machen. Neben diversen IT-Lösungen sollen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zum Ermittlungserfolg beitragen.

Polizei im Saarland wird fit für den digitalen Tatort. Die Polizei im Saarland soll fit im Umgang mit digitalen Spuren werden. Zu diesem Zweck wird sie laut dem Ministerium für Inneres, Bauen und Sport neue Ermittlungswerkzeuge einsetzen. Seit Kurzem stehe den Polizeidienststellen beispielsweise die zweite Software-Generation für den so genannten Livescan zur Verfügung. Sie verbessere die Bedienbarkeit der bestehenden Hardware für das Erfassen und den Abgleich von Fingerabdrücken. Auch könne nun nach neuen Standards mit allen relevanten Datenbanksystemen abgeglichen oder darin erfasst werden. Neben dem Informationssystem der Polizei INPOL seien dies das Schengener Informationssystem, die Datenbank des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie das Ausländerzentralregister. Perspektivisch sei außerdem der mobile Einsatz von Fast-ID-Geräten zum Abgleichen von Fingerabdrücken über Tablets oder Notebooks eine Option. Im Saarland wurde für das Projekt eine Investitionssumme von rund 150.000 Euro bereitgestellt, heißt es vonseiten des Ministeriums. Für weitere Verbesserungen soll Version 8.4 des Programms INPOL sorgen. Es können damit komplette Erkennungsdienstliche (ED) Behandlungen für das Schengener Informationssystem erfasst werden. Die Kriminaltechnik habe nun direkten Zugriff auf den Livescan-Vorgang. Das sei etwa bei der Be- und Verarbeitung von Vergleichsabdrücken wichtig. Darüber hinaus sei für die Auswertung daktyloskopischen Spurenmaterials (Finger-, Hand- oder Fußabdrücke) die neue Software Lucia Dacty Scope beschafft worden. Die Investitionskosten dafür belaufen sich laut Ministerium auf 25.000 Euro.

Aus- und Fortbildungsmaßnahmen

Für den Ermittlungserfolg entscheidend ist außerdem die Kompetenz der Polizeibeamtinnen und -beamten. Um sie für digitale Spuren zu sensibilisieren, hat die Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) eine Aus- und Fortbildungsoffensive im Bereich Cybercrime gestartet. Sie setzt sich laut Innenministerium mit Typologien und Arten digitaler Spuren und ihrer beweiskräftigen Sicherung auseinander. Beispielsweise können die Öffnungszeiten von Türen und Fenstern, die Heizkurve in der Hausautomation (Smart Home) zur Feststellung des Todeszeitpunkts, Spuren im Infotainment-System des Pkw (Automotive-IT), die Pulsfrequenz in der Sportuhr des Tatverdächtigen zur Tatzeit (Internet der Dinge) oder die Router-Daten verbundener Mobilfunkgeräte in der Wohnung des Stalking-Opfers den entscheidenden Hinweis zur Falllösung bringen. Für die Aus- und Fortbildung sei ein komplett erkennungsdienstlicher Arbeitsplatz mit Livescanner, Kamera und ED-Tisch eingerichtet worden. Die Investitionskosten belaufen sich auf 10.000 Euro. Auch werden zusammen mit dem Landespolizeipräsidium unterschiedliche digitale Geräte beschafft. Mit ihnen können in speziellen Trainings während der Aus- oder Fortbildung Kompetenzen für die Suche, den Schutz und die Sicherung digitaler Spuren entwickelt und ausgebaut werden. Ebenfalls wurden für die zukünftigen Schulungen der digitalforensischen Untersuchung von Beweismitteln durch die Cybercrime-Schwerpunkt-Sachbearbeitenden Geräte und Ausstattung angeschafft. Die Kosten dafür liegen insgesamt bei circa 30.000 Euro, teilt das Innenministerium mit.

Ausrüstung und Schulung müssen Hand in Hand gehen

„Es gibt zwei Schwerpunkte, die bei Investitionen gleichermaßen zu beachten sind, damit die Digitalisierungskampagne für unsere Polizei erfolgreich sein kann: die Ausrüstung und die Schulung der Polizistinnen und Polizisten. Beides muss Hand in Hand gehen“, fasst Innenminister Klaus Bouillon zusammen. „Das bedeutet, wir müssen einerseits moderne, neue Ermittlungswerkzeuge bereitstellen oder bestehende Systeme an die heutigen Anforderungen anpassen. Die Aktualisierung des Livescan-Systems ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Andererseits ist es notwendig, geeignete Aus- und Weiterbildungsprogramme anzubieten. Für deren Einrichtung und Durchführung schaffen wir beispielsweise durch den Bau des geplanten Cyberausbildungs- und Trainingszentrum (CATZ) auf dem Campus der Fachhochschule für Verwaltung in Göttelborn die perfekten Voraussetzungen.“ (ve)

https://www.saarland.de

Stichwörter: Innere Sicherheit, Saarland, Polizei

Bildquelle: p0temkin / 123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Innere Sicherheit
OZG: Optimierte Online-Wache in elf Ländern
[24.1.2023] Bislang wurde die Online-Wache in einer Kooperation vom Saarland und von Rheinland-Pfalz betrieben. Nun hat das Land Sachsen, das für das OZG-Themenfeld Recht und Ordnung verantwortlich ist, die vorhandene Lösung erweitert. Damit entstand eine EfA-Lösung für bisher elf Bundesländer. mehr...
Neue  EfA-Lösung: In elf Bundesländern kann jetzt online Anzeige erstattet werden.
Mecklenburg-Vorpommern: Dienst-Smartphones für die Polizei
[11.1.2023] Seit 2020 wurden bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern Smartphones mit polizeifachlichen Apps pilotiert – mit großem Erfolg. Nun sollen noch in diesem Jahr alle Streifenbeamten ein Smartphone erhalten. Ursprünglich war der landesweite Einsatz erst ab 2027 geplant. mehr...
Baden-Württemberg: Digitale Krisenbewältigung
[18.11.2022] Baden-Württemberg digitalisiert sein Krisen-Management auf einer einheitlichen Plattform über alle Verwaltungsebenen. Mit dem digitalen Lagebild sollen die Behörden Daten in Echtzeit teilen und Einsatzlagen schneller bewältigen können. mehr...
Das Land Baden-Württemberg hat eine digitale, einheitliche Plattform für das Krisen-Management geschaffen, die alle Verwaltungsebenen verbindet.
Baden-Württemberg: Ericsson modernisiert Digitalfunk BOS
[31.8.2022] Das Mobilfunktechnologie-Unternehmen Ericsson modernisiert in Baden-Württemberg die Digitalfunksysteme für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Ein Beschluss des Bundes verlangt, dass der Digitalfunk BOS noch mindestens bis 2030 betriebsfähig bleibt. mehr...
In Baden-Württemberg modernisiert Ericsson die Digitalfunksysteme für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.
Nordrhein-Westfalen: Internet-Wache ist freigeschaltet
[25.8.2022] Die neue Internet-Wache der nordrhein-westfälischen Polizei ist online. Über das barrierefreie Portal können Bürger Anzeigen erstatten, Hinweise geben, Anträge stellen und sich informieren. Auch die polizeiliche Sachbearbeitung soll mit der Plattform optimiert werden. mehr...
Die Internetwache der nordrhein-westfälischen Polizei ist online.
Suchen...

 Anzeige


MACH AG
23558 Lübeck
MACH AG
xSuite Group GmbH
22926 Ahrensburg
xSuite Group GmbH
SEITENBAU GmbH
78467 Konstanz
SEITENBAU GmbH
Aktuelle Meldungen