BMDSAufbruch, Umbruch, Durchbruch

[31.10.2025] Das im Mai gegründete und noch im Aufbau befindliche Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat in einem Eckpunktepapier sein ehrgeiziges Zielbild für die zukünftige Arbeit entworfen. Dabei will es vieles anders machen als gewohnt.

Mit seinem Zielbild will das BMDS vermitteln, wofür Deutschland als Demokratie in Zukunft stehen soll und wie sich der Staat weiterentwickeln muss.

(Bildquelle: BMDS)

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat unter dem Titel „Durchbruch für Deutschland“ ein Zielbild mit zehn Eckpunkten für seine künftige Arbeit vorgelegt. In bewusst einfach klingenden Sätzen skizziert das Ministerium ein Bild des Ist-Zustandes in Deutschland, umreißt seine Ansprüche und die angestrebte Arbeitsweise und nennt auch schon konkrete Vorhaben. Dem BMDS geht es in seinem Zielbild nicht bloß um Digitalisierung, sondern um nichts weniger als zu zeigen, „wofür Deutschland als Demokratie in Zukunft stehen soll, wie sich das Land, der Staat weiterentwickeln muss“. Der ungewöhnliche Sprachstil, in dem das Zielbild verfasst wurde, ist programmatisch: Nur mit einer klaren Sprache und glaubwürdigen Tonalität könne die dringend benötigte Veränderung sichtbar gemacht werden, mit der „betonierte Strukturen aufgebrochen“ werden sollen.

Gute Stimmung, ehrgeizige Ziele

Deutschland hat sich verknotet, so der erste Punkt des BMDS. Die Menschen, konstatiert das Ministerium, hätten angesichts überbordender Bürokratie und zahlreicher wichtiger stagnierender Großprojekte ein Gefühl des Stillstands – und wünschten sich dringlichst, dass der Knoten endlich zum Platzen gebracht würde. Auch im internationalen Wettbewerb erscheine Deutschland abgeschlagen, bei Industrie wie auch Zukunftstechnologien. Hinzu kämen eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und eine gefährdete Demokratie. Das BMDS will nun das Tempo in Deutschland massiv erhöhen und so mehr Lust auf Wettbewerb und Begeisterungsfähigkeit wecken. Doch es geht nicht nur um die Stimmung: Um aufzuholen, brauche Deutschland den neuen Führungsanspruch, in kritischen Zukunftstechnologien – namentlich KI – weltweit spitze zu sein. Dann könne es auch einen entscheidenden Beitrag zu einem technologiestarken Europa leisten. Und durch eine entschieden vorangebrachte (Staats-)modernisierung ließe sich auch die Demokratie stabilisieren – das Ministerium spricht von einer Hochleistungsdemokratie, die Deutschland als Modernisierungsweltmeister erreichen könne. Digitalisierung und insbesondere KI werden nicht als für sich stehende Aufgabe begriffen, sondern als eine maßgebliche Hilfe bei der „Lösung vieler unserer Themen und Probleme in Deutschland“.

Ein neuer Politikstil

Die gegenwärtigen Verstrickungen lösen will das Ministerium mit einer neuen politischen Arbeitsweise und mit überzeugenden Inhalten, die zudem in einer Art vermittelt werden sollen, „die Zukunft verspricht“. Um den dringend gebrauchten Durchbruch zu erreichen, reklamiert das BMDS – in Anlehnung an historische, erfolgreiche Sonderwirtschaftszonen wie in Hongkong, Dubai oder auch Hamburg – für sich eine „Sonderpolitikzone“ mit einem Politikstil, der sich vom Bisherigen klar absetzt. Als ein querliegendes Ministerium, das mit der Digitalisierung ein grundlegend anderes Thema behandle und mehr als alle anderen Ministerien dem Diktat der Geschwindigkeit unterliege, müsse das BMDS schneller entscheiden, sein Umfeld beschleunigen und auch mehr experimentieren.

Wichtige Kennzeichen des angestrebten Politikstils, der mehr Agilität und bessere Steuerung ermöglichen soll, sind der Einbezug aller Ebenen und vor allem eine projektbezogene, teambasierte, interdisziplinäre Arbeitsweise. Um die Bundesrepublik in den kommenden Jahren zu dem zu machen, was Deutschland – auch innerhalb Europas – sein könne, sei die Beteiligung aller erforderlich. Das BMDS spricht hier von einer großen gemeinsamen Anstrengung aller Ministerien, aller Länder und Kommunen, aller Bürgerinnen und Bürger und der gesamten Wirtschaft. Die projektbasierte Politik des BMDS orientiert sich an bewährten Arbeitsweisen der Digitalwirtschaft: Aufteilung in zeitlich begrenzte Unterprojekte, Arbeit in interdisziplinären Teams mit hoher Umsetzungsorientierung, iteratives Vorgehen und permanente Wirkungsmessung.

Acht Projekte sollen den Durchbruch schaffen

Das Digitalisierungsministerium hat klare Ziele für den angestrebten „Durchbruch für Deutschland“ definiert. Erreicht werden sollen diese durch acht Projekte, die in dem Zielbild bereits konkret benannt werden. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie schnelle Erfolge versprechen oder dass sie „dicke Bretter bohren“, in jedem Fall soll anhand klarer Zielwerte der Erfolg messbar sein. Entlang dieser entscheidenden Projekte will das Ministerium sein gesamtes Vorgehen und seine Kommunikation ordnen. Die Durchbruchsprojekte sollen von interdisziplinären Teams mit klaren Verantwortlichkeiten vorangetrieben werden, dabei wirken Ministerien, Länder, Kommunen und stellenweise auch externe Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft mit. Im Einzelnen:

  • Entlastung von Unternehmen durch Abbau von Berichtspflichten und Verwaltungsvorschriften sowie durch Automatisierung. So soll es möglich werden, dass beispielsweise ein mittelständischer Maschinenbauer seine Quartalsdaten automatisch aus dem ERP-System übermittelt und damit 25 Prozent weniger Berichtspflichten hat.
  • Durch den Abbau von Doppelstrukturen soll der Staat schneller, schlanker, bürgernäher und auch verständlicher werden. Ein Beispiel: Unternehmer müssen für die Eröffnung eines neuen Standorts nicht mehr mit verschiedenen Behörden einzeln kommunizieren. Für Antragsteller ist sofort klar, wer zuständig ist, und der erteilte Bescheid kommt digital.
  • Ein digitales Simulationssystem zur Gesetzesfolgenabschätzung soll Unternehmen zugutekommen. Diese sollen so vorab erkennen, welche Kosten eine neue Regelung verursacht – und so Investitionen langfristig besser planen können.
  • Weiterhin auf der Agenda stehen der Glasfaserausbau und der 5G-Ausbau, mit dem gleichwertige Verhältnisse in Stadt und Land erreicht werden sollen. Die Vision des BMDS: Eine Angestellte oder ein Angestellter kann ohne Verbindungsabbrüche im Homeoffice im Dorf arbeiten, während die Kinder online lernen.
  • Zur Bündelung von Daten, Registern, Identitäten und Plattformen soll eine neue nationale digitale Basisinfrastruktur entstehen, die Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft mit sicheren und offenen Datenräumen versorgt. Offene, sichere Datenökosysteme sollen der Standard werden – auch hier wieder zum Nutzen der Wirtschaft, in ganz Europa.
  • Durch gezielte Förderung, Regulatorik und eine AI-First-basierte Optimierung aller Verwaltungsprozesse sollen KI-Prozesse und Automatisierung möglich werden, ohne dass Ethik und Datenschutz unter den Tisch fallen. KI „Made in Germany“ soll als Qualitätssiegel nach europäischen Standards entwickelt und eingesetzt werden. Hier sieht das BMDS eine Chance für nachvollziehbare, transparente und diskriminierungsfreie Verwaltungsprozesse, die einerseits Akzeptanz und Vertrauen in Künstliche Intelligenz stärken und andererseits die Veraltung entlasten.
  • Weiterhin gilt das Diktum, dass digitale Verwaltung einfacher werden soll. Dazu will das BMDS die Themen Once Only, EUDI-Wallet und Digitale Identität aufgreifen und weiter vorantreiben. Das Ziel ist, dass alle Behördengänge unkompliziert online möglich sind: mit einer einzigen digitalen Identität, der digitalen Verknüpfung notwendiger Nachweisdokumente und einer digitalen Bescheidzustellung.
  • Start-ups und Scale-ups sollen durch Vereinfachungen bei der Gründung und gezielte Wachstumsfinanzierung gefördert werden. Für einen zügigen Technologietransfer von der Forschung in den Markt sollen Standards, Best Practices und ein modernes Technologietransferrecht entwickelt werden. Wachstumsfonds sollen Kapital schnell und unabhängig zugänglich machen.

Der Fortschritt und die Kernresultate dieser Durchbruchsprojekte, die das BMDS in seinem Eckpunktepapier skizziert hat, sollen anhand klarer, messbarer KPIs – auch vor dem Hintergrund der Budgetnutzung – regelmäßig überprüft werden. Fortschritte wie auch Rückschläge sollen nicht zuletzt den Bürgerinnen und Bürgern transparent, verständlich und regelmäßig kommuniziert werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Baden-Württemberg: Schneller Roll-out statt vieler Einzellösungen

[15.10.2026] Baden-Württemberg hat mit dem Bund vereinbart, fünf bestehende Online-Dienste innerhalb von neun Monaten bei allen zuständigen Behörden im Land verfügbar zu machen. Ein zentral organisierter Anschlussprozess soll die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen. mehr...

Thüringen: Gemeinsame Standards vereinbart

[14.10.2026] Thüringen und die kommunalen Spitzenverbände haben ihre Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung neu vereinbart. Gemeinsame Standards und eine stärkere Nutzung der Verwaltungscloud sollen die IT-Systeme von Land und Kommunen besser verbinden. mehr...

Drei EU-Flaggen vor blauem Himmel wehen im Wind, im Hintergrund ein modernes Gebäude und blauer Himmel.

OSBA: Vorrang für Open Source

[13.10.2026] Die EU-Kommission hat einen Entwurf für eine neue Vergabeverordnung vorgestellt, womit die bisherigen EU-Richtlinien zur Vergabe öffentlicher Aufträge ersetzt werden sollen. Die Open Source Business Alliance sieht in dem Entwurf verpasste Chancen. mehr...

NKR-Jahresbericht 2026: Bürokratieabbau kommt kaum voran

[12.10.2026] Der Nationale Normenkontrollrat zieht in seinem Jahresbericht 2026 eine gemischte Bilanz zum Bürokratieabbau und zur Staatsmodernisierung. Zwar ist der jährliche Erfüllungsaufwand um 6,8 Milliarden Euro gesunken, gleichzeitig steigen jedoch die Bürokratiekosten. mehr...

Schleswig-Holstein: Schrödter offen für Cyber-Sicherheitsgremium

[12.10.2026] Digitalisierungsminister Dirk Schrödter unterstützt die Prüfung eines nationalen Cyber Incident Review Boards, das schwerwiegende Cyber-Angriffe systematisch untersuchen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten soll. In einer Landtagsrede verwies er auf die wachsende Bedrohung digitaler Infrastrukturen und stellte die bereits ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen Schleswig-Holsteins vor. mehr...

Schleswig-Holstein: Neuer Datenschutzbeauftragter

[12.10.2026] Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat Jens Ambrock einstimmig zum neuen Landesbeauftragten für Datenschutz gewählt. Er tritt die Nachfolge von Marit Hansen an, deren zweite Amtszeit im Januar 2027 endet. Ambrock bringt langjährige Erfahrung im Datenschutzrecht und in der behördlichen Datenschutzaufsicht mit. mehr...

Mann mit gelbem Shirt und dunkelroter Hose liegt gemütlich auf einer grauen Couch und schaut auf sein Smartphone.

Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen

[09.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...

Tablet mit dem Cover des Berichts zur Staatsmodernisierung

BMDS: Zwischenbilanz zur Staatsmodernisierung

[08.10.2026] Ein Jahr nach dem Beschluss ihrer Modernisierungsagenda zieht die Bundesregierung Bilanz. Sie meldet Fortschritte bei digitalen Verfahren und mehr als zehn Milliarden Euro weniger jährlichen Erfüllungsaufwand. Fünf von 23 zentralen Projekten sind abgeschlossen. mehr...

Blick über die Schulter einer Person, die ein Smartphone hält. Auf dem Screen ist das EUDI-Wallet-Logo.

EUDI-Wallet: Anhörung im Bundestag

[08.10.2026] Die geplante EUDI-Wallet stößt bei Sachverständigen grundsätzlich auf Zustimmung, zugleich sehen sie Nachbesserungsbedarf beim Digitale Identitätengesetz. Vor allem die Einbindung der Kommunen, die Verarbeitung digitaler Nachweise sowie Datenschutz und Sicherheit gelten noch als offene Punkte. mehr...

Hessen: Positive Halbzeitbilanz

[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...

Composite in Blautönen: Geschäftsfrau tippt auf Smartphone, Laptop und Notebook auf einem Tisch. Overlay mit Ordnern mit Dokumentensymbolen.

Saarland: Fünf Leistungen schneller in die Fläche

[05.10.2026] Fünf weitere Verwaltungsleistungen sollen im Saarland innerhalb von neun Monaten flächendeckend digital verfügbar sein. Der Ministerrat hat grünes Licht für die Teilnahme des Saarlandes am Bundesprogramm „Flächendeckung digitale Verwaltungsleistungen“ gegeben. mehr...

Bayern/Hessen: Digital-Roundtable geplant

[01.10.2026] Bayern und Hessen wollen die Zusammenarbeit der Länder bei Innovation und Wachstum stärken. Für die Veranstaltung Bits & Pretzels 2027 ist ein Roundtable der Digitalministerinnen und Digitalminister geplant. mehr...

Schwarz-weiß Bild: Blick ins manuell geführte KfZ-register in Flensburg, Großraumbüro

Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz

[28.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...

Thüringen / Schleswig-Holstein: Digital-Kooperation wird vertieft

[23.09.2026] Thüringen und Schleswig-Holstein wollen bei der Digitalisierung ihrer Landesverwaltungen enger zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Dateninfrastrukturen, Registermodernisierung, Open Source, souveräne KI-Lösungen und länderübergreifende Netzwerke. mehr...

IT-Planungsrat: Weichen für Deutschland-Stack gestellt

[21.09.2026] Bund und Länder haben zentrale Zuständigkeiten für den Deutschland-Stack festgelegt. Der Bund übernimmt mit Unterstützung der FITKO die Verantwortung für fünf Basiskomponenten der föderalen Digitalinfrastruktur. mehr...