Baden-WürttembergeJustice-Programm abgeschlossen

[12.10.2026] Nach fast 12 Jahren hat Baden-Württemberg die flächendeckende Einführung der elektronischen Akte in der Justiz abgeschlossen. An 170 Dienststellen arbeiten fast 11.000 Beschäftigte mit der digitalen Akte. Als Software- und Entwicklungspartner begleitete PDV das Programm von der Pilotphase bis zum landesweiten Roll-out.

Die elektronische Aktenführung und der elektronische Rechtsverkehr ist in der baden-württembergischen Justiz flächendeckend etabliert.

(Bildquelle: KI-generiert)

Das eJustice-Programm der Justiz Baden-Württemberg wurde zum 30. Juni 2026 offiziell abgeschlossen. Bereits seit Dezember 2025 arbeiten sämtliche Gerichte und Staatsanwaltschaften des Landes vollständig mit der elektronischen Akte (eAkte). Nach Angaben des Justizministeriums war Baden-Württemberg damit das erste Bundesland, das die flächendeckende Einführung der eAkte vollständig abschließen konnte. Von der Möglichkeit, die gesetzliche Umsetzungsfrist bis 2027 zu verlängern, machte das Land keinen Gebrauch.

Als Software- und Entwicklungspartner war das Unternehmen PDV seit Beginn des Programms beteiligt. Nach einem europaweiten Vergabeverfahren erhielt das Unternehmen im Februar 2015 den Zuschlag für die elektronische Aktenlösung. Auf Basis seiner VIS-Suite entwickelte PDV die Fachlösung VIS-Justiz, die auf die Anforderungen der Justiz zugeschnitten ist und neben einer elektronischen Aktenführung auch die notwendigen Schnittstellen für den elektronischen Rechtsverkehr bereitstellt.

VIS-Justiz als technische Grundlage

Nach Angaben von PDV wurden insgesamt 171 Dienststellen digital ausgestattet, darunter 152 Gerichte, zwei Generalstaatsanwaltschaften und 17 Staatsanwaltschaften. Fast 11.000 Beschäftigte nutzen täglich die elektronische Akte. Bis zum Programmabschluss wurden über 3,7 Millionen Verfahren elektronisch geführt und mehr als 68 Millionen Nachrichten über den elektronischen Rechtsverkehr ausgetauscht. Monatlich werden bis zu einer Million elektronische Ein- und Ausgänge verarbeitet.

Die Einführung begann mit Pilotprojekten am Arbeitsgericht Stuttgart und am Landgericht Mannheim. Anschließend wurde die Lösung schrittweise auf sämtliche Dienststellen ausgeweitet. Während der Programmlaufzeit erfolgten kontinuierliche Anpassungen an gesetzliche, organisatorische und fachliche Anforderungen. Die Pflege und Weiterentwicklung von VIS-Justiz erfolgt unter Federführung Baden-Württembergs gemeinsam mit Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen sowie dem Bundesgerichtshof, dem Bundespatentgericht, dem Bundessozialgericht und dem Generalbundesanwalt.

Grundlage für weitere Digitalisierung

Mit dem Programmabschluss sind die elektronische Aktenführung und der elektronische Rechtsverkehr flächendeckend in der baden-württembergischen Justiz etabliert. Verfahren können damit durchgängig digital bearbeitet und Dokumente rechtsverbindlich elektronisch ausgetauscht werden. Nach Angaben von PDV trug die Digitalisierung auch während der Corona-Pandemie dazu bei, die Arbeitsfähigkeit der Justiz aufrechtzuerhalten. Digitale Schulungsformate ermöglichten zudem die weitgehend planmäßige Fortsetzung der Einführung.

„Der Abschluss des eJustice-Programms ist ein wichtiger Meilenstein und das Ergebnis vertrauensvoller Partnerschaft“, erklärte PDV-Geschäftsführer Dirk Nerling. Die nun geschaffene digitale Infrastruktur bildet zugleich die Grundlage für weitere Digitalisierungs- und Automatisierungsvorhaben in der Justiz.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Justiz
Berliner Behörden arbeiten künftig mit standardisiertem IT-Arbeitsplatz.

Bundesamt für Justiz: Führungszeugnis vollständig digital erhältlich

[09.10.2026] Seit Anfang Oktober können Bürgerinnen und Bürger Führungszeugnisse nicht nur online beantragen, sondern auch digital erhalten. Das Bundesamt für Justiz stellt die Dokumente im Regelfall innerhalb von 30 Minuten über das Zentrale Bürgerpostfach der BundID bereit. mehr...

Hände mit Smartphone

E-Justiz: Neue Onlinedienste im Bereich Nachlass

[02.10.2026] Das Online-Justiz-Portal unterstützt Bürgerinnen und Bürger jetzt auch bei Erbscheinen und Erbausschlagungen. Die neuen Dienste informieren über Voraussetzungen, Fristen und Kosten und helfen dabei, Termine beim Nachlassgericht digital vorzubereiten. mehr...

Nahaufnahme einer schreibenden Hand mit Papierstapeln und mehreren Stiften.

Schleswig-Holstein: E-Klausuren im Ersten juristischen Staatsexamen

[08.09.2026] Das Land Schleswig-Holstein und die Universität Kiel haben eine Absichtserklärung zur Digitalisierung des Ersten juristischen Staatsexamens unterzeichnet. Ab Mitte 2027 soll die elektronische Variante zunächst in Hamburg, voraussichtlich ab 2028 in einem Kieler Prüfungszentrum angeboten werden. mehr...

Baden-Württemberg/Niedersachsen: Anschluss an bundesweites Justiznetz

[26.08.2026] Baden-Württemberg und Niedersachsen sind als erste Länder an das neue bundesweite Justiznetz angeschlossen worden. Das Netz bildet die technische Grundlage für eine Justiz-Cloud, über die Gerichte und Staatsanwaltschaften künftig gemeinsame Anwendungen nutzen sollen. mehr...

Dunkler Hintergrund, hellblau leuchtende Darstellung eines Fingerabdrucks, im Hintergrund ein paar Linien und Icons

Strafverfolgung: Digitale Beweismittel schneller übermitteln

[21.08.2026] Die Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten soll bei der Verfolgung von Straftaten verbessert und an neue technische Entwicklungen angepasst werden. Auf der Grundlage von EU-Vorgaben ist in Deutschland ein entsprechendes Gesetz in Kraft getreten. mehr...

Schreibtisch mit Laptop und darauf tippenden Händen, im Vordergrund ein weißes, dreidimensionales Paragrafenzeichen.

Offenburg: Pilotprojekt für bundesweite Justizsoftware

[06.08.2026] Am Landgericht Offenburg ist die neue bundesweite Justizsoftware GeFa erstmals im Echtbetrieb im Einsatz. 33 Beschäftigte testen das Fachverfahren, das künftig in allen Bundesländern genutzt und zahlreiche ältere Lösungen ablösen soll. mehr...

Justizcloud: ITDZ Berlin übernimmt zentrale Aufgaben

[31.07.2026] Das ITDZ Berlin übernimmt zentrale Serviceprozesse für die bundesweite Justizcloud. Damit stärkt der Berliner IT-Dienstleister seine Rolle in einem länderübergreifenden Digitalisierungsprojekt der Justiz und übernimmt Aufgaben für den Betrieb der gemeinsamen Cloud-Infrastruktur. mehr...

Schreibtisch mit Laptop und darauf tippenden Händen, im Vordergrund ein weißes, dreidimensionales Paragrafenzeichen.

Sachsen-Anhalt: E-Akte an allen Arbeitsgerichten

[16.07.2026] In Sachsen-Anhalt arbeiten nun alle vier Arbeitsgerichte und das Landesarbeitsgericht mit der elektronischen Akte. Den Abschluss bildete die Umstellung in Dessau-Roßlau. In der Startphase können einzelne Abläufe noch langsamer laufen. mehr...

Nahaufnahme eines hellblauen Reißverschlusses auf gelbem Hintergrund

Hessen: Brücke zwischen Polizei und Justiz

[01.06.2026] Polizei und Justiz arbeiten weitgehend digital – aber mit unterschiedlichen Systemen. Damit Strafverfahren dennoch medienbruchfrei und rechtskonform ablaufen, gibt es die elektronische Strafakte. Die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung berichtet über das komplexe föderale IT-Projekt. mehr...

Baden-Württemberg: Zivilgerichtliches Online-Verfahren läuft an

[06.05.2026] Das zivilgerichtliche Online-Verfahren ist ein bürgernahes Angebot, das eine effiziente und schnelle Bearbeitung von Rechtsstreitigkeiten ermöglichen soll – ohne dass die Beteiligten zwingend persönlich vor Gericht erscheinen müssen. Nun startete die Pilotierung auch in Baden-Württemberg. mehr...

Ein paar offenbar männliche Hände sind dabei, einen Aktenstapel auf einer hölzernen Tischplatte abzulegen.

Baden-Württemberg: KI-Tool hilft beim Aktensichten

[30.04.2026] Als Teil der Digitalisierungsinitiative für die Justiz entwickelt das Land Baden-Württemberg ein KI-Werkzeug zur Aktenstrukturierung. Justizangehörige sollen so schnelleren Zugriff auf wesentliche Informationen erhalten und Verfahren dadurch beschleunigt werden. mehr...

Sachsen: E-Akte in der Justiz wird weiterentwickelt

[27.04.2026] Die sächsische Justiz hat die elektronische Verfahrensakte flächendeckend eingeführt. Der erfolgreiche und fristgemäße Projektabschluss im Dezember 2025 wurde nun mit einem Festakt begangen. Die weitere Entwicklung der E-Akte ist organisatorisch bereits abgesichert. mehr...

Mock-Up-Screens mit dem Dialog zur P-Konto-Einrichtung

Zugang zum Recht: Hilfe beim P-Konto

[24.04.2026] Das Team Digitale Rechtsantragstelle hat das Online-Angebot für verschuldete Menschen weiter ausgebaut. Nachdem im vergangenen Jahr ein umfassendes Informationsangebot gelauncht wurde, gibt es nun digitale Unterstützung zur Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos. mehr...

Stefanie Hubig (SPD), Bundesministerin fuer Justiz und Verbraucherschutz, aufgenommen in Berlin, 03.02.2026. Fotografiert im Auftrag des Bundesministerium der Justiz (BMJ)

E-Justiz: Online-Verfahren vor Zivilgerichten startet

[21.04.2026] An ersten Amtsgerichten hat die Erprobung des zivilgerichtlichen Online-Verfahrens begonnen. Bürgerinnen und Bürger können Zahlungsklagen digital einreichen. Weitere Gerichte sollen in den kommenden Monaten folgen. mehr...