Schleswig-HolsteinSchrödter offen für Cyber-Sicherheitsgremium

[12.10.2026] Digitalisierungsminister Dirk Schrödter unterstützt die Prüfung eines nationalen Cyber Incident Review Boards, das schwerwiegende Cyber-Angriffe systematisch untersuchen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten soll. In einer Landtagsrede verwies er auf die wachsende Bedrohung digitaler Infrastrukturen und stellte die bereits ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen Schleswig-Holsteins vor.

Die zunehmende Zahl und Intensität von Cyber-Angriffen auf Behörden, Unternehmen und kritische Infrastrukturen erfordert nach Auffassung von Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter eine systematische Aufarbeitung schwerwiegender Sicherheitsvorfälle. In einer Landtagsdebatte vergangene Woche über die mögliche Einrichtung eines nationalen Cyber Incident Review Boards betonte er, dass IT- und Cyber-Sicherheit inzwischen die gleiche Priorität wie die Sicherheit im Straßenverkehr habe.

Ein solches Gremium könnte Cyber-Vorfälle mit gesamtstaatlicher Relevanz unabhängig untersuchen, Ursachen und Zusammenhänge analysieren sowie konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Betreiber kritischer Infrastrukturen entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten anschließend in die nationale Cyber-Sicherheitsstrategie einfließen.

Bestehende Strukturen einbinden

Schrödter verwies auf vergleichbare Untersuchungsstellen in der Luft- und Schifffahrt, die Unfälle systematisch aufarbeiten, um künftige Risiken zu reduzieren. Eine entsprechende Institution für den digitalen Raum existiere bislang nicht. Die Einrichtung eines Cyber Incident Review Boards müsse allerdings mit bestehenden und geplanten Strukturen abgestimmt werden. Insbesondere das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der geplante Cyberdome der Bundesregierung seien dabei einzubeziehen. Entscheidend seien klare Zuständigkeiten und kurze Abstimmungswege.

Schleswig-Holstein baut Cybersicherheit aus

Zugleich stellte Schrödter die Maßnahmen vor, mit denen Schleswig-Holstein seine digitale Widerstandsfähigkeit stärken will. Das Land ist seit Oktober 2025 NIS-2-notifiziert und hat eine neue Informationssicherheitsleitlinie eingeführt. Darüber hinaus wurden Eckpunkte einer umfassenden Informations- und Cybersicherheitsstrategie beschlossen. Das CERT Nord wurde zu einem Computer Security Incident Response Team (CSIRT) weiterentwickelt, das Sicherheitsmeldungen von Land und Kommunen gebündelt bearbeitet. Bei kritischen Sicherheitsvorfällen unterstützen spezialisierte Teams die betroffenen Behörden direkt vor Ort. Ergänzend baut das Land sein Schwachstellenmanagement und die Angriffserkennung auf Endgeräten aus.

Weitere Maßnahmen umfassen den Einsatz souveräner Open-Source-Lösungen, die Trennung kritischer IT-Systeme sowie den Aufbau eines unabhängigen Notfall-Arbeitsplatzes mit eigener Kommunikations- und IT-Infrastruktur. Land und Kommunen arbeiten zudem an einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur.

Erkenntnisse aus Angriffen besser nutzen

Neben technischen Schutzmaßnahmen setzt Schleswig-Holstein auf eine engere Zusammenarbeit mit dem BSI, der Innenministerkonferenz und weiteren Sicherheitsbehörden. Gemeinsame Lagebilder und abgestimmte Reaktionsmechanismen sollen die Widerstandsfähigkeit staatlicher IT-Infrastrukturen erhöhen.

Ein nationales Cyber Incident Review Board könnte diese Zusammenarbeit nach Schrödters Vorstellungen ergänzen und dazu beitragen, Erkenntnisse aus schwerwiegenden Angriffen über einzelne Organisationen und Verwaltungsebenen hinaus nutzbar zu machen. Ob und in welcher Form ein solches Gremium eingerichtet werden sollte, müsse nun geprüft werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Schleswig-Holstein: Neuer Datenschutzbeauftragter

[12.10.2026] Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat Jens Ambrock einstimmig zum neuen Landesbeauftragten für Datenschutz gewählt. Er tritt die Nachfolge von Dr. h. c. Marit Hansen an, deren zweite Amtszeit im Januar 2027 endet. Ambrock bringt langjährige Erfahrung im Datenschutzrecht und in der behördlichen Datenschutzaufsicht mit. mehr...

Mann mit gelbem Shirt und dunkelroter Hose liegt gemütlich auf einer grauen Couch und schaut auf sein Smartphone.

Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen

[09.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...

Tablet mit dem Cover des Berichts zur Staatsmodernisierung

BMDS: Zwischenbilanz zur Staatsmodernisierung

[08.10.2026] Ein Jahr nach dem Beschluss ihrer Modernisierungsagenda zieht die Bundesregierung Bilanz. Sie meldet Fortschritte bei digitalen Verfahren und mehr als zehn Milliarden Euro weniger jährlichen Erfüllungsaufwand. Fünf von 23 zentralen Projekten sind abgeschlossen. mehr...

Blick über die Schulter einer Person, die ein Smartphone hält. Auf dem Screen ist das EUDI-Wallet-Logo.

EUDI-Wallet: Anhörung im Bundestag

[08.10.2026] Die geplante EUDI-Wallet stößt bei Sachverständigen grundsätzlich auf Zustimmung, zugleich sehen sie Nachbesserungsbedarf beim Digitale Identitätengesetz. Vor allem die Einbindung der Kommunen, die Verarbeitung digitaler Nachweise sowie Datenschutz und Sicherheit gelten noch als offene Punkte. mehr...

Hessen: Positive Halbzeitbilanz

[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...

Composite in Blautönen: Geschäftsfrau tippt auf Smartphone, Laptop und Notebook auf einem Tisch. Overlay mit Ordnern mit Dokumentensymbolen.

Saarland: Fünf Leistungen schneller in die Fläche

[05.10.2026] Fünf weitere Verwaltungsleistungen sollen im Saarland innerhalb von neun Monaten flächendeckend digital verfügbar sein. Der Ministerrat hat grünes Licht für die Teilnahme des Saarlandes am Bundesprogramm „Flächendeckung digitale Verwaltungsleistungen“ gegeben. mehr...

Bayern/Hessen: Digital-Roundtable geplant

[01.10.2026] Bayern und Hessen wollen die Zusammenarbeit der Länder bei Innovation und Wachstum stärken. Für die Veranstaltung Bits & Pretzels 2027 ist ein Roundtable der Digitalministerinnen und Digitalminister geplant. mehr...

Schwarz-weiß Bild: Blick ins manuell geführte KfZ-register in Flensburg, Großraumbüro

Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz

[28.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...

Thüringen / Schleswig-Holstein: Digital-Kooperation wird vertieft

[23.09.2026] Thüringen und Schleswig-Holstein wollen bei der Digitalisierung ihrer Landesverwaltungen enger zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Dateninfrastrukturen, Registermodernisierung, Open Source, souveräne KI-Lösungen und länderübergreifende Netzwerke. mehr...

IT-Planungsrat: Weichen für Deutschland-Stack gestellt

[21.09.2026] Bund und Länder haben zentrale Zuständigkeiten für den Deutschland-Stack festgelegt. Der Bund übernimmt mit Unterstützung der FITKO die Verantwortung für fünf Basiskomponenten der föderalen Digitalinfrastruktur. mehr...

Das passende Vorgehensmodell zu wählen

Hessen: Land fördert Low Code für Kommunen

[17.09.2026] Der Main-Kinzig-Kreis will die Open-Source-Plattform Limbas für den Einsatz in Kommunalverwaltungen weiterentwickeln. Das Land Hessen unterstützt das Projekt OSLOCO-Hessen mit rund 1,3 Millionen Euro. Verwaltungen sollen damit eigene Anwendungen ohne spezielle Programmierkenntnisse erstellen können. mehr...

Sachsen-Anhalt: Erste Bilanz der Digitalstrategie

[16.09.2026] Sachsen-Anhalt will die Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft bis 2030 systematisch vorantreiben. Die Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ setzt dabei auf digitale Verwaltungsangebote, vernetzte Smart Regions, digitale Souveränität und nachnutzbare Lösungen. mehr...

Thüringens Digitalminister Steffen Schütz im Dialog mit Bürgern

Thüringen: Im Digital Dialog mit Bürgern

[14.09.2026] Unter dem Motto „Mitreden. Nachfragen. Mitgestalten“ fand kürzlich im Festsaal Schloßvippach der Auftakt zur Gesprächsreihe „Digital Dialog – Thüringen digital verstehen“ statt. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger spricht im Bundestag.

Bund: Eine Milliarde Euro für Verwaltungsdigitalisierung

[09.09.2026] Der Bund will die Verwaltungsdigitalisierung weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sind dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger kündigte zudem weitere Schritte beim Deutschland-Stack, bei digitalen Verwaltungsleistungen und der Deutschland-App an. mehr...