Schleswig-HolsteinSchrödter fordert offene KI

[29.09.2026] Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter spricht sich gegen einen generellen Entwicklungsstopp für Künstliche Intelligenz aus. Auf der 7. KI-Landeskonferenz Schleswig-Holstein in Neumünster plädiert er stattdessen für offene KI-Modelle, digitale Souveränität und einen schnelleren Transfer von KI in die praktische Anwendung.

Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter sagt: „Lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir KI gestalten. Offen, sicher, souverän – mit einem klaren Blick auf die Chancen.“

(Bildquelle: Frank Peter)

In der aktuellen Debatte über mögliche Risiken Künstlicher Intelligenz warnt Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter davor, Innovation durch zu weitreichende Einschränkungen auszubremsen. Sicherheitsfragen und die Sorgen der Menschen müssten ernst genommen und KI verantwortungsvoll entwickelt und eingesetzt werden. Einen generellen Entwicklungsstopp hält Schrödter jedoch für den falschen Weg.

In seiner Rede auf der 7. KI-Landeskonferenz Schleswig-Holstein, die gestern (28. September 2026) in Neumünster stattfand, kritisierte der Minister insbesondere Forderungen großer internationaler KI-Anbieter nach einer Verlangsamung der Entwicklung und einer stärkeren Regulierung. Dabei stellte Schrödter auch die Frage, ob hinter solchen Forderungen neben Sicherheitsbedenken wirtschaftliche Interessen und der Schutz bestehender Marktpositionen stehen könnten.

Offene KI als Gegenmodell

Der richtige Weg seien offene Modelle, die nach seiner Einschätzung für mehr Transparenz sorgen, unabhängige Prüfungen und Weiterentwicklungen erleichtern und dazu beitragen, sensible Daten unter eigener Kontrolle zu halten. Schrödter verbindet die Diskussion über offene KI unmittelbar mit der digitalen Souveränität. Gerade bei sicherheitsrelevanten Anwendungen könne Offenheit Vorteile bieten. KI könne beispielsweise Schwachstellen in IT-Systemen identifizieren.

Diese Fähigkeit könne für Angriffe missbraucht werden, aber ebenso dazu dienen, Sicherheitslücken schneller zu erkennen und zu schließen. Offene KI sei dabei nicht automatisch frei von Risiken, betonte der Minister. Risiken ließen sich aus seiner Sicht jedoch besser verstehen und beherrschen, wenn nachvollziehbar sei, was in den eingesetzten Systemen passiert.

Schleswig-Holstein positioniert sich als KI-Standort

Schleswig-Holstein sieht Schrödter für diese Entwicklung gut aufgestellt. Das Land verfüge über einen soliden Rechtsrahmen, erneuerbare Energien für den Betrieb von Rechenzentren sowie Forschung und Unternehmen, die an neuen KI-Technologien arbeiten. „Schleswig-Holstein ist und bleibt daher ein Gunststandort für eine offene, souveräne und nachhaltige KI“, sagte Schrödter. Diese Voraussetzungen müssten nun stärker genutzt werden.

Damit verknüpft der Minister die KI-Politik des Landes mit einer breiteren Souveränitätsstrategie. Der Zugang zu unabhängig nutzbaren Technologien soll Abhängigkeiten von einzelnen großen Technologieanbietern verringern und Unternehmen sowie öffentlichen Einrichtungen größere Kontrolle über Daten, Infrastruktur und eingesetzte Systeme ermöglichen.

KI muss aus dem Labor in die Praxis

Neben der technologischen Souveränität setzt Schrödter einen zweiten Schwerpunkt: den schnelleren Transfer in die praktische Anwendung. Insbesondere für den Mittelstand werde entscheidend sein, wie schnell und souverän Unternehmen KI einsetzen könnten und in welchem Maß sie dabei unabhängig vom Zugang zu den Modellen großer KI-Anbieter blieben. 

„Wir dürfen KI nicht nur auf Konferenzen diskutieren. Wir müssen sie in Produkte bringen. In Produktionsprozesse. In Dienstleistungen. In Forschung und Entwicklung“, forderte Schrödter. KI müsse aus dem Labor in die Praxis gelangen. Eine wichtige Rolle schreibt der Minister dabei KI.SH zu. Das schleswig-holsteinische KI-Netzwerk soll den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Entwicklung und Anwendern unterstützen und den Transfer von KI-Technologien in konkrete Anwendungen vorantreiben.

Souveränität wird zur Voraussetzung für KI-Nutzung

Für die öffentliche Verwaltung gewinnt diese Diskussion ebenfalls an Bedeutung. Mit dem zunehmenden Einsatz generativer KI stellt sich für Behörden nicht mehr allein die Frage, welche Aufgaben sich automatisieren oder unterstützen lassen. Ebenso relevant werden die Kontrolle über Daten und Infrastruktur, die Nachvollziehbarkeit der eingesetzten Systeme sowie die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern.

Schrödters Rede verbindet deshalb zwei bislang häufig getrennt geführte Debatten: die Diskussion über Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz und die Frage nach digitaler Souveränität. Sein Plädoyer lautet, KI-Entwicklung nicht grundsätzlich zu bremsen, sondern offene, kontrollierbare und unabhängig nutzbare Technologien zu stärken.

Die KI-Landeskonferenz soll dafür Wissenschaft, Wirtschaft, Entwickler und Anwender zusammenbringen. Schrödter formuliert das Ziel entsprechend: „Lassen Sie uns nicht darüber diskutieren, wie wir KI verhindern können. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir KI gestalten. Offen, sicher, souverän – mit einem klaren Blick auf die Chancen.“

Alexander Schaeff




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