ReportAPIs treiben digitalen Umbau voran
Sopra Steria und das Govtech-Unternehmen PUBLIC haben einen Report erstellt, der sich mit der Interoperabilität von IT-Lösungen und den dafür nötigen Programmierschnittstellen (APIs) im Public Sector befasst. Demnach könnten digitale Innovationen in der öffentlichen Verwaltung beschleunigt werden, sobald mehr Interoperabilität durch API-Schnittstellen geschaffen wird. APIs ermöglichen den automatischen Austausch von Daten über System- und Organisationsgrenzen hinweg. Im E-Commerce ist deren Einsatz laut Sopra Steria gang und gäbe und auch im Bankensektor seien APIs seit der Umsetzung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 auf dem Vormarsch. In der öffentlichen Verwaltung hingegen würden sie bislang nur sporadisch genutzt, kaum systematisch nachgehalten und nur selten für externe Unternehmen geöffnet. Das habe zur Folge, dass Unternehmen und Behörden viele ihrer neu entwickelten Lösungen oder Tools nicht deutschlandweit ausrollen können.
Innovationskraft von Start-ups besser nutzen
Damit Dienste, die etwa in Hamburg entwickelt wurden, in Bayern nachgenutzt werden können, müssen die Systeme dieser Länder miteinander kommunizieren. Durch eine Öffnung der Systeme könnten außerdem GovTech-Start-ups dem digitalen Umbau in der Verwaltung mehr Schwung geben. Die öffentliche Verwaltung würde dann noch stärker vom kreativen Denken und Schaffen externer und interner Akteure profitieren, sagt Andreas Simon, Client Unit Partner im Geschäftsbereich Public Sector bei Sopra Steria. Laut Report bewertet allerdings mehr als die Hälfte der 24 befragten GovTech-Unternehmen den Stand der Interoperabilität zwischen öffentlichem Sektor und Start-ups als „eher negativ“ oder sogar „sehr negativ“. Teilweise müssten Fachverfahren und technische Schnittstellen in jedem Bundesland oder jeder Kommune neu implementiert werden. Das mache die Entwicklung für viele Unternehmen unwirtschaftlich.
Hoffnungsträger API-First
Die Start-ups hoffen auf die stringentere Umsetzung des so genannten API-First-Ansatzes. Jedes vierte für den Report befragte GovTech-Unternehmen sieht hierin den Schlüssel, um die Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und Kommunen und damit ihr Geschäft auszubauen. Das Bundesinnenministerium (BMI) und der IT-Planungsrat haben in ihren 2017 und Ende 2021 beschlossenen IT-Architekturrichtlinien die Förderung und Nutzung öffentlicher APIs und des API-First-Ansatzes auf den Weg gebracht (wir berichteten). Die Klärung der konkreten Ausgestaltung steht allerdings noch aus, erläutert Sopra Steria.
Bei starte die öffentliche Verwaltung ihren Weg in das API-Zeitalter nicht, erklärt wiederum Ronald de Jonge, Operating Officer Public Sector bei Sopra Steria. Denn Schnittstellen kommen bereits in der internen und externen Zusammenarbeit zum Einsatz. Sie basieren allerdings intern und extern auf verschiedenen Standards, entsprechen oft nicht den Richtlinien des BMI und IT-Planungsrats und seien für Externe nicht zugänglich. Beim Übergang ins API-Zeitalter könnten die GovTech-Start-ups unterstützen: Über zwei Drittel der befragten Unternehmen würden gerne in die API-Umsetzung und das Definieren von Standards eingebunden werden. So ließen sich die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung und der Start-ups besser aufeinander abstimmen.
Von Anderen lernen
Mit Standards und einer zentralen Koordinierungsstelle für öffentliche APIs kann die öffentliche Verwaltung stärker von verwaltungsinternen und externen Innovationen profitieren. Das bekräftigt auch der Blick ins Ausland: Sopra Steria und PUBLIC haben für den Report Fallstudien in Frankreich, Großbritannien, Italien und Singapur analysiert, wo die API-Förderung bereits gestartet ist. Ein breites Bewusstsein in sämtlichen Verwaltungsteilen über die Wichtigkeit der Interoperabilität sei dort für den Transformationsfortschritt von großem Vorteil.
Der Report empfiehlt deshalb, in Deutschland API-Guides zu schaffen. So könnten Verwaltungsangestellte besser über API-Konzepte, -Mehrwerte und -Praktiken informiert werden, erklärt Moritz Kleinaltenkamp, Lead für Intelligence & Insights bei PUBLIC. In Großbritannien gäbe es beispielsweise eine große öffentliche Datenbank solcher API-Guides.
Fehlende Governance könne wiederum leicht in einem API-Wildwuchs enden, der die Zusammenarbeit der GovTech-Start-ups mit der Verwaltung erschwere. Das zeige das Beispiel Singapur, wo die Verantwortlichen den Schritt der Standardisierung inzwischen nachholen. Sopra Steria empfiehlt für Deutschland ein zentrales Team mit innerbehördlichem Auftrag, das bestehende APIs identifiziert, katalogisiert und die Entwicklung von Standards vorantreibt.
Thüringen: Projekt „Amsel“ auf der Zielgeraden
[29.07.2026] Thüringens Finanzämter haben mehr als 50.000 Vorschläge für eine Einkommensteuerfestsetzung ohne vorherige Steuererklärung verschickt. Rund ein Drittel der Angeschriebenen hat dem Verfahren bislang zugestimmt. mehr...
Studie: Digitale Weiterbildung im Public Sector
[27.07.2026] Digitale Selbstlernangebote werden im öffentlichen Dienst bislang kaum systematisch genutzt. Eine Studie für den IT-Planungsrat sieht die größten Hürden nicht bei Zertifikaten, sondern bei fehlenden Kompetenzmodellen, Prozessen und technischen Strukturen. mehr...
Hessen/Rheinland-Pfalz: Gemeinsames Fundament für die Steuer-IT
[23.07.2026] Hessen stellt der rheinland-pfälzischen Steuerverwaltung mehr als 400 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche in Frankfurt bereit. Eine langfristige Kooperation soll zudem gemeinsame Vorhaben bei Cloud-Infrastrukturen, KI und automatisierten Steuerverfahren ermöglichen. mehr...
Schleswig-Holstein: Schnell ein Unternehmen gründen
[10.07.2026] Eine von acht Pilotregionen beim bundesweiten BMDS-Projekt „Schneller Gründen“ ist Nordfriesland. Der dort entwickelte Startuphafen bündelt Informationen und Verwaltungsangebote zur Unternehmensgründung – und soll bald weiteren Städten und Kreisen im Land zur Verfügung stehen. mehr...
Niedersachsen: Bauleitplanung landesweit digital
[08.07.2026] Niedersachsen hat für seine Kommunen flächendeckend das digitale Verfahren DiPlanCockpit PRO für die Bauleitplanung eingeführt. Das neue Online-System soll Planungsverfahren schneller und einfacher machen. mehr...
GovTech Deutschland: Elterngeldverfahren föderal nachnutzen
[06.07.2026] Das Elterngeldverfahren steht perspektivisch auf der Deutschlandplattform zur föderalen Nachnutzung zur Verfügung. Die von GovTech Deutschland verantwortete Migration zeigt, wie bestehende Verwaltungsverfahren effizient und in kurzer Zeit auf eine moderne Plattformarchitektur überführt werden können. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Fischereischein fürs Smartphone
[06.07.2026] Wer in Nordrhein-Westfalen den Fischereischein erwirbt, erhält diesen künftig im modernen Scheckkartenformat oder als elektronisches Zertifikat auf dem Smartphone. mehr...
Baden-Württemberg: Kataster für Verkehrszeichen
[03.07.2026] Baden-Württemberg digitalisiert die Verwaltung seiner Verkehrszeichen. Ein neues Kataster soll Anordnung, Pflege und Auswertung der Schilder medienbruchfrei unterstützen und die Daten zugleich für Planung, Forschung und Mobilitätsanwendungen öffnen. mehr...
NEGZ/msg: Rückblick auf das Erfurter Digitalisierungsgespräch
[03.07.2026] Mit seinen Digitalisierungsgesprächen bringt das NEGZ Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Beim jüngsten Termin in Erfurt ging es unter anderem um das Spannungsfeld zwischen technologischer Unabhängigkeit, effizienten Verwaltungsprozessen und rechtlichen Rahmenbedingungen. mehr...
IT-Planungsrat: Ein Designsystem für Bund und Länder
[02.07.2026] Der IT-Planungsrat nimmt den offenen Standard KERN UX in sein Portfolio auf. Das von Hamburg und Schleswig-Holstein initiierte Projekt soll digitale Verwaltungsdienste nutzerfreundlicher, konsistenter und – zusammen mit der Digitalen Dachmarke – wiedererkennbarer machen. mehr...
Bitkom: Bundeswehr-Reserve muss digitaler werden
[02.07.2026] Das Bundeskabinett hat ein Gesetz zur Stärkung der Bundeswehr-Reserve beschlossen. Aus Sicht des Bitkom genügt Personalaufwuchs jedoch nicht für die Einsatzfähigkeit. Die Nutzung digitaler Technologien – von Apps über digitale Identität bis VR – müsste systematisch vorangetrieben werden. mehr...
Berlin: Zuwendungen sollen schneller fließen
[29.06.2026] In Berlin sollen eine moderne Software für digitale Anträge und eine neue Datenbank für Förderprogramme künftig dafür sorgen, dass mögliche Zuwendungen im Sozialbereich schneller und mit weniger Bürokratie vergeben werden können. Auch ein neues IT-Fachverfahren soll eingeführt werden. mehr...
BMDS: Alles zur Digitalen Dachmarke an einem Ort
[24.06.2026] Eine zentrale Webseite bündelt künftig Informationen zur Digitalen Dachmarke, ihren Kennzeichnungselementen und der Beantragung. Damit soll der einheitliche Auftritt staatlicher Online-Angebote von Bund, Ländern und Kommunen breiter unterstützt werden. mehr...
NEGZ: Woher nehmen Fachleute ihr Digitalwissen?
[19.06.2026] Mit dem Thema Verwaltungsdigitalisierung befasst sich inzwischen eine ganze Reihe von Print- und Online-Publikationen sowie Podcasts. Das NEGZ will nun wissen, welche Medien von Fachleuten gelesen oder gehört werden. Die Umfrage ist in unter fünf Minuten zu schaffen. mehr...
Hessen: Immissionsschutz-Anträge werden digital
[15.06.2026] Hessen treibt die Digitalisierung von Genehmigungsverfahren weiter voran: Zum Jahreswechsel soll die Antragstellung im Bereich des Bundes-Immissionsschutzgesetzes ausschließlich über den Dienst ElIA-Online erfolgen. mehr...














