StudieDigitaler Nachlass

[19.02.2020] Mit der Nachlassregelung in digitalen Zeiten befasst sich eine Studie von Fraunhofer SIT und den Universitäten Bremen und Regensburg. Das Dokument beinhaltet Empfehlungen und Vorlagen für Vollmachten und letztwillige Verfügungen.

Mit dem Tod eines Angehörigen verbinden sich viele Nachlassregelungen: Verträge müssen aufgelöst, Konten und Mitgliedschaften gekündigt werden. Zuständig hierfür sind die Erben und Rechtsnachfolger. Den wenigsten Menschen ist dabei bewusst, dass sie auch für den digitalen Nachlass zuständig sind, der zum Vermögen eines Verstorbenen zählt. Zum digitalen Nachlass gehören etwa Mitgliedschaften in sozialen Netzwerken, Online-Verträge mit Streaming-Diensten, der Bereich E-Banking und mögliche Guthaben bei Zahldiensten sowie digitale Abonnements bei Buchhändlern, Zeitungsverlagen und Newsletter-Diensten, aber auch digitale Güter wie gekaufte E-Books oder digitale Filme. Um all dies haben sich die Erben zu kümmern, die für die Rechte und Pflichten des Erblassers einstehen.
Im Januar 2020 ist eine Studie erschienen, die sich mit dem digitalen Nachlass aus rechtlicher und technischer Sicht beschäftigt. Erstellt wurde sie vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und den Universitäten Bremen und Regensburg, gefördert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. In der Studie werden Fragen des Verbraucherrechts, Erbrechts, Datenschutzrechts und des Urheberrechts behandelt. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärte: „Den meisten Menschen fällt es schwer, sich mit der Frage zu befassen, was nach ihrem Tod mit ihrem Nachlass geschehen soll. Noch weniger Menschen machen sich Gedanken darüber, dass zum Vermögen auch der digitale Nachlass gehört. So kommt es, dass häufig hierfür keine Vorsorge getroffen wird.“

Empfehlungen und Vorlagen

Zur Vererbbarkeit von Nutzungsverträgen mit sozialen Netzwerken hatte der Bundesgerichtshof bereits im August 2018 festgestellt, dass das Erbrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs auch für den digitalen Nachlass gilt. Demnach rückt der Erbe auch hinsichtlich des digitalen Nachlasses vollständig in die Stellung des Erblassers auf. Doch was bedeutet das konkret für die von sozialen Netzwerken gesammelten Daten, für Vertragsbeziehungen und Nutzungsrechte? Bekanntlich räumen die AGB-Regelungen den sozialen Netzwerken umfassende Rechte zu Ungunsten der Verbraucher ein. Welche Möglichkeiten haben dann Erben, einen Zugriff auf die Daten zu erhalten oder deren Löschung zu veranlassen?
In neun Kapiteln behandelt die weitgehend lesbar und verständlich gehaltene 380-seitige Studie die Relevanz des digitalen Nachlasses und dessen Vererbbarkeit, geht auf die Möglichkeit von Vorsorgevollmachten ein, auf die Rechte an Daten seitens der Erben und zeigt Wege auf, wie Menschen zu Lebzeiten Vorsorgemaßnahmen treffen können, indem sie selbst die Erben oder Begünstigten auswählen und deren Befugnisse bestimmen. Ein generelles Problem beim Erbantritt sind die Passwörter zu den verschiedenen Nutzerkonten, deren Zugänglichkeit beispielsweise durch Passwort-Manager oder Daten-Safes erleichtert werden kann. Hier gibt die Studie detaillierte Hinweise.
Ein weiteres Kapitel widmet sich den AGBs von PayPal, Skype, iTunes, Kindle, PlayStation sowie Facebook und macht Vorschläge, wie eine Stärkung der Verbraucher bezüglich ihres digitalen Nachlasses zu erreichen ist. Neben Empfehlungen für Erblasser und Erben sowie Vorsorgebevollmächtigte und Betreuer wartet die Studie auch mit Vorlagen für Vollmachten und letztwillige Verfügungen auf. Klar wird: Der digitale Nachlass ist ein zusätzlicher, nicht unkomplexer Bereich, mit dem man sich rechtzeitig beschäftigen sollte.

Helmut Merschmann




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Das KI-generierte Bild zeigt symbllisch die Vernetzung von ÖPNV, Individualverkehr und Sharing-Angeboten auf einer cloudbasierten Mobilitätsplattform.

Materna: Auftrag für NRW-Mobilitätsplattform

[22.02.2024] Die Landesgesellschaft NRW.Mobidrom hat den Dortmunder IT-Dienstleister Materna mit einem umfangreichen Projekt beauftragt. Ziel ist die Entwicklung einer Mobilitätsdatenplattform für Nordrhein-Westfalen, welche die vernetzte Nutzung aller Verkehrsmittel erleichtern soll. mehr...

Das Bild zeigt eine Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit App-Symbolen, darunter der BundesMessenger.

Berlin: BundesMessenger kommt

[16.02.2024] Die Berliner Verwaltung will noch in diesem Jahr den sicheren Chat-Dienst BundesMessenger einführen. Die Anwendung soll die digitale Zusammenarbeit verbessern und Datenschutzstandards gewährleisten. mehr...

Das Bild zeigt eine Ansicht des 3D-Projektplaners mit einer digitalen Ansicht der Elbphilharmonie und Umgebung.

Hamburg: 3D-Planer für Bauvorhaben

[16.02.2024] Für mehr Perspektiven bei der Stadtentwicklung sorgt der neue 3D-Projektplaner der Freien und Hansestadt Hamburg. Mithilfe des Tools können digitale Modelle der Bauvorhaben in ein 3D-Stadtmodell importiert werden. Geodaten machen dann beispielsweise die Wechselwirkungen des Projekts auf das städtische Umfeld sichtbar. mehr...

Das Bild zeigt unter anderem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (r.) und BVA-Präsident Christoph Verenkotte (2.v.l.) bei der Einweihung des neuen BVA-Standorts in Magdeburg.

BVA: Umzug ins ehemalige Fernmeldeamt

[15.02.2024] In Magdeburg wurde ein neuer Standort des Bundesverwaltungsamtes (BVA) offiziell eingeweiht. Die neue Niederlassung soll die Präsenz des BVA in der Region stärken und bietet Platz für bis zu 500 Beschäftigte. mehr...

Das Bild zeigt die Hamburger Elbphilharmonie mit Baukränen.

Hamburg: Elektronisches Siegel für Baubescheid

[14.02.2024] Als erstes Bundesland setzt Hamburg bei der Erteilung von Baubescheiden auf ein qualifiziertes elektronisches Siegel. Damit ist das gesamte Verfahren von der Antragstellung bis zum Bescheid durchgängig digital. mehr...

Das Bild zeigt eine Luftausnahme des Kraftwerks Frimmersdorf.

Grevenbroich: IT statt Braunkohle

[02.02.2024] Das Kraftwerk Frimmersdorf im Rheinischen Revier soll zum Digital- und Innovationsstandort für die Verwaltung umgestaltet werden. Vorgesehen sind unter anderem ein Rechenzentrum, das den hohen KRITIS-Anforderungen genügt, und ein Innovationscampus für IT-Sicherheit der öffentlichen Verwaltung. mehr...

Übersichtskarte mit LoRaWAN-Standorten in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein: LoRaWAN fast flächendeckend

[31.01.2024] Die Netzwerktechnologie LoRaWAN – Basis zahlreicher smarter Anwendungen – soll in Schleswig-Holstein der breiten Öffentlichkeit im Land zugänglich gemacht werden. Mit der Inbetriebnahme von etwa 400 Gateways steht die Funktechnologie nahezu flächendeckend zur Verfügung. mehr...

Das Bild ist ein Screenshot der Podccast-Seite Auf `nen Pod-Kaffee mit Dr. Hartmut Schubert.

Thüringen: CIO-Podcast-Reihe die dritte

[30.01.2024] Mit knapp 90.000 Hörerinnen und Hörern startet die Podcast-Reihe „Auf´nen Pod-Kaffee mit Dr. Hartmut Schubert“ in die dritte Staffel. In der ersten Folge blickt der Thüringen-CIO auf erfolgreiche Projekte 2023 zurück und gibt einen Ausblick für dieses Jahr. mehr...

Panoramablick auf den Hamburger Hafen mit Blick auf die Köhlbranbrücke

Hamburg/BMDV: Digital Twin für die Brückensanierung

[29.01.2024] Wie können Verkehrsinfrastrukturen – vor allem Brücken – wirtschaftlich saniert und erhalten werden? Dies untersucht das vom BMDV und der Stadt Hamburg gestartete Reallabor Digitaler Zwilling. Dort gewonnene Erkenntnisse sollen weiteren Projekten im Bundesfernstraßennetz zugutekommen. mehr...

E-Government-Wettbewerb: Verwaltungsinnovationen gesucht

[24.01.2024] Die Initiatoren des E-Government-Wettbewerbs rufen zum 23. Mal Bewerberinnen und Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, ihre Digitalisierungs- und Modernisierungsprojekte für die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen einzureichen. Einsendungen sind ab sofort bis Ende April möglich. mehr...

Unscharf abgebildete Personen vor einer braunen Wand mit dem Logo des Weltwirtschaftsgipfels Davos 2024.

Weltwirtschaftsforum: GovTech Centre kommt nach Berlin

[22.01.2024] Das GovTech Centre des Weltwirtschaftsforums (WEF) soll in Berlin angesiedelt werden. Dabei handelt es sich um das erste Zentrum des WEF in der Europäischen Union, das sich der Entwicklung und Anwendung digitaler Technologien und Lösungen für den öffentlichen Sektor widmet. mehr...

Doppelbelichtung der Hand eines Mannes, der ein digitales Gerät hält und verwendet, und Gehirn-Hologramm-Zeichnung. Datenkonzept.

Bitkom-Umfrage: KI verändert die Welt

[18.01.2024] Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom erwartet eine Mehrheit der Deutschen gesellschaftliche Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Drei Viertel der Befragten befürworten den Einsatz von KI-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung. mehr...

BWI: Sicher kommunizieren

[18.01.2024] Mit dem BundesMessenger können Behörden und Kommunen sicher kommunizieren. Der IT-Dienstleister der Bundeswehr stellt die Lösung kostenlos über die bekannten App Stores zur Verfügung. mehr...

Saarland: Landesarchiv arbeitet mit KI

[18.01.2024] Das Saarländische Landesarchiv hat in einem Pilotvorhaben untersucht, welche Möglichkeiten der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Arbeit mit historischen Dokumenten bietet.
 mehr...

Sachsen-Anhalt: Ausbildung eigener FIM-Fachleute

[12.01.2024] Sachsen-Anhalt schult eigene Experten für digitale Verwaltungsleistungen: Seit Ende 2023 ist das Land zertifizierter Partner für FIM-Schulungen. Die Schulungen stehen allen Bediensteten der Landesverwaltung offen, die mit der OZG-Umsetzung befasst sind. Erste Schulungen fanden bereits statt. mehr...