OSBAEuropäische IT gegen digitale Erpressung

[22.01.2026] Digitale Dienste von US-Anbietern können umstandslos blockiert werden, wie der Fall des Internationalen Strafgerichtshofs zeigt. Weitere Fälle könnten folgen. Open-Source-Lösungen bieten eine sichere, europäische Alternative. Die OSBA berät Organisationen beim Umstieg.

Die Abhängigkeit vom digitalen Datenstrom wird deutlich, wenn dieser nicht mehr fließt.

(Bildquelle: wirestock/123ref.com)

In der Diskussion um die digitale Unabhängigkeit von Staat und Verwaltung sorgte der Fall des Franzosen Nicolas Guillou im vergangenen Jahr für Entsetzen. Er ist einer von sechs Richtern und drei Staatsanwälten des Internationalen Strafgerichtshofs und wurde vom US-Finanzministerium mit Sanktionen belegt. Grund dafür sind ausgesprochene Haftbefehle gegen den israelischen Premier und den Verteidigungsminister des Landes. Der Richter war unversehens von allen US-amerikanischen digitalen Diensten abgeschnitten. Weder E-Mails noch Online-Buchungen oder der Zahlungsverkehr funktionierten.

Die Open Source Business Alliance (OSBA) greift diesen Vorfall nun erneut auf. Digitale Sanktionen seien als Machtmittel zu einer realen Bedrohung für zivilgesellschaftliche Organisationen, die Verwaltung und Unternehmen in Europa geworden, so der Verband. Er zeige, wie verwundbar Akteure sind, wenn sie sich komplett auf nicht-europäische Closed-Source-Anbieter verlassen. OSBA-Vorstandsvorsitzender Peter Ganten spricht von einer „potenziell akuten Erpressungslage, der wir etwas entgegensetzen müssen und können. Die Fälle machen deutlich, dass es praktisch jeden treffen kann und Gegenwehr nicht möglich ist. Doch Europa ist dieser Bedrohung nicht schutzlos ausgeliefert. Denn es gibt bereits heute eine ganze Industrie für digital souveräne Software und die entsprechenden Anbieter stehen jetzt bereit.“

Cloud-Daten in Gefahr

Die OSBA warnt auch bei einem aktuellen Fall vor vergleichbaren Restriktionen: Den Einreiseverboten gegen die Geschäftsführerinnen von HateAid in die USA könnten bald auch digitale Sanktionen folgen. Aus diesem Grund arbeitet HateAid nun mit einem Mitgliedsunternehmen des Verbandes, um zukünftig selber die Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur ausüben zu können. Aber nicht nur der Ausschluss von digitalen Diensten von US-amerikanischen Plattformen ist eine Gefahr. Die US-amerikanische Regierung kann, legitimiert durch den Cloud Act, jederzeit alle Daten anfordern, die über Software oder Dienste amerikanischer Unternehmen wie beispielsweise Microsoft oder Google laufen. „Viele Unternehmen, Regierungsorganisationen, aber wie im Fall von HateAid auch zivilgesellschaftliche Organisationen, sind bedroht, weil nicht klar ist, wie die von diesen Organisationen gespeicherten Daten verwendet werden“, so Ganten.

In dieser Situation bietet sich die OSBA für Unternehmen, Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen als Mittler an. Wer akut oder präventiv professionelle Beratung für den Umstieg auf Open-Source-Lösungen benötige oder schon nach Anbietern für digital souveräne IT-Lösungen suche, könne den Verband direkt ansprechen (info@osb-alliance.com), dieser stelle dann den Kontakt zu Mitgliedern her, die zur konkreten Anfrage passende Produkte oder Leistungen bieten.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Digitale Souveränität
Das Fraunhofer FOKUS-Institutsgebäude.

Fraunhofer FOKUS: Geschäftsbereich für souveräne digitale Systeme

[29.10.2026] Fraunhofer FOKUS bündelt im neuen Geschäftsbereich SPIN seine Arbeit an sicheren und souveränen digitalen Systemen. Verwaltungen, Infrastrukturbetreiber und Unternehmen sollen Unterstützung bei Architektur, Entwicklung und Betrieb ihrer Systeme erhalten. mehr...

interview

Interview: Ressourcen als größte Hürde

[26.10.2026] Multi-Cloud-Strategien, Registermodernisierung und Künstliche Intelligenz: Die öffentliche Verwaltung steht vor der Herausforderung, ihre IT-Infrastrukturen zu modernisieren und gleichzeitig digitale Abhängigkeiten zu reduzieren. Darüber sprach move – moderne verwaltung mit Philip Zweihoff von conet auf der Smart Country Convention 2026. mehr...

Interview: Souveränität heißt Kontrolle

[21.10.2026] Digitale Souveränität, sichere Verschlüsselung und die Bedrohung durch Quantencomputer: Die öffentliche Verwaltung muss sich auf neue Herausforderungen einstellen. Warum die Kontrolle über kryptografische Schlüssel entscheidend ist, erläutert Rasmus Lemke von Thales im Interview mit move – moderne verwaltung auf der Smart Country Convention 2026. mehr...

bericht

Bayern: Wahlfreiheit bei Technologien

[19.10.2026] Bei einem Souveränitätsgipfel in Berlin hat Bayerns Digitalminister Fabian Mehring vor den Risiken technologischer Abhängigkeiten gewarnt. Statt digitaler Abschottung fordert er europäische Alternativen, offene Schnittstellen und eine strategische IT-Beschaffung. mehr...

interview

Interview: Souveränität hat drei Pfeiler

[19.10.2026] Für Heiner Genzken sind Datenschutz, Resilienz und europäische Wertschöpfung die entscheidenden Säulen digitaler Souveränität. Im Interview mit move - moderne verwaltung auf der Smart Country Convention 2026 erläutert der A1-Digital-Experte, warum das so ist. mehr...

openDesk: Pilotangebot auf dem Marktplatz gestartet

[14.10.2026] Das Zentrum für Digitale Souveränität und die Genossenschaft govdigital bringen openDesk als Software-as-a-Service auf den Marktplatz Deutschland Digital. Pilotpakete sind buchbar, das Produktivangebot für Januar 2027 angekündigt. Es richtet sich an Länder und Kommunen. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Neues Rechenzentrum stärkt digitale Souveränität

[28.09.2026] Die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen hat in Kaarst bei Düsseldorf ein neues Rechenzentrum eröffnet. Der weitgehend klimaneutral betriebene Standort bildet das digitale Rückgrat für mehr als 100 Finanzämter und über 30.000 Beschäftigte. mehr...

mIT: Cloud-Stack fürs eigene Rechenzentrum

[17.09.2026] Öffentliche Verwaltungen und Unternehmen können die Cloud-Plattform der mitteldeutschen IT künftig als Private Cloud im eigenen Rechenzentrum betreiben. Damit sollen insbesondere Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und digitale Souveränität angesprochen werden. mehr...

moresophy: KI braucht Transparenz

[16.09.2026] Ein europäischer Hosting-Standort allein sorgt noch nicht für digitale Souveränität beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. Nach Einschätzung von Professor Heiko Beier von moresophy sind ebenso Kontrolle über Daten und Nachvollziehbarkeit der KI-Ergebnisse entscheidend. mehr...

Mecklenburg-Vorpommern/Schwarz Digits: Kooperation für souveräne Landes-IT

[08.09.2026] Mecklenburg-Vorpommern baut gemeinsam mit Schwarz Digits die digitale Infrastruktur der Landesverwaltung aus. Geplant sind eine hybride Cloud für Land und Kommunen sowie ein zentraler digitaler Arbeitsplatz für rund 16.000 Lehrkräfte und weitere Schulbeschäftigte. mehr...

Rotes Retro-Telefon auf blauem Untergrund

Schleswig-Holstein: Telefonie wird Open Source

[12.08.2026] Schleswig-Holstein erneuert die Telefonie der Landesverwaltung: Die Open-Source-Plattform OSKAR soll die heterogene Infrastruktur modernisieren und das bisher genutzte proprietäre System ersetzen. Den Auftrag erhielt das Flensburger Software-Unternehmen Viakom. mehr...

Porträt der drei Autorinnen, die nebeneinander in einem modernen Flur stehen.

Impulspapier: Digitale Souveränität in Deutschland und Europa

[10.08.2026] Bundesbank-Vorständin Fritzi Köhler-Geib, BSI-Präsidentin Claudia Plattner und Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus haben ein Impulspapier zur digitalen Souveränität vorgelegt. Zu den Kernpunkten zählen die Bündelung europäischer Kompetenzen bei Schlüsseltechnologien und der Abbau regulatorischer Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. mehr...

Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität

[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...

Nahaufnahme weibliche Hände an einer Tastatur

openDesk: Weiterarbeiten in der Krise

[24.07.2026] Ein groß angelegtes Pilotprojekt mit mehreren Sozialversicherungsträgern hat openDesk als Notfallarbeitsplatz unter Realbedingungen getestet. Die vom ZenDiS gesteuerte Erprobung verlief erfolgreich. Der Einsatz von openDesk als souveränem Notfallarbeitsplatz soll weiter skaliert werden. mehr...

Montage: Junger Mann im Karohemd schreibt mit einem Marker auf eine imaginäre Glaswand die Worte "open source"

Bundestag/OSBA: Behörden dürfen Open Source ausschreiben

[20.07.2026] Der Einsatz quelloffener Software gilt als ein wichtiger Baustein, um einzelne Behörden und den Staat als Ganzes digital souveräner aufzustellen. Bei der Vergabe gibt es aber noch viele Unsicherheiten. Ein Gutachten des Bundestags räumt viele davon aus. Die OSBA berichtet. mehr...