Sachsen-AnhaltModern aufgestellt

[29.08.2022] Um die Digitalisierung voranzutreiben, hat Sachsen-Anhalt die unterschiedlichen Handlungsfelder in einem neuen Ministerium gebündelt. Schwerpunkte sind der schnelle Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie die Verwaltungsmodernisierung.
Sachsen-Anhalt will der Digitalisierung Antrieb geben.

Sachsen-Anhalt will der Digitalisierung Antrieb geben.

(Bildquelle: fidaolga/stock.adobe.com)

Sachsen-Anhalt durchlebt eine Zeit großer Veränderungen. Sie ist geprägt durch technologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Umbrüche, deren Auswirkungen in sämtlichen Lebensbereichen spürbar sind. Besonders betroffen von diesen Entwicklungen ist das Bundesland aufgrund des demografischen Wandels, der hier offensichtlich schneller voranschreitet als in anderen Regionen. Hinzu kommt der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier.
Die künftige Handlungsfähigkeit des Landes Sachsen-Anhalt und seiner Verwaltung ist ohne Digitalisierung und den zielgerichteten Einsatz moderner Informationstechnik daher nicht mehr denkbar. Nur wenn die vielfältigen digitalen und technologischen Potenziale effektiv genutzt werden, wird es dem Land gelingen, eine modern aufgestellte und digital agierende Verwaltung zu formieren. Die Schaffung der digitalen Infrastruktur ist, ebenso wie die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), im ländlichen Raum – in einer Verwaltungsstruktur mit eher kleinen Gemeinden – besonders herausfordernd. An vielerlei Stellen ist Sachsen-Anhalt zuletzt gut vorangekommen, in anderen Bereichen gibt es noch viel Luft nach oben, so etwa bei der Umsetzung des OZG.

Digitalisierungsfelder werden gebündelt

Die Bündelung unterschiedlicher Digitalisierungsfelder im neuen Ministerium für Infrastruktur und Digitales (MID) bietet jetzt die Chance, eine modern aufgestellte und digital agierende Verwaltung zu formen. Inhaltlich folgt die Ausrichtung der Arbeit im Bereich Digitales des MID dem Gedankengerüst des Koalitionsvertrags mit seinen Zielstellungen.
Der erste Themenblock befasst sich mit der prozessualen digitalen Entwicklung des Landes. Im Kern geht es um die strategische Steuerung, etwa durch die Entwicklung einer Digitalstrategie in Verbindung mit der Förderung zielgerichteter, digitaler Projekte. Parallel soll der jeweilige Umsetzungsstand dieser Prozesse transparent dargestellt werden. Der zweite Themenblock bündelt die technisch digitale Entwicklung des Landes. Darunter fallen etwa der Breitbandausbau und die landeseigene IT-Infrastruktur nebst Querschnittsdiensten und -infrastrukturen. Sachsen-Anhalt schließt zudem alle Schulen an das Glasfasernetz an und nimmt hier bundesweit eine Vorreiterstellung ein. Auch das Handlungsfeld der Informationssicherheit ist hier angesiedelt und hat strategische Bedeutung. Im dritten Themenblock wird als Teil der organisatorisch digitalen Entwicklung der jeweilige Umsetzungsstand in den wesentlichen Anwendungsfeldern der digitalen Transformation aufgezeigt. Dazu zählen der Status quo und die Perspektiven im OZG sowie die Maßnahmen zu dessen Umsetzung, insbesondere im kommunalen Bereich. Im abschließenden vierten Themenfeld stehen im Bereich der sozial digitalen Entwicklung künftige Anpassungsanforderungen im Fokus. Ein wichtiges Thema wird hierbei die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität durch neue Arbeitsmodelle und Mitarbeiterorientierung sein.

Verwaltung neu denken

Neben einem beschleunigten Ausbau der Infrastruktur legt das MID seine Schwerpunkte vor allem auf die Modernisierung der Verwaltung. Es gilt, Verwaltung neu zu denken, da mit zunehmender Vernetzung aller Lebens- und Arbeitsbereiche die Organisation des Arbeitens zentrale Bedeutung erhält. Zielsetzung hinsichtlich der Beschleunigung der OZG-Umsetzung ist es, eine Schnittstelle zwischen Land und Kommunen zu institutionalisieren, um diese bei der Verwaltungsdigitalisierung insgesamt zu begleiten und zu beraten. Gemeinsam mit den Kommunen, den kommunalen Spitzenverbänden sowie weiteren Partnern wird eine Struktur für die Zusammenarbeit aufgesetzt.
Im Bereich des flächendeckenden Ausbaus digitaler Infrastrukturen arbeitet das Land daran, das bisherige Festnetz-Ausbauziel zukunftssicher anzupassen. Hierfür wurde das Infrastrukturziel (Glasfaser) auf mindestens ein Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) festgelegt. Weitere Elemente der Gigabitstrategie sind konkretere Mobilfunkausbauziele und Sondervorhaben wie die Beschleunigung des Strukturwandels durch einen schnelleren Ausbau oder den zügigen Anschluss der Schulen ans Glasfasernetz. Dieser soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Digitalisierungsboard begleitet die Vorhaben

Nicht minder wichtig ist es, in der jetzigen Legislaturperiode eine Reihe von Grundlagen-Dokumenten und Strategien umzuformulieren, so zum Beispiel die Digitalstrategie „Sachsen-Anhalt digital 2030“. Neben der Digitalstrategie werden verschiedene Fachkonzepte in Handlungsfeldern wie der IKT-Steuerung, E-Government, künstliche Intelligenz oder Informationssicherheit von zentraler Seite aus auf den Weg gebracht und in einem neu zu bildenden Digitalisierungsboard unter Leitung der Ministerin für Infrastruktur und Digitales mit Vertreterinnen und Vertretern aller Ressorts (in der jeweiligen Funktion von Chief Digital Officer – CDO) interministeriell koordinierend ­vorangetrieben. Dem Digitalisierungsboard wird die Aufgabe zukommen, die Umsetzung der digitalen Vorhaben eng zu begleiten.
Das MID wird zudem den Digitalisierungsbeirat als Digitalrat Sachsen-Anhalt fortführen. In dieses unabhängige Beratungsgremium wurden kompetente Personen insbesondere aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft berufen. Aufgabe des Digitalrats ist unter anderem die Beratung der Ministerin in den Bereichen Technologie, Innovation und Digitalisierung. Er soll seine Themen frei bestimmen und entsprechende Empfehlungen geben. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Digitalisierung im ländlichen Raum. Es sollen Lösungsansätze entwickelt und Rahmenbedingungen geschaffen werden, unter denen die Ziele der Landesregierung mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung bestmöglich verwirklicht werden können. Durch den „Strategischen Wirtschaftsdialog“, der im April 2022 erstmals stattfand, wird da­rüber hinaus der Austausch mit der Wirtschaft intensiviert. Idealerweise ergibt sich daraus die Möglichkeit, in arbeitsteiliger Kooperation Ideen- oder Positionspapiere in strategischen Handlungsfeldern der Digitalisierung mit Blick auf das Land Sachsen-Anhalt zu formulieren.

MID als agiler Motor der Digitalisierung

Das MID selbst soll organisatorisch zu einem agilen Motor der Digitalisierung weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind flache Hierarchien und neue Arbeitsstrukturen. Es sollen projektbezogene Organisationsweisen eingeführt und auch in infrastruktureller Hinsicht Arbeitsumgebungen realisiert werden, die es erlauben, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen und sofort auf Veränderungen zu reagieren. Ein wichtiges Ziel ist es daher, neue Formen der Zusammenarbeit in einer modernen Verwaltung pilothaft zu erproben.

Bernd Schlömer ist Staatssekretär für Digitalisierung im Ministerium für In­fra­struktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt und Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnik (CIO).




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Außenansicht des klassizistischen Bundesratsgebäudes, im Vordergrund blühender Rhododendron.

Politik: Neuer Digitalausschuss im Bundesrat

[23.04.2026] Im Bundesrat wurden Digitalisierungsthemen bisher überwiegend in anderen Fachausschüssen – etwa für Verkehr oder Inneres – „mitbehandelt“. Dies wird nun anders: Gestern tagten die Digitalminister von Bund und Ländern erstmals in einem eigenen Ausschuss der Länderkammer. mehr...

Porträt von Finanzminister Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung

[17.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...

Niedersachsenross (steigendes weißes Pferd) aus sich überlappenden Glasplatten als Wanddekoration im Niedersächsischen Landtag.

BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in die Fläche

[15.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...

Estnische Flagge an einem Mast, weht von links nach rechts, im Hintergrund damatisch bewölkter Himmel mit Sonne

Thüringen/Estland: Von den Besten lernen

[10.04.2026] Estland setzt mit seiner digitalen Transformation globale Maßstäbe. Die Botschafterin des baltischen Staates machte nun ihren Antrittsbesuch beim Thüringer Ministerpräsidenten und der Landes-CIO. Thüringen und Estland wollen die digitale Verwaltung enger verzahnen. mehr...

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter lächelnd auf ein Geländer eines modernen Stahl-Glas-Baues gelehnt

Sachsen: Zukunftspaket für Wirtschaft und Arbeit

[08.04.2026] Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter hat das Zukunftspaket I für Wirtschaft und Arbeit vorgestellt. Zu den vorgesehenen Maßnahmen gehören unter anderem ein umfassendes Normenscreening und die Schaffung strafferer Strukturen in der Verwaltung. Auch die 24-Stunden-Gründung soll vorangetrieben werden. mehr...

Cover des Berichts IT-Planungsrat 2025/2026

IT-Planungsrat/FITKO: Jahresbericht veröffentlicht

[02.04.2026] Der IT-Planungsrat und die Föderale IT-Kooperation (FITKO) haben ihren gemeinsamen Jahresbericht 2025/2026 veröffentlicht. Er zeigt auf, wie die Verwaltungsdigitalisierung 2025 in konkrete Vorhaben übersetzt wurde. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Immer mehr Beschäftigte der Landesverwaltung sagen Aktenordnern ade.

Unternehmensgründung: Konzept für automatisierte Verfahren

[27.03.2026] Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern haben ein Konzept für vollautomatisierte Verwaltungsverfahren im Bereich Unternehmensgründung vorgelegt. Das Konzept stammt aus dem Projekt „Gründen in 24 Stunden“. mehr...

Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter am Rednerpult im Landtag.

Schleswig-Holstein: Digitalisierungsbeschleunigungsgesetz im Landtag

[25.03.2026] Mit dem Digitalisierungsbeschleunigungsgesetz will Schleswig-Holstein den gesetzlichen Rahmen für eine umfassende, konsequente Verwaltungsdigitalisierung schaffen. Der Entwurf dazu wurde nun in den Landtag eingebracht. mehr...

Lutz Goebel

NKR: Realitätscheck zur Modernisierungsagenda

[25.03.2026] Sechs Monate nach Verabschiedung der Modernisierungsagenda Bund zieht der Nationale Normenkontrollrat (NKR) eine Zwischenbilanz. Aus Sicht des Expertengremiums fehlt es vor allem an klarer Steuerung, Transparenz über den Umsetzungsstand und einer stärkeren Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg. mehr...

Illustration in Blau- un Orangetönen: Figur mit Rollkoffer auf einer Straße, Wegweiser "Work and Stay", BA und BfAA

BMI/NKR: Modernisierung der Erwerbsmigration

[24.03.2026] Deutschland braucht internationale Fachkräfte – und ein Einwanderungsverfahren, das transparent, schnell und verlässlich funktioniert. Der Bund plant eine Work-and-Stay-Agentur als zentrale digitale Plattform für die Fachkräfteeinwanderung. Der Normenkontrollrat mahnt weitergehende Reformen an. mehr...

Martina Klement, Wirtschaftsministerin Brandenburgs

Berlin: Klement geht, Hundt kommt

[23.03.2026] Martina Klement, bisher CDO in Berlin, wechselt überraschend als neue Wirtschaftsministerin nach Brandenburg. Ihr Nachfolger wird der Dresdner Unternehmer und ausgewiesene Digitalexperte Matthias Hundt. mehr...

Rechenzentrum von innen, Blick in eine Gasse mit blau beleuchteten Server-Racks.

Bund: Rechenzentrumsstrategie beschlossen

[20.03.2026] Die Bundesregierung hat die Rechenzentrumsstrategie beschlossen. Innerhalb eines Jahres sollen 28 Maßnahmen in drei zentralen Handlungsfeldern gestartet und soweit wie möglich abgeschlossen werden. mehr...

Am Rande der Sitzung fand der diesjährige Kaminabend auf dem Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main" der Deutschen Marine statt.

IT-Planungsrat: Deutschland-Stack kommt

[19.03.2026] Der IT-Planungsrat hat sich auf seiner aktuellen Sitzung auf den Aufbau des Deutschland-Stacks als verbindlichen Plattformkern unter Federführung des Bundes, ein gemeinsames Portfolio mit klaren Prioritäten und eine neue föderale Steuerung verständigt. mehr...

Illustration aus der Digitalstrategie

Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt

[18.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...

Vier Männer in dunklen Anzügen sitzen nebeneinander an einem Holztisch, vor sich Dokumente.

Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital

[17.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...