EstlandVerwaltung ist 100 Prozent digital

[31.01.2025] In Estland sind alle staatlichen Dienstleistungen online verfügbar. Selbst sensible Verfahren wie die Scheidung können digital abgewickelt werden – und werden gut angenommen. Mit einer Kampagne präsentiert das Land seine digitalen Fortschritte der internationalen Öffentlichkeit.

Frischer Wind statt Papierkram: Estlands bietet alle staatlichen Verwaltungsleistungen digital an.

(Bildquelle: eis)

Estland gilt schon seit langem als E-Government-Pionier. Nun hat die baltische Republik einen außergewöhnlichen Meilenstein erreicht: Seit Dezember 2024 können dort sämtliche staatlichen Dienstleistungen vollständig online erledigt werden. Diese Entwicklung leite eine neue Ära der bürgernahen und effizienten Verwaltung ein, so die Estnische Agentur für Wirtschaft und Innovation Enterprise Estonia (eis). Estland nehme eine weltweit führende Rolle in der digitalen Verwaltung ein und setze einen Maßstab für andere Länder. „Estland ist immer und überall bei mir“, sagt die frühere estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid. „Ob ich nun Staatsdokumente in der Antarktis unterschreibe oder in einem Bus in Luxemburg abstimme, ich habe mich als Bürgerin nie abgeschnitten gefühlt, egal wo ich war.“ Estland wolle auch weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung einer noch nahtloseren digitalen Zukunft spielen. Zum Stand der Digitalisierung bei verwaltungsinternen Prozessen machte die eis in ihrer Meldung keine Angaben.

Sensibler Verwaltungsakt wird digital

Die letzte Dienstleistung, die digitalisiert wurde, war die Scheidung – ein juristisch komplexes und auch emotional sensibles Verfahren. Mit der Online-Einführung dieser Dienstleistung habe Estland seine Innovationsfähigkeit auch in Bereichen unter Beweis gestellt, in denen es auf Taktgefühl und Sorgfalt ankommt, so die eis. Paare, die ihre Scheidung digital einreichen, können auf vorausgefüllte Formulare, Instrumente für die Aufteilung des ehelichen Vermögens und Orientierungshilfen bei Sorgerechtsvereinbarungen zugreifen. Zudem umfasst der Dienst eine obligatorische 30-tägige Bedenkzeit, die eine wohlüberlegte Entscheidungsfindung gewährleisten soll.

Hohe Akzeptanz

Seit der Einführung wurden bereits 53 Prozent der Scheidungsanträge online eingereicht – ein klares Signal für die Akzeptanz der Bürger. „Es geht nicht nur um Technologie, sondern um die Schaffung von Dienstleistungen, die den Bedürfnissen der Menschen auch in schwierigen Zeiten gerecht werden“, erläutert Enel Pungas, Leiter der Abteilung für Bevölkerungsdaten im estnischen Innenministerium. Auch über die Scheidung hinaus hat die digitale Verwaltung in Estland eine beachtliche Akzeptanz erfahren: 85 Prozent der Geburtenregistrierungen und 56 Prozent der Heiratsanträge werden inzwischen digital abgeschlossen.

Mit der Kampagne 100% Digital & 0% Bureaucrazy, die bis zum 27. März 2025 läuft, will Estland die Weltöffentlichkeit dazu einladen, digitale Errungenschaften über das e-Estonia Briefing Centre in Tallinn – oder online – zu erkunden. Dieses Zentrum fördert Estlands Innovationen und schafft internationale Geschäftsbeziehungen für lokale IKT-Unternehmen.





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