BitkomBundeswehr-Reserve muss digitaler werden

[02.07.2026] Das Bundeskabinett hat ein Gesetz zur Stärkung der Reserve beschlossen. Aus Sicht des Bitkom genügt Personalaufwuchs jedoch nicht für die Einsatzfähigkeit. Die Nutzung digitaler Technologien - von Mobilapps über digitale Identität bis VR – müsste systematisch vorangetrieben werden.
Außenaufnahme: Wiese mit mehreren Männern in Uniform, auf dem Boden eine weiße Markierung.

Streitkräfte brauchen neben der aktiven Truppe gut ausgerüstete und einsatzbereite Reservistinnen und Reservisten, die schnell und verlässlich verfügbar sind.

(Bildquelle: Bundeswehr/Ralf Keller)

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch (1. Juli 2026) den Entwurf für ein Reservestärkungsgesetz beschlossen. Ziel ist eine bessere, schnellere und verlässliche Verfügbarkeit der Reserve. Diese soll bis 2033 von rund 60.000 auf mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten wachsen. Nach Ansicht des Bitkom muss das Reservestärkungsgesetz digitale Technologien aber noch sehr viel umfassender berücksichtigen, als es der gestern im Bundeskabinett zur Beschlussfassung vorliegende Entwurf vorsieht. „Mehr Personal allein macht noch keine einsatzbereite Reserve. Entscheidend ist, ob wir diese Reservistinnen und Reservisten im Ernstfall schnell erreichen und gleichermaßen effizient wie effektiv einsetzen können“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Die Digitalisierung der Reserve muss deshalb genauso entschlossen vorangetrieben werden wie ihr personeller Aufbau.“

App statt Papier

Viele Abläufe in der Reserve basieren bislang auf Papier oder funktionieren nur teilweise digital, das kostet aus Bitkom-Sicht unnötig Geld und Zeit. Der Verband schlägt vor, dazu verstärkt auf Mobilapps zu setzen. So könnte beispielsweise die schon bestehende Anwendung „Meine Reserve“ durch Reservistinnen und Reservisten genutzt werden, um zu hinterlegen wann sie verfügbar sind – im Ernstfall wäre dadurch eine schnelle und sichere Benachrichtigung möglich. Auch lässt sich schnell erkennen, wer wann einsatzbereit ist. Auch eine digitale Identität würde Zeit und Kosten sparen. Derzeit müssen Reservistinnen und Reservisten ihren Dienstausweis nach jedem Dienst wieder abgeben. Künftig sollte ein einziger, sicherer digitaler Zugang genügen, der für die Dauer des Einsatzes freigeschaltet wird. Digital unterstützte Verfahren könnten auch Unternehmen unterstützen, die wissen müssen, wie viele und welche ihrer Beschäftigten im Ernstfall für die Bundeswehr im Einsatz wären. Derzeit sind nach einer Bitkom-Umfrage nur 20 Prozent der Unternehmen darüber im Bilde.

Zivile Fähigkeiten nutzen, militärische Fähigkeiten schulen

Die Digitalisierung bietet darüber hinaus weitere praktische Vorteile. So könnten die zivilen Fähigkeiten von Reservistinnen und Reservisten – etwa als IT-Sicherheitsfachkraft, Softwareentwicklerin oder mit Fremdsprachenkenntnissen – sichtbar gemacht und gezielt dort zur Geltung gebracht werden, wo die Truppe sie braucht. Heute bleiben solche Kenntnisse oft ungenutzt, weil sie nur der früheren Einheit bekannt sind. Auch die Ausbildung wird einfacher, so der Bitkom: Mit virtueller Realität, etwa per VR-Brille, lassen sich Fähigkeiten wie die Abwehr von Drohnen üben, auch dann, wenn Übungsplätze, Geräte oder Ausbilder gerade knapp oder weit entfernt sind. „Nötig sind ein verbindlicher Fahrplan und klare Zuständigkeiten für die Digitalisierung der Reserve, ein solches Zielbild fehlt bislang. Analoge Abläufe sollten dabei nur noch für den Notfall erhalten bleiben, wenn digitale Systeme ausfallen“, betont der Bitkom-Chef Ralph Wintergerst.



Stichwörter: Panorama, Bitkom, Bundeswehr


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