Hessen/Rheinland-PfalzGemeinsames Fundament für die Steuer-IT

[23.07.2026] Hessen stellt der rheinland-pfälzischen Steuerverwaltung mehr als 400 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche in Frankfurt bereit. Eine langfristige Kooperation soll zudem gemeinsame Vorhaben bei Cloud-Infrastrukturen, KI und automatisierten Steuerverfahren ermöglichen.
Rechenzentrum von innen, Blick in eine Gasse mit blau beleuchteten Server-Racks.

Die Steuerverwaltungen der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz intensivieren ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnologie.

(Bildquelle: Cybrain/stock.adobe.com)

Hessen und Rheinland-Pfalz vertiefen ihre Zusammenarbeit in der Steuer-IT. Wie das Land Hessen berichtet, haben die Finanzministerien beider Länder dazu eine langfristig angelegte Kooperationsvereinbarung geschlossen. Als erstes gemeinsames Vorhaben stellt Hessen der rheinland-pfälzischen Steuerverwaltung mehr als 400 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche in Frankfurt zur Verfügung. Die Flächen sollen Hardware aufnehmen, die bislang in Koblenz untergebracht ist.

Hessen soll Aufgaben rund um den Betrieb der Rechenzentrumsflächen übernehmen, etwa bei der Stromversorgung, für die Rechner und Daten will Rheinland-Pfalz verantwortlich bleiben. Die Vorbereitungen für den Umzug begannen bereits im Juli 2026, der eigentliche Umzug soll 2027 starten und bis zum Sommer desselben Jahres abgeschlossen sein. Nach Angaben des hessischen Finanzministeriums sollen durch das sogenannte Housing Synergien bei der Betriebsinfrastruktur entstehen. Zugleich wollen die Steuerverwaltungen die Betriebs- und Informationssicherheit erhöhen.

Kooperation soll schrittweise wachsen

Die Zusammenarbeit ist nicht auf Rechenzentren beschränkt. Potenzial sehen die Länder insbesondere bei Cloud-Infrastrukturen, Künstlicher Intelligenz und der Automatisierung von Besteuerungsverfahren. Hintergrund seien steigende Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Leistungsfähigkeit der IT-Systeme. Hinzu kommen wachsende Anforderungen an die Cyber-Sicherheit und der Wettbewerb um qualifizierte IT-Fachkräfte. Die Vereinbarung soll deshalb einen verlässlichen Rahmen für weitere gemeinsame Vorhaben schaffen.

„Eine leistungsfähige und sichere IT ist das Rückgrat einer modernen Steuerverwaltung. Mit der Kooperation schaffen wir die Voraussetzungen, vorhandene Ressourcen noch effizienter zu nutzen, die Betriebssicherheit unserer Rechenzentrumsinfrastruktur weiter zu erhöhen und die Herausforderungen der digitalen Transformation gemeinsam zu bewältigen“, erklärte die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen.

Zusammenarbeit im KONSENS-Verbund

Die Vereinbarung begründet erstmals eine vertiefte bilaterale Zusammenarbeit der beiden Steuerverwaltungen. Im KONSENS-Verbund („Koordinierte Neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung“) arbeiten Hessen und Rheinland-Pfalz bereits mit dem Bund und den übrigen Ländern zusammen, um gemeinsam Software für die Finanzämter zu entwickeln. Hessen kann bei der neuen Kooperation auf Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Thüringen zurückgreifen. Seit 2018 unterstützt das Land die thüringische Steuerverwaltung beim Rechenzentrumsbetrieb. Auch Thüringen hat Teile seiner IT-Infrastruktur nach Hessen verlagert (wir berichteten).

Hessens Finanzminister Alexander Lorz sieht in länderübergreifenden Kooperationen eine Möglichkeit, IT-Kompetenzen zu bündeln und bei der IT-Sicherheit enger zusammenzuarbeiten. Beide Länder verstehen die Vereinbarung nach eigenen Angaben als Modell eines Föderalismus, der stärker auf gemeinsame Infrastrukturen und geteilte Verantwortung setzt.





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