BerlinResilientere Kommunikationsnetze

Berlin will sein Mobilfunknetz gegen Stromausfälle härten und dabei auch die Netzbetreiber einbinden.
(Bildquelle: smikeymikey1/123rf.com)
In Berlin fanden in den letzten Jahren wiederholt Anschläge auf die Strominfrastruktur statt, die zu ausgedehnten, anhaltenden Ausfällen führten. So traf es im September 2025 einen Strommast im Berliner Südosten, was zu einem großflächigen Stromausfall führte, der erst nach drei Tagen vollends behoben war. Im besonders kalten Januar 2026 brannte eine Kabelbrücke im Südwesten, danach hatten 45.000 Haushalte viereinhalb Tage weder Strom noch Heizung. Die großflächigen und langanhaltenden Stromausfälle hatten aber auch massive Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit von Festnetz, Mobilfunk und Internet. Besonders in den ersten Stunden kam es für die Bürgerinnen und Bürger zu Einschränkungen, Telefonverbindungen aufzunehmen oder amtliche Warnmeldungen zu empfangen. Die Erkenntnis ist eindeutig: Ein gezielter Angriff auf die Stromversorgung kann unmittelbar die Kommunikation der Bevölkerung beeinträchtigen und damit auch die öffentliche Sicherheit.
Konzept für resilienten Mobilfunk
Nun hat sich der Berliner Senat mit einem „Resilienz-Konzept Mobilfunk für Berlin“ befasst. Dieses enthält zwölf konkrete Maßnahmen, die aus den Erfahrungen bei der Bewältigung der beiden Anschläge abgeleitet wurden. Das Konzept soll die Grundlage für die nächsten Schritte von Land, Netzbetreibern und weiteren beteiligten Akteuren bilden, so das Presse- und Informationsamt. „In der Krisensituation nach dem Anschlag auf unser Stromnetz zu Beginn des Jahres hat sich gezeigt, wie essenziell eine funktionierende Mobilfunkkommunikation ist. Wir haben Verbesserungsbedarfe erkannt und in den letzten Monaten intensiv mit den Mobilfunkbetreibern daran gearbeitet, genau dort auch zu Verbesserungen zu kommen“, sagte die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey. In Zukunft sollten Ausfälle besser verhindert, die Auswirkungen begrenzt und die Handlungsfähigkeit schneller wiederhergestellt sein. Die Notfallkommunikation müsse auch in massiven Krisenlagen verlässlich gewährleistet sein, betonte Giffey. Erarbeitet wurde das Konzept unter Beteiligung der vier in Berlin tätigen Mobilfunknetzbetreiber (Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1) sowie der Berliner Immobilienmanagement (BIM) und der Stromnetz Berlin GmbH.
Krisenübung – auch mit Mobilfunkbetreibern
Im Mittelpunkt steht, die Folgen von Ausfällen der Telekommunikationsnetze zu begrenzen und die Netze möglichst schnell wieder funktionsfähig zu machen. Dafür sollen unter anderem Meldeketten optimiert und Mobilfunknetzbetreiber stärker in die Krisenübungen des Landes eingebunden werden. Die Telekommunikationsnetze sollen künftig ein fester Bestandteil des Lagebildes des Landes sein. Zudem werden Bewegungs- und Zutrittsrechte für Einsatzpersonal sichergestellt, damit notwendige Reparaturen und Wiederherstellungsmaßnahmen beispielsweise an Telekommunikationsmasten schnell erfolgen können. Auch in die Kraftstoffversorgungspläne des Landes werden die Telekommunikationsinfrastrukturen integriert und priorisiert. Um die Energieversorgung von Telekommunikationsstandorten im Krisenfall zusätzlich abzusichern, soll die Wirksamkeit von Photovoltaikanlagen mit Batteriesystemen erprobt werden.
Ein Schwerpunkt des Konzepts ist die Weiterentwicklung der sogenannten Katastrophenschutzleuchttürme (KAT-Leuchttürme) des Landes. Dort sollen Bürgerinnen und Bürger wie bisher Informationen erhalten und ihre Geräte aufladen können. Künftig soll zudem das Mobilfunknetz im Umfeld der KAT-Leuchttürme auch im Krisenfall zuverlässig funktionieren.
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