HessenEin digitaleres Steuerrecht

[22.08.2025] Digitalisierung birgt auch das Potenzial zur Entbürokratisierung. Hessens Finanzminister Alexander Lorz hat nun – mit Blick auf ein im Herbst geplantes, neues Steuergesetzesvorhaben des Bundes – konkrete Vorschläge gemacht, wie Digitalisierung und Automatisierung Verwaltung wie Steuerzahler entlasten könnten.
Porträt von Hessens Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz, anscheinend in seinem Büro etwas mit der Hand schreibend.

Bürgerinnen und Bürger wie auch die Verwaltung könnten durch Steuerrechtsreformen entlastet werden.

(Bildquelle: Patrick Liste/Hessisches Ministerium der Finanzen)

Im Juli hat die Bundesregierung bereits ein steuerliches Investitionsprogramm – den sogenannten Wachstumsbooster – verabschiedet. Für den Herbst ist ein zweites politisches Steuergesetzesvorhaben angekündigt. Darin soll unter anderem die bereits vereinbarte Anhebung der Entfernungspauschale umgesetzt werden. Aus Sicht von Hessens Finanzminister Alexander Lorz biete sich damit auch eine gute Gelegenheit, Digitalisierung und Vereinfachungen im Steuerrecht voranzubringen, so das Hessische Ministerium der Finanzen. Der Minister nannte drei konkrete Maßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Verwaltung entlasten können. Der Kern seiner Vorschläge: Automatisierung, Pauschalierung und Digitalisierung. Unter anderem schlägt der Minister vor, die Digitalisierung zu nutzen und Spendenbescheinigungen automatisch und elektronisch an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Diese müssten dann nicht mehr gesondert vorgelegt werden – der Spendenabzug soll automatisch erfolgen. Weiter gedacht könnten automatisierte Veranlagungsvorschläge auch die Steuererklärung für viele Menschen entbehrlich machen. Das Land Hessen testet diese Möglichkeit in diesem Jahr erstmals in einem Pilotprojekt beim Finanzamt Kassel (wir berichteten).

Pauschalen statt Belege-Sammeln

Mehr Automatisierung könne erreicht werden, wenn die Besteuerung von Alters- und Rentenzahlungen analog zum Lohnsteuerabzug bei Arbeitnehmenden zukünftig direkt an der Quelle erfolgt. Natürlich, so Lorz, „ohne etwas an ihrer Höhe zu verändern“. So könnten beispielsweise die Rentenversicherungen die Steuer einbehalten und an das Finanzamt abführen. Millionen Rentnerinnen und Rentner wären von der Steuererklärungspflicht befreit und müssten später auch nichts mehr nachzahlen. Auch bei der Lohnsteuer ließe sich ansetzen – etwa, indem typische Kosten, wie Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder Ausgaben fürs Heimbüro und Arbeitsmittel, schon beim Lohnsteuerabzug durch Pauschalbeträge berücksichtigt würden. „Das Sammeln und Aufbewahren von Belegen übers ganze Jahr würde damit entfallen. Die heute üblichen Steuererstattungen würden bereits bei der Berechnung der monatlich abgeführten Lohnsteuer eingerechnet. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen ihre Erstattung früher oder verfügen sofort über mehr Netto. In vielen Fällen würde eine Steuererklärung zudem überflüssig“, so Lorz‘ Zukunftsvision.



Stichwörter: Allgemein,


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Allgemein

Thüringen: Digitale Verwaltungsangebote zu unbekannt

[05.10.2026] Der eGovernment MONITOR 2026 zeigt, dass digitale Verwaltungsangebote bei ihren Nutzern gut ankommen, aber oft schwer zu finden sind. Thüringen will den Zugang erleichtern, Medienbrüche abbauen und Leistungen über die ThüringenApp mobil verfügbar machen. mehr...

eGovernment MONITOR: Digitale Verwaltung überzeugt bei der Nutzung

[01.10.2026] Wer digitale Verwaltungsangebote nutzt, ist mit ihnen überwiegend zufrieden. Laut eGovernment MONITOR 2026 bewerten 81 Prozent der Menschen ihr zuletzt ganz oder teilweise digital erledigtes Behördenanliegen positiv. Gleichzeitig sehen nur 15 Prozent ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt. mehr...

Bundeserprobungsgesetz: Freiräume für neue Verfahren

[30.09.2026] Der Bundesrat hat den Weg für das Bundeserprobungsgesetz freigemacht. Bund, Länder und Kommunen dürfen damit in Reallaboren neue Verwaltungsverfahren testen und zeitlich begrenzt von bestimmten Bundesvorschriften abweichen. Erfolgreiche Ansätze können bundesweit übernommen werden. mehr...

Berliner Rathaus, daneben der Fernsehturm

Berlin: Neues Finanzsystem im Einsatz

[03.09.2026] Berlin hat sein Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen auf die ERP-Software MACH meinERP umgestellt. Rund 11.700 Nutzerinnen und Nutzer in der Hauptverwaltung und allen zwölf Bezirken arbeiten mit dem System. Für den Betrieb wurden mehr als sieben Millionen Belege migriert. mehr...

500-Euro-Scheine unter der Lupe

European Public Administration Report: Ist eine teure Verwaltung auch gut?

[24.08.2026] Deutschland leistet sich eine der teureren öffentlichen Verwaltungen Europas. Mehr Wirkung folgt daraus aber nicht automatisch. Eine Studie aus Österreich zeigt, dass es gute Organisation, qualifiziertes Personal und digitale Werkzeuge sind, die den Unterschied machen. mehr...

Gebärdender weiblicher Avatar mit BMDS-Logo

Barrierefreiheit: BMDS lässt Avatar gebärden

[03.08.2026] Digitale Barrierefreiheit ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Verwaltung. Dazu gehören auch Angebote in Gebärdensprache, die Gehörlosen den Zugang zu komplexen Informationen erleichtern. Das BMDS setzt als erstes Bundesministerium auf Gebärdensprach-Avatare des Unternehmens alangu. mehr...

Vektorgrafik eines Laptops, im Hintergrund sind abgehakte Dokumente zu sehen.

Brandenburg: KI-Komponente für Aufenthalt Digital

[30.06.2026] Der unter Regie des Landes Brandenburg entwickelte Online-Dienst „Aufenthalt Digital“ kann als Erfolgsgeschichte für den Nachnutzungsansatz des OZG gelten: Er wird bundesweit eingesetzt. Vor sechs Monaten wurde eine KI-Assistenz zur Dokumentenprüfung integriert – nun beginnt bereits der flächendeckende Roll-out. mehr...

Hessen: Rechenzentren bestehen BSI-Prüfung

[29.06.2026] Die Rechenzentren der HZD im Rhein-Main-Gebiet sind nach ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz zertifiziert. Das BSI bescheinigt damit sichere Betriebs- und Sicherheitsprozesse für die Rechenzentrumsinfrastruktur und angrenzende IT-Verbünde. mehr...

Screenshot aus dem Monitor Staatsmodernisierung

Bitkom: „Monitor Staatsmodernisierung“ gestartet

[26.06.2026] In einer neuen Publikation bewertet der Bitkom alle Vorhaben aus den Modernisierungsagenden von Bund und Ländern. Demnach sind zwei Drittel aller Vorhaben angeschoben, neun Prozent abgeschlossen. Auffallend: Der Bund geht voran, das Umsetzungstempo der Länder ist zögerlicher. mehr...

Porträt Luise Hölscher

BMDS/IT-Planungsrat: Personelle Veränderungen

[07.05.2026] Nach dem Ausscheiden von Luise Hölscher übernimmt Markus Richter auch die Vertretung des Bundes im IT-Planungsrat. Damit geht zugleich der Vorsitz des Bund-Länder-Gremiums auf ihn über. mehr...

Hände und Torso einer mutmaßlich weiblichen Person, die mit nachdenklicher Pose ein Smartphone hält.

Hessen: Innovative Lösungen für krisenfeste Strukturen

[14.04.2026] In Darmstadt zeigt das LOEWE-Zentrum emergenCITY, wie Forschung zu digitaler Resilienz in Städten schneller in die Praxis gelangt. Entwickelt werden Lösungen, die digitale Systeme auch in Krisensituationen funktionsfähig halten und die Notfallkommunikation sichern. mehr...

Gruppenfoto der Beteiligten des Hackathons.

FITKO/DigitalService: Die Einkommensprüfung als Modellfall

[09.04.2026] Die Einkommensprüfung ist für viele Verwaltungsleistungen relevant – und aufwändig. FITKO und DigitalService haben die Entwicklung einer nachnutzbaren automatisierten Lösung angestoßen. Gleichzeitig soll gezeigt werden, wie sich typische Querschnittsaufgaben im föderalen Vollzug effizienter organisieren lassen. mehr...

Symbolbild für Cloud-Technologie: eine Hand greift nach mehreren gerenderten Cloud-Icons.

Bremen: Achter Jahresbericht zum Datenschutz

[26.03.2026] Die Stärkung der digitalen Souveränität ist unverzichtbar – auch für den Datenschutz. So lautet der Appell des Bremer Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit anlässlich der Vorstellung des aktuellen Datenschutzberichts. Insbesondere die Nutzung von Cloud-Diensten sei mit Blick auf personenbezogene Daten problematisch. mehr...

BME/BDSV: Zentraler Hub für die Defence-Branche

[12.01.2026] Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie steht vor der drängenden Aufgabe, resiliente und innovationsstarke Lieferketten für Deutschland und Europa zu errichten. Ein neuer zentraler Hub – die Plattform SVI-Connect – will die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie branchenübergreifend mit Industriepartnern, neuen Playern, KMU und Start-ups vernetzen. mehr...

Brandenburg/Hessen: Kooperation bei der steuerlichen IT

[16.12.2025] Brandenburg und Hessen wollen ihre Zusammenarbeit bei der Steuerverwaltungs-IT ausbauen. Vorgesehen sind die gemeinsame Entwicklung und Nachnutzung von Fachanwendungen, Kooperationen bei Cloud-Technologien sowie Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. mehr...