ThüringenIT-Support braucht Standards

[20.07.2021] Der Thüringer Landesrechnungshof fordert in seinem Jahresbericht 2021 einen einheitlicheren IT-Support für den Freistaat. Standards fehlten, das wiederum mache es schwer, Optimierungspotenzial zu erkennen und heben zu können.
Thüringer Wappen

Der Thüringer Landesrechnungshof fordert einen einheitlicheren IT-Support für den Freistaat.

(Bildquelle: 123rf.com / uhland38)

In seinem Jahresbericht 2021 fordert der Thüringer Landesrechnungshof (TRH) mehr Standardisierung beim IT-Support für den Freistaat. Mit Ausnahme von drei größeren IT-Einheiten nutzen die Landesbehörden laut Rechnungshof keine der bewährten und verbreiteten Standards zu Abläufen und Organisation der IT. Es fehlten sowohl Übersichten zu den angebotenen IT-Diensten als auch Abstimmungen zu qualitativen Anforderungen. Auch hätten viele Behörden nicht ermittelt, welchen Aufwand die Betreuung einzelner IT-Dienste verursacht und ob die Anforderungen – beispielsweise die Dauer bis zum Wiederanlauf nach Störungen – eingehalten wurden. Ferner müssten bestimmte Betriebsabläufe – unter anderem der IT-Support – dokumentiert sein. Hier bestehen laut Rechnungshof ebenfalls Defizite. Mängel stellt er außerdem bei der Nutzung von Software-Systemen zur Unterstützung des IT-Supports oder der Erfassung der Nutzerzufriedenheit fest.

Verlässliche Aussagen kaum möglich

Die fehlende Standardisierung des IT-Supports als Teil des IT-Betriebs widerspricht laut TRH den Zielen der E-Government- und IT-Strategie des Landes. Ein landeseinheitlich abgestimmter IT-Betriebsstandard fehle völlig. Wird ein solcher etabliert, sollte sich die Landesverwaltung an bewährten Standards des IT-Service-Managements orientieren, empfiehlt der Rechnungshof. Hinderlich für einheitliche Betriebsstandards sei indes die oft sehr dezentrale Organisation des IT-Supports. Somit seien beispielsweise keine verlässlichen Aussagen zum Aufkommen an Aufgaben im Support möglich. Daher lasse sich auch nicht beurteilen, inwieweit der IT-Personalbestand dem Bedarf entspricht. 40 Prozent der vorhandenen IT-Personalkapazitäten werden laut Rechnungshof derzeit für den IT-Support genutzt. Das entspreche jährlichen Personalausgaben von rund 16 Millionen Euro. Es sei überdies fraglich, ob die jetzige Organisation auf lange Sicht für einen reibungslosen Geschäftsbetrieb geeignet ist. Das gelte insbesondere bei (zu) kleinen IT-Organisationseinheiten. Deren IT-Personal könnte angesichts des aktuellen IT-Fachkräftemangels möglicherweise besser eingesetzt werden. Daher müsse rasch geklärt werden, ob und wie Wissen und Personal gebündelt werden könnten.

Wille zur Zusammenarbeit muss gestärkt werden

Das Thüringer Finanzministerium wertet den Jahresbericht des Rechnungshof als wichtigen Impulsgeber für die Haushalts- und E-Government-Politik des Freistaats. Zur Kritik an der Zersplitterung und geringen Effektivität der Support-Organisation sagt CIO Hartmut Schubert: „Das Thüringer Finanzministerium verfolgt schon seit Jahren die Strategie, zentrale Dienste und Infrastrukturen für die Landesverwaltung aufzubauen und zu komplettieren, zum Beispiel beim Projekt E-Akte Thüringen oder dem einheitlichen E-Mail-System, oder der landeseigenen Videokonferenzplattform. Wir machen aber leider die Erfahrung, dass der Wille zur Zusammenarbeit und zur Nutzung standardisierter Dienste in den verschiedenen Ministerien noch deutlich verstärkt werden muss. Den Dienststellen fällt es schwer, individuelle Lösungen aufzugeben und Änderungen zu akzeptieren, die einen einheitlichen Standard ermöglichen.“ Er teile die Ansicht des Rechnungshofs, dass die Ausrichtung des IT-Supports an bewährten Standards mittel- bis langfristig die erforderliche Qualität und Quantität in der Thüringer Landesverwaltung sicherstellen kann. Insbesondere die Corona-Krise habe deutlich gemacht, wie abhängig die Landesverwaltung von einer stabilen IT-Landschaft ist. „Eine effektive und effiziente Verwaltung erreichen wir künftig nur durch eine leistungsfähige und sichere IT-Landschaft. Dazu gehört auch eine zentralisierte IT-Infrastruktur, die sich mit einem personell und finanziell vertretbaren Aufwand betreiben lässt“, sagt Schubert.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
Laptop auf dem der Marktplatz Deutschland Digital aufgerufen ist

IT-Planungsrat: Marktplatz startet Produktivbetrieb

[20.03.2026] Öffentliche Organisationen von Bund, Ländern und Kommunen sowie öffentliche IT-Dienstleister finden ab sofort auf dem Marktplatz Deutschland Digital ein umfassendes Angebot an IT-Lösungen für die Verwaltung. mehr...

BVA/Hessen: Erste Melderegister an IDA angeschlossen

[18.03.2026] Der Abruf von Identitätsdaten ist ein zentrales Element bei der Umsetzung des Once-Only-Prinzips. Das BVA hat dafür das IDA-Fachverfahren entwickelt. Nun hat Hessen als erstes Bundesland den Anschluss einzelner Melderegister an IDA realisiert. mehr...

Bremen: Digitalisierungsschub für die Steuerverwaltung

[05.03.2026] Der Senat der Freien Hansestadt Bremen stellt 2,5 Millionen Euro für die Modernisierung der Steuerverwaltung bereit. Neue Hardware und ein moderneres Datennetz sollen künftig dazu beitragen, die Bearbeitung von Steuererklärungen zu beschleunigen. mehr...

Diagramm mit den Modulen der digitalen Antragsstrecke

Hessen: Das Ende der Papierwirtschaft

[03.03.2026] Mit der digitalen Antragsstrecke hat die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung eine All-in-One-Lösung geschaffen, bei der verschiedene selbst entwickelte Komponenten nahtlos ineinandergreifen und die den gesamten Prozess der Antragsverarbeitung durchgängig digitalisiert. mehr...

Symbolbild für Cloud-Technologie: eine Hand greift nach mehreren gerenderten Cloud-Icons.

Berlin: Multi-Cloud-Strategie beschlossen

[02.03.2026] Cloud-Lösungen haben das Potenzial, die Arbeit von Behörden zu verbessern und den Kontakt zwischen Verwaltung und Bürgern erheblich zu vereinfachen. Der Berliner Senat hat nun eine Multi-Cloud-Strategie für das Land beschlossen. Details zu Anbietern und Diensten wurden zunächst nicht bekannt gegeben. mehr...

Blick auf das Hauptgebäude der Universität Gießen.
bericht

Universität Gießen: Effizientes Gebäudemanagement

[09.02.2026] 345 Gebäude, 210 Nutzer, ein zentrales System: Die Justus-Liebig-Universität Gießen steuert ihre komplexe Gebäudeinfrastruktur mithilfe einer CAFM-Software. Die Lösung ermöglicht automatisierte Prozesse und erleichtert so die Arbeit verschiedener Aufgabenbereiche. mehr...

Wehende Brandenburg-Flagge mit dem Landeswappen, das einen Adler zeigt.

Brandenburg: Amazon-Cloud geht in Betrieb

[21.01.2026] In Potsdam hat Amazon Web Services die AWS European Sovereign Cloud in Betrieb genommen. Die Infrastruktur liegt vollständig in der EU – konkret in Brandenburg. Geplant sind eigene Rechenzentren und Investitionen von rund 7,8 Milliarden Euro. mehr...

Registermodernisierung: Erfolgreicher Nachweisdatenabruf

[20.01.2026] Beim NOOTS wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: Der Nachweisdatenabruf aus dem Fahrzeugregister des Kraftfahrt-Bundesamts wurde erfolgreich umgesetzt. Noch in diesem Jahr soll ein ausgereiftes System für den Flächen-Roll-out bereitgestellt werden. mehr...

Plastikbausteine mit Noppen in den Deutschland-Farben, vor blauem Hintergrund

BMDS: Konsultation geht in die zweite Runde

[19.01.2026] Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung setzt die Online-Konsultation zum Deutschland-Stack fort. In einer zweiten Runde werden bis Mitte Februar 2026 weitere Rückmeldungen erbeten. mehr...

Berlin: Service-Management mit Open Source

[19.01.2026] Die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales mit insgesamt 2.200 Mitarbeitenden an zahlreichen Standorten ergänzt ihre Sozialhilfesoftware mit dem Ticketsystem KIX. Nach rund zehn Jahren On-Premises-Betrieb erfolgte der Wechsel in die Cloud. mehr...

Berlin: Verwaltungsabkommen mit Dataport

[09.01.2026] Berlin nutzt künftig die Steuer-IT-Infrastruktur von Dataport, gemeinsam mit mehreren norddeutschen Ländern. Ein neues Verwaltungsabkommen regelt die schrittweise Verlagerung der Berliner Steuerdatenproduktion ins Data Center Steuern. Diese soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. mehr...

Ein Zukunftskongress-Spezial nimmt den Status quo der Verwaltungsdigitalisierung hierzulande in den Blick.

Registermodernisierung: Dreistufiges Anschlussvorhaben

[17.12.2025] Bei der Registermodernisierung sind weitere Fortschritte zu verzeichnen. Das Bundesverwaltungsamt skizziert das nun vorliegende dreistufige Konzept, mit dem dezentrale Register zu einem modernen, vernetzten Register verknüpft werden sollen. mehr...

Logo er Dienstekonsolidierung

Bundesverwaltung: Großprojekt Dienstekonsolidierung abgeschlossen

[17.12.2025] Bundesclient, Bundescloud, E-Akte Bund, Chatbots und mehr – das Programm der Dienstekonsolidierung will durch einheitliche IT-Lösungen behördenübergreifende Veränderungen ermöglichen. Nach zehn Jahren ist das Vorhaben nun abgeschlossen. mehr...

Umrisse der BRD, daneben stichwortartig verschiedene Ziele der NdB, darunter Bündelung, hohes Sicherheitsniveau und schnellerer Datentransport.

Bundesrechnungshof: Netzkonsolidierung ohne Architekturmanagement

[12.12.2025] Der Bundesrechnungshof kritisiert das Milliardenvorhaben Netze des Bundes. Das BMDS wolle die IT-Netze ohne ressortübergreifendes Architekturmanagement bündeln. Damit drohen ein teurer „Blindflug“, höhere Risiken und eine erschwerte Konsolidierung bei einem Projekt von sicherheitsrelevanter Bedeutung. mehr...

Eine Person arbeitet an einem Laptop mit digitalen Dokumenten und Ordnern.

BW-Empfangsclient: Anträge ohne Fachsoftware empfangen

[10.12.2025] Mit dem BW-Empfangsclient können Kommunal- und Landesbehörden in Baden-Württemberg jetzt auch solche digitalen Verwaltungsleistungen anbieten, für die sie bislang keine Fachsoftware nutzen. Die Behörden können sich kostenfrei selbst registrieren, die Lösung ist sofort einsetzbar. mehr...