Föderale ModernisierungsagendaJetzt muss gehandelt werden

[25.11.2025] Der Nationale Normenkontrollrat mahnt die in der Föderalen Modernisierungsagenda vorgesehene bessere Aufgabenbündelung mit Nachdruck an. Die Ministerien müssten dieses Projekt konsequent weiterverfolgen, um Effizienz und Entlastung der Kommunen zu sichern.
Bis zum Jahr 2030 soll es in Deutschland Glasfaser flächendeckend bis ins Haus geben.

Die Ministerien müssen die Aufgabenbündelung in der Föderalen Modernisierungsagenda konsequent weiterverfolgen, fordert der NKR.

(Bildquelle: wirestock/123rf.com)

Bis Jahresende 2025 wollen Bund und Länder eine Föderale Modernisierungsagenda aufsetzen, so eine Ankündigung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) vom Oktober. Laut den derzeit vorliegenden Meldungen hat sich die gestern stattfindende Digitalministerkonferenz mit diesem Reformfahrplan aber offenbar wenig befasst: Die Agenda soll in der Konferenz der Ministerpräsidenten (MPK) beschlossen werden, die im Dezember stattfindet. 

Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) appelliert nun an Bund und Länder, die laufenden Verhandlungen bis zur MPK zu nutzen und in der föderalen Modernisierungsagenda konkrete Bündelungsschritte zu beschließen. An der Dringlichkeit, aber auch an den Chancen, die eine verbesserte Aufgabenbündelung bietet, lässt der NKR wenig Zweifel: Das Aufgabengeflecht im föderalen Staat sei in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gewachsen und zunehmend zersplittert. Dadurch gerieten Kommunen, Länder und Bund an ihre Belastungsgrenzen, und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates sinke. Der NKR sieht in einer konsequenten Aufgabenbündelung erhebliche Spielräume, um Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Resilienz der Verwaltung zu stärken. Die Vorschläge seien schrittweise umsetzbar und benötigten keine große Föderalismusreform, betont der NKR.

Überkomplexe Aufgabenlandschaft

„Wenn wir ehrlich sind, dann scheitern viele Reformen nicht an Technik oder Budget, sondern an einer historisch gewachsenen, überkomplexen Aufgabenlandschaft. Unsere Analyse zeigt: In Bereichen wie der Einkommensprüfung, der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen oder bei der Fahrerlaubnis bestehen enorme Potenziale, Prozesse zu bündeln und ortsunabhängig zu organisieren. Das entlastet Kommunen, erhöht die Verlässlichkeit und schafft die Grundlage für echte Ende-zu-Ende-Digitalisierung“, sagt die stellvertretende NKR-Vorsitzende Sabine Kuhlmann. Die Modernisierungsagenda des Bundes sei ein wichtiger Schritt – aber ohne eine mutige, föderale Verlängerung werde sie in Ansätzen stecken bleiben. „Wir brauchen jetzt den politischen Willen, Aufgaben dort zu erledigen, wo sie am effizientesten bearbeitet werden können. Die Modernisierungsagenda Föderal ist die Gelegenheit dafür“, betonte Kuhlmann.

Sofortige Entlastung für Kommunen

Malte Spitz, Mitglied des NKR und Berichterstatter für das BMDS, nennt konkrete Beispiele: „Wohngeld und Elterngeld können deutlich vereinfacht werden. Das sind keine abstrakten Reformideen, sondern Bündelungsmaßnahmen, die bei den Kommunen sofort Entlastung schaffen und digitale Standards erleichtern. Für eine erfolgreiche Modernisierung braucht es klare Zuständigkeiten, verlässliche digitale Plattformen und eine starke Steuerung im Bund. Genauso wichtig ist der Mut der Länder, vorhandene Spielräume zu nutzen. Reformimpulse können überall entstehen – entscheidend ist ein gemeinsamer Wille zur Aufgabenbündelung. Wenn die föderale Agenda jetzt nur zaghaft beschlossen wird, verlieren wir wertvolle Jahre.“

Kommunen als Umsetzungsebene

Auch das NKR-Mitglied Dorothea Störr-Ritter, die ebenfalls für das BMDS berichtet, drängt auf Umsetzung: „Mit der Modernisierungsagenda Bund hat die Regierung bereits erste wichtige Maßnahmen in ihrer Zuständigkeit beschlossen. Die föderale Modernisierungsagenda muss hieran anknüpfen und gemeinsame Bemühungen von Bund und Ländern festhalten. Nur wenn beide Ebenen ihre Reformschritte verzahnen, lassen sich die Potenziale heben, die das Positionspapier aufzeigt: effiziente Prozesse, entlastete Kommunen, digitale Standards, gemeinsame Plattformen und eine spürbare Verbesserung im Verwaltungskontakt.“ Entscheidend für den Erfolg beider Modernisierungsagenden sei die Einbeziehung der Kommunen als Umsetzungsebene von Bundes- und Ländergesetzen und direkteste Bezugsebene für Bürger und Wirtschaft, so Störr-Ritter.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Zwei Personen reichen einander die Hände.

Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts

[09.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...

Thüringen: Neue Digitalstrategie beschlossen

[19.12.2025] Das Thüringer Kabinett hat eine neue Digitalstrategie beschlossen, welche die Verwaltungsdigitalisierung bündeln und beschleunigen soll. Kernpunkte sind eine zentrale Steuerung, einheitliche IT-Standards und ab 2026 eine App, über die Behördenleistungen per Smartphone zugänglich werden sollen. mehr...

IT-Planungsrat: 2025 war ein Jahr der Meilensteine

[19.12.2025] Mecklenburg-Vorpommern hatte in diesem Jahr den Vorsitz im IT-Planungsrat inne und nun eine positive Bilanz gezogen. 2025 sei ein Meilenstein-Jahr auf dem Weg zur digitalen Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Unternehmen gewesen. mehr...

Die rheinland-pfälzische Digitalministerin Dörte Schall.

Rheinland-Pfalz: Digitalprogramm 2026/2027 beschlossen

[18.12.2025] Das Landeskabinett Rheinland-Pfalz hat die Fortschreibung der Digitalstrategie von 2023 beschlossen. Deren Inhalte wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet. mehr...

NKR: Modernisierungsagenda bleibt zu vorsichtig

[10.12.2025] Die föderale Modernisierungsagenda ist beschlossen. Der NKR sieht darin wichtige Impulse für leistungsfähigere Verwaltungen, kritisiert jedoch vertagte Reformhebel und fordert eine konsequente Umsetzung mit starker Einbindung der Kommunen. mehr...

Ministerpräsidentenkonferenz: Eine schnellere, digitalere Verwaltung

[08.12.2025] Auf der Konferenz der 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten wurde ein 200-Maßnahmen-Paket für eine föderale Modernisierungsagenda beschlossen. Viele der Maßnahmen betreffen auch die Verwaltung und deren digitale Transformation. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, im Schatten unter Bäumen, im Hintergrund ein Kanal.

BMDS: Wildwuchs der Bundes-IT zügeln

[05.12.2025] Das Bundesministerium für Digitales hat mit dem Zustimmungsvorbehalt ein wirkungsvolles Instrument erhalten, um Digitalprojekte und IT-Ausgaben über Ressortgrenzen hinweg zu steuern. So soll zentral für Kompatibilität, Effizienz und Einhaltung der strategischen Richtung gesorgt werden. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens, mit verschränkten Armen im dunklen Blazer vor einer braunen Wand stehend

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[05.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...

Blick in eine Berliner Straßenflucht, im Hintergrund der Fernsehturm.

Berlin: Digitalisierungsschub für die Wirtschaftsverwaltung

[04.12.2025] Ein Jahr nach Vorstellung des Aktionskonzepts zur Verwaltungsdigitalisierung für die Berliner Wirtschaft zieht Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey eine positive Bilanz. Vieles laufe schneller als geplant, der Digitale Wirtschaftsservice DIWI wächst und erste Medienbrüche in Gewerbeverfahren werden abgebaut. mehr...

Hendrik Wüst in Segnungspose am Rednerpult.

Staatsmodernisierung: Konferenz vor der Konferenz

[03.12.2025] Mit einer „Konferenz für einen zukunftsfähigen Staat“ in Berlin wollte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst die Weichen für die bevorstehende Ministerpräsidentenkonferenz stellen, deren zentrale Themen Bürokratieabbau und Staatsmodernisierung sein werden. mehr...

Porträt Oliver Süme

eco: Zu kleiner Etat für den digitalen Aufbruch

[02.12.2025] Im November einigte sich der Haushaltsausschuss auf den BMDS-Etat für 2026. Viel Spielraum hat das Digitalministerium dennoch nicht, moniert der Internetwirtschaftsverband eco. Die Gelder fließen größtenteils in längst geplante Vorhaben, Mittel für echte Innovationen wie etwa KI liegen bei anderen Häusern. mehr...

Gruppenfoto (Innenaufnahme): Mitglieder des It-Planungsrats im November 2025

IT-Planungsrat: Wichtige Digitalvorhaben beschlossen

[27.11.2025] Der IT-Planungsrat hat bei seiner letzten Sitzung des Jahres zentrale Beschlüsse zur Verwaltungsdigitalisierung gefasst. Er konkretisiert die EUDI-Wallet-Anbindung, übernimmt den KI-Marktplatz MaKI, stärkt Open-Source-Beschaffung und verstetigt die EfA-Lenkungsgruppe. mehr...

Blick über vollbesetzten Konferenztisch mit Landeswimpeln, großer Unschärfebereich im Vordergrund, Fokus iegt auf Schleswig-Holsteins Digitalminister Dirk Schrödter

Digitalministerkonferenz: Verwaltung im Fokus

[25.11.2025] Auf der vierten Digitalministerkonferenz fassten die Digitalministerinnen und -minister der Länder zentrale Beschlüsse zur Staats- und Verwaltungsmodernisierung. Sie wollen den Deutschland-Stack vorantreiben, wollen „Digital Only“ verbindlich verankern und fordern Tempo bei der Registermodernisierung. mehr...

Registermodernisierung: NOOTS-Staatsvertrag verabschiedet

[24.11.2025] Das Gesetz zum Staatsvertrag über das Nationale Once-Only-Technical-System hat den Bundesrat passiert. Nach Angaben der Bundesregierung kommt damit die Registermodernisierung von Bund, Ländern und Kommunen voran. mehr...