Baden-WürttembergMaßnahmen zum Bürokratieabbau

[05.08.2026] Die Modernisierung des Staatswesens zählt in Baden-Württemberg zu den zentralen Vorhaben der laufenden Legislaturperiode. Nun hat die Landesregierung wichtige Strukturentscheidungen zum Bürokratieabbau getroffen und das Effizienzgesetz auf den Weg gebracht.
Gruppenbild vor Holzvertäfelung

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat zentrale Strukturen für Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau beschlossen.

V.l.: Cem Özdemir, Ministerpräsident Baden-Württemberg; Boris Palmer, Oberbürgermeister Tübingen und künftiger Unabhängiger Rat für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung; Matthias Gauger, Regierungssprecher Baden-Württemberg; Manuel Hagel, Innenminister Baden-Württemberg.

(Bildquelle: Landespressekonferenz Stuttgart)

Die baden-württembergische Landesregierung hat mehrere Strukturentscheidungen zur Staatsmodernisierung und zum Bürokratieabbau getroffen. Dazu gehören ein unabhängiger Reformrat, eine Zukunftskommission mit den Kommunen und die Fortschreibung des Masterplans für die Verwaltung. Außerdem brachte das Kabinett ein Effizienzgesetz auf den Weg, das landesrechtliche Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten neu ordnen soll.

Unabhängiger Rat berät den Ministerpräsidenten

Für zunächst zwei Jahre soll der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer als Unabhängiger Rat für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung tätig werden. Er soll staatliche Aufgaben, Standards, Verfahren und Arbeitsweisen auf Wirksamkeit, Erforderlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit prüfen. Dabei soll er auch untersuchen, wo sich neue Technologien und digitale Lösungen einsetzen lassen.
Der Rat arbeitet unabhängig und berät direkt den Ministerpräsidenten. Parallel dazu soll die Arbeit des Normenkontrollrats Baden-Württemberg Ende 2026 auslaufen. Palmer verwies auf den Umfang der Aufgabe und die Unsicherheit des Vorhabens: „Die Aufgabe ist groß und ein Scheitern möglich. Ich sehe aber die Chance, erfolgreich zu sein, weil die Zeit reif ist und der Regierungschef und sein Stellvertreter das Thema gemeinsam zum zentralen Thema erhoben haben.“

Zusammenarbeit mit Verbänden und Kommunen

Die bisherige Entlastungsallianz soll fortgeführt und neu ausgerichtet werden. Ihr gehören unter anderem Wirtschaftsverbände, kommunale Landesverbände und weitere gesellschaftliche Organisationen an. Eine neue Vereinbarung über Ziele und Arbeitsweise soll im Herbst 2026 unter Federführung des Staatsministeriums ausgearbeitet werden. Die Allianz soll Verwaltungsverfahren vereinfachen, Standards überprüfen und zusätzliche Entlastungsvorschläge entwickeln.

Daneben richtete der Ministerrat eine Zukunftskommission Baden-Württemberg ein. Unter dem Vorsitz des Innenministeriums sollen die kommunalen Landesverbände, die Regierungsfraktionen, das Finanzministerium und das Staatsministerium über Bürokratieabbau, Aufgabenreduzierung und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen beraten. Auch das Konnexitätsprinzip soll weiterentwickelt werden. Erste Vorschläge sollen in ein Jahresentlastungsgesetz einfließen. Bis Ende 2026 ist außerdem ein „Zukunftsbündnis Land-Kommunen“ vorgesehen.

Masterplan Verwaltungstransformation wird fortgeschrieben

Die Landesregierung will zudem den „Masterplan für die Transformation der Verwaltung“ fortschreiben. Dieser bildet den strategischen Rahmen für Veränderungsprojekte in Ministerien und Regierungspräsidien. Die bisher entwickelten Strukturen und Arbeitsprinzipien sollen erhalten und weiter ausgebaut werden. Dazu gehören auch geschützte Erprobungsräume, in denen Verwaltungsteams neue Arbeitsweisen, optimierte Prozesse und digitale Lösungen testen können. Erfolgreiche Ansätze sollen anschließend auf weitere Bereiche übertragen werden.

Effizienzgesetz kehrt Begründungspflicht um

Mit dem geplanten Effizienzgesetz sollen landesrechtliche Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten spätestens Ende 2027 auslaufen, sofern ihre weitere Notwendigkeit nicht ausdrücklich begründet wird. Ausgenommen bleiben unter anderem Vorgaben aus Bundes- und Europarecht sowie Pflichten, die der Gefahrenabwehr oder der Rechtssicherheit dienen. Damit kehrt das Land die bisherige Begründungslogik um: Künftig soll nicht mehr dargelegt werden müssen, warum eine Pflicht entfällt, sondern warum sie bestehen bleiben soll. „Der Staat muss nicht alles machen – aber das, was er macht, muss funktionieren“, betonte Ministerpräsident Cem Özdemir.

Die Koordinierung der Staatsmodernisierung bleibt beim Chef der Staatskanzlei. In den Ressorts sollen die Amtschefs die Umsetzung sicherstellen und sich dazu in einem gemeinsamen Ausschuss für Verwaltungsmodernisierung, Bürokratieabbau und bessere Rechtsetzung abstimmen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Das passende Vorgehensmodell zu wählen

Hessen: Land fördert Low Code für Kommunen

[17.09.2026] Der Main-Kinzig-Kreis will die Open-Source-Plattform Limbas für den Einsatz in Kommunalverwaltungen weiterentwickeln. Das Land Hessen unterstützt das Projekt OSLOCO-Hessen mit rund 1,3 Millionen Euro. Verwaltungen sollen damit eigene Anwendungen ohne spezielle Programmierkenntnisse erstellen können. mehr...

Sachsen-Anhalt: Erste Bilanz der Digitalstrategie

[16.09.2026] Sachsen-Anhalt will die Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft bis 2030 systematisch vorantreiben. Die Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ setzt dabei auf digitale Verwaltungsangebote, vernetzte Smart Regions, digitale Souveränität und nachnutzbare Lösungen. mehr...

Thüringens Digitalminister Steffen Schütz im Dialog mit Bürgern

Thüringen: Im Digital Dialog mit Bürgern

[14.09.2026] Unter dem Motto „Mitreden. Nachfragen. Mitgestalten“ fand kürzlich im Festsaal Schloßvippach der Auftakt zur Gesprächsreihe „Digital Dialog – Thüringen digital verstehen“ statt. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger spricht im Bundestag.

Bund: Eine Milliarde Euro für Verwaltungsdigitalisierung

[09.09.2026] Der Bund will die Verwaltungsdigitalisierung weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sind dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger kündigte zudem weitere Schritte beim Deutschland-Stack, bei digitalen Verwaltungsleistungen und der Deutschland-App an. mehr...

Wehende Brandenburg-Flagge mit dem Landeswappen, das einen Adler zeigt.

Brandenburg: Breiter Dialog für neue Digitalstrategie

[07.09.2026] Brandenburg bezieht Verbände, Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen in die Erarbeitung der neuen Digitalstrategie ein. Nach Online-Befragung und Verbändeanhörung folgt im September ein Kommunalworkshop. Die Strategie soll bis Ende 2026 verabschiedet und veröffentlicht werden. mehr...

Porträt Anke Pörksen

Niedersachsen: Neue Strukturen bringen Digitalisierung voran

[04.09.2026] Ein Jahr nach der Neuordnung seiner Digitalpolitik zieht Niedersachsen eine positive Bilanz: Zuständigkeiten wurden neu geordnet, Strukturen geschaffen, wichtige Fortschritte sind sichtbar. Nun sollen Verwaltungsdigitalisierung, KI und Cyber-Sicherheit weiter vorankommen. mehr...

Gruppenbild im Scdhlosspark

Digitalpolitik: Kabinettsklausur in Neuhardenberg

[31.08.2026] Bei ihrer Kabinettsklausur in Neuhardenberg beriet die Bundesregierung unter anderem über industrielle KI, digitale Souveränität und Bürokratieabbau. Mit weniger Berichtspflichten sowie schnelleren Genehmigungen und Unternehmensgründungen will sie die Wirtschaft entlasten. mehr...

Blick vom Spreeufer auf das Reichstagsgebäude.

Bundeshaushalt 2027: Digitaletat steigt auf 1,44 Milliarden Euro

[27.08.2026] Der Haushaltsentwurf 2027 sieht für das Bundesdigitalministerium höhere Ausgaben für die IT-Infrastruktur und mehr Mittel aus dem Sondervermögen vor. Schwerpunkte sind Breitbandausbau und Verwaltungsdigitalisierung. Bei Mobilfunk und Registermodernisierung wird dagegen gekürzt. mehr...

Luftaufnahme Berlin, Blick über die Museumsinsel auf den Alexanderplatz

Bitkom: Wie digital sind Berlins Parteien?

[24.08.2026] Welche Berliner Parteien passen bei digitalpolitischen Fragen zu den eigenen Positionen? Zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September gleicht der neue Bitkomat die Antworten der Nutzerinnen und Nutzer auf 20 Thesen mit den Angaben der im Parlament vertretenen Parteien ab. mehr...

Außenansicht des Rathauses in Bremen

Bremen: Leitplanken für Verwaltungs-KI

[21.08.2026] Der Bremer Senat hat jetzt eine KI-Strategie für die Verwaltung beschlossen. Sie soll den Einsatz der Technologie mit sieben Handlungsschwerpunkten und 39 Projekten verbindlich steuern, um Verfahren zu beschleunigen, Beschäftigte zu entlasten und die Datenhoheit zu sichern. mehr...

Dänemark ist ein Leuchtturm bei der Digitalisierung.

Schleswig-Holstein/Dänemark: Zwei Digitalregionen rücken zusammen

[20.08.2026] Schleswig-Holstein und Dänemark vertiefen ihren Austausch zur digitalen Verwaltung. In Flensburg diskutierten Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Technologie über erfolgreiche gemeinsame Projekte sowie Ansätze für die weitere Zusammenarbeit, etwa bei Verwaltungsdigitalisierung, Cyber-Sicherheit und Open Source. mehr...

3D-Rendering einer Lupe über einem aufgeschlagenen Buch mit einem Paragrafenzeichen.

Berlin: Start des Digitalchecks

[14.08.2026] Werden Gesetze von Anfang an digitaltauglich gestaltet, können Verfahren beschleunigt und Verwaltungskosten gesenkt werden. Für die dahingehende systematische Prüfung von Gesetzesvorhaben in ihrer Frühphase hat sich der Begriff „Digitalcheck“ etabliert. Einen solchen hat nun auch das Land Berlin beschlossen. mehr...

Porträt von Finanzminister Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Zwei Strategien für digitale Verwaltung

[10.08.2026] Mecklenburg-Vorpommern ordnet die Verwaltungsdigitalisierung mit zwei Strategien neu: Eine bündelt 43 Maßnahmen für die Landesverwaltung bis 2030. Die andere legt in zwölf Grundsätzen fest, wie Land und Kommunen digitale Vorhaben gemeinsam planen, priorisieren und umsetzen. mehr...

Balkengrafik

Brandenburg: Immer mehr Fokusdienste angebunden

[04.08.2026] Brandenburg informiert über den Roll-out der 15 von Bund und Ländern priorisierten Fokusleistungen. Fünf sind bereits vollständig umgesetzt, bei mehreren weiteren wurden in den vergangenen Monaten zusätzliche Stellen angebunden. mehr...