EU-SummitDas war der Gipfel zur europäischen Digitalen Souveränität

[20.11.2025] Der Gipfel für Europäische Digitale Souveränität brachte rund 1.000 Spitzenvertreterinnen und -vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin zusammen. Das BMDS sieht darin den Startschuss für ein wettbewerbsfähigeres und souveräneres Europa.
Blick von oben in einen abgedunkelten, großen, hohen Konferenzraum mit viel Publikum. Au der blau beleuchteten Bühne sieht man Karsten Wildberger.

„Deutschland und Frankreich wollen Motor für mehr europäische digitale Souveränität sein“, sagte Karsten Wildberger und forderte gleichzeitig mehr mutige Entscheidungen auf EU-Ebene.

(Bildquelle: BMDS/Bundesfoto Christina Czybik)

Auf Initiative Deutschlands und Frankreichs fand am 18. November 2025 der Gipfel für Europäische Digitale Souveränität in Berlin statt. Austragungsort war der Gasometer auf dem EUREF-Campus. Rund 1.000 hochrangige Gäste aus 27 EU-Mitgliedstaaten und den europäischen Institutionen waren mit dabei, aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der digitalen Community. Als Gastgeber begrüßte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger seine französische Amtskollegin Anne Le Hénanff sowie weitere 21 Digitalministerinnen und -minister aus den EU-Mitgliedsstaaten. Zu den Teilnehmenden gehörten auch Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, die EU war mit Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen hochrangig vertreten. Inhaltlich ging es um die Themen Open Source, Künstliche Intelligenz, die europäische Wallet, die Reformpläne der Kommission zum digitalen Omnibus und um europäische Cloud- und Daten-Infrastrukturen. Auf dem EUREF-Campus wurden zudem in sechs Pavillons digitale Innovationen aus Europa präsentiert. 
In ihren Keynotes forderten Wildberger und Le Hénanff mutige EU-Reformen, weniger Bürokratie und mehr Freiraum für Innovation, um Europas Potenziale bei Schlüsseltechnologien besser zu nutzen. Klare digitale Regeln sollen zugleich Unternehmen stärken und Bürgerinnen und Bürger schützen.

Sieben Maßnahmen für Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität

Im Rahmen des Gipfels wurden konkrete Maßnahmen vorgestellt, die dazu beitragen sollen, innovative europäische Lösungen und Infrastrukturen zu fördern, die aber auch technologische Abhängigkeiten verringern sowie strategische Ressourcen schützen können. Dazu haben Deutschland und Frankreich sieben vielversprechende strategische Bereiche in den Blick genommen:

  • Einfachere Regeln: Deutschland und Frankreich bekräftigen ihre Absicht, einfache, innovationsfreundliche und wettbewerbsfähige ordnungspolitische Rahmenbedingungen zu schaffen. Beide Seiten rufen dazu auf, das Inkrafttreten der Bestimmungen der Verordnung über Künstliche Intelligenz in Bezug auf Hochrisiko-KI-Systeme um zwölf Monate zu verschieben, und fordern die EU-Kommission auf, Vereinfachungen der DSGVO in den sogenannten Omnibus des Digitalpakets vom 19. November 2025
  • Fairere digitale Märkte: Faire, anfechtbare und wettbewerbsfähigere ordnungspolitische Rahmenbedingungen sind Voraussetzung für die Entwicklung eines europäischen Angebots auf den strategischen Digitalmärkten. Deutschland und Frankreich begrüßen die Entscheidung der EU-Kommission, eine Marktanalyse zur qualitativen Einschätzung von Cloud-Hyperscalern durchzuführen.
  • Datensouveränität: Die Sicherung hochsensibler Daten und die Kontrolle über digitale Technologie ist unerlässlich, um Stabilität, Wirtschaftswachstum und Innovation in Europa zu fördern. Deutschland und Frankreich rufen die Europäische Kommission auf, höchste Schutzstandards für hochsensible Daten festzulegen, einschließlich angemessener Schutzvorkehrungen gegen Cybersicherheitsrisiken, insbesondere gegen die Auswirkungen extraterritorialer Nicht-EU-Rechtsvorschriften, sowie einer verpflichtenden Nutzung von Technologien zur Erhöhung des Datenschutzes.
  • Digitale Gemeingüter: Deutschland und Frankreich unterstützen die Entwicklung digitaler Gemeingüter durch die Gründung des Konsortiums für eine europäische Digitalinfrastruktur, Digital Commons-EDIC, gemeinsam mit den Niederlanden und Italien.
  • Öffentliche IT-Infrastruktur und Open-Source-Werkzeuge für die öffentliche Verwaltung: Deutschland und Frankreich unterstützen nachdrücklich die Entwicklung der EU-Brieftasche (EUDI-Wallet) für die Digitale Identität – diese stelle einen Grundpfeiler der digitalen Souveränität Europas dar, so das BMDS in seiner Zusammenfassung der sieben Kernpunkte. Darüber hinaus setzen sich Deutschland und Frankreich für eine breitere Nutzung von Open-Source-Werkzeugen in ihren Verwaltungen ein. Dabei soll auch auf dem Erfolg der gemeinsam entwickelten LaSuite/OpenDesk-Produkte aufgebaut werden.
  • Taskforce für die digitale Souveränität: Deutschland und Frankreich wollen eine gemeinsame Taskforce für die digitale Souveränität Europas aufstellen. Diese soll sich, so das BMDS, der Entwicklung einer gemeinsamen Definition für einen europäischen digitalen Dienst widmen. Ferner soll sie für zentrale Sektoren wie Clouddienste, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit Souveränitätsindikatoren ausarbeiten. Ziel ist die Erarbeitung konkreter Maßnahmen, um die Definition durch einschlägige europäische Politikinstrumente zu unterstützen. Die Ergebnisse sollen beim Deutsch-Französischen Ministerrat 2026 vorgestellt werden.
  • Speerspitzen-KI: Deutschland und Frankreich möchten bahnbrechende Innovationen bei der sogenannten europäischen Speerspitzen-KI fördern, um ein weltweit führendes Umfeld für die öffentlich-private Entwicklung von KI in Europa zu schaffen.

Gebündelte Kräfte, konkrete Aktionen

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) sieht den Gipfel als Startschuss, um die Kräfte Europas zu bündeln und gemeinsam konkrete Schritte zur Verringerung von Abhängigkeiten, zur Steigerung von Resilienz und zur Förderung von Innovationen voranzutreiben. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron bekräftigten zum Abschluss des Gipfels die Bedeutung digitaler Souveränität für Europa. Digitale Souveränität bedeute für Europa, Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette nach eigenen Interessen zu gestalten, sagte der Bundeskanzler. Dafür müssten Staaten ihre Rechtsrahmen sowie Beschaffungs- und Investitionsverfahren enger abstimmen. Er verwies auf über 12 Milliarden Euro zugesagte Investitionen in Schlüsseltechnologien als starkes Signal. Staatspräsident Macron unterstrich Europas Anspruch auf eine digitale Führungsrolle. Der Gipfel sei ein greifbarer Fortschritt und zeige, dass grenzübergreifende Kooperation ein strategischer Imperativ sei. Private und öffentliche Akteure müssten nun schneller gemeinsam handeln, um europäische Technologien zu entwickeln und konsequent zu nutzen.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Thüringen: Neue Digitalstrategie beschlossen

[19.12.2025] Das Thüringer Kabinett hat eine neue Digitalstrategie beschlossen, welche die Verwaltungsdigitalisierung bündeln und beschleunigen soll. Kernpunkte sind eine zentrale Steuerung, einheitliche IT-Standards und ab 2026 eine App, über die Behördenleistungen per Smartphone zugänglich werden sollen. mehr...

IT-Planungsrat: 2025 war ein Jahr der Meilensteine

[19.12.2025] Mecklenburg-Vorpommern hatte in diesem Jahr den Vorsitz im IT-Planungsrat inne und nun eine positive Bilanz gezogen. 2025 sei ein Meilenstein-Jahr auf dem Weg zur digitalen Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Unternehmen gewesen. mehr...

Die rheinland-pfälzische Digitalministerin Dörte Schall.

Rheinland-Pfalz: Digitalprogramm 2026/2027 beschlossen

[18.12.2025] Das Landeskabinett Rheinland-Pfalz hat die Fortschreibung der Digitalstrategie von 2023 beschlossen. Deren Inhalte wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet. mehr...

NKR: Modernisierungsagenda bleibt zu vorsichtig

[10.12.2025] Die föderale Modernisierungsagenda ist beschlossen. Der NKR sieht darin wichtige Impulse für leistungsfähigere Verwaltungen, kritisiert jedoch vertagte Reformhebel und fordert eine konsequente Umsetzung mit starker Einbindung der Kommunen. mehr...

Ministerpräsidentenkonferenz: Eine schnellere, digitalere Verwaltung

[08.12.2025] Auf der Konferenz der 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten wurde ein 200-Maßnahmen-Paket für eine föderale Modernisierungsagenda beschlossen. Viele der Maßnahmen betreffen auch die Verwaltung und deren digitale Transformation. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, im Schatten unter Bäumen, im Hintergrund ein Kanal.

BMDS: Wildwuchs der Bundes-IT zügeln

[05.12.2025] Das Bundesministerium für Digitales hat mit dem Zustimmungsvorbehalt ein wirkungsvolles Instrument erhalten, um Digitalprojekte und IT-Ausgaben über Ressortgrenzen hinweg zu steuern. So soll zentral für Kompatibilität, Effizienz und Einhaltung der strategischen Richtung gesorgt werden. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens, mit verschränkten Armen im dunklen Blazer vor einer braunen Wand stehend

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[05.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...

Blick in eine Berliner Straßenflucht, im Hintergrund der Fernsehturm.

Berlin: Digitalisierungsschub für die Wirtschaftsverwaltung

[04.12.2025] Ein Jahr nach Vorstellung des Aktionskonzepts zur Verwaltungsdigitalisierung für die Berliner Wirtschaft zieht Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey eine positive Bilanz. Vieles laufe schneller als geplant, der Digitale Wirtschaftsservice DIWI wächst und erste Medienbrüche in Gewerbeverfahren werden abgebaut. mehr...

Hendrik Wüst in Segnungspose am Rednerpult.

Staatsmodernisierung: Konferenz vor der Konferenz

[03.12.2025] Mit einer „Konferenz für einen zukunftsfähigen Staat“ in Berlin wollte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst die Weichen für die bevorstehende Ministerpräsidentenkonferenz stellen, deren zentrale Themen Bürokratieabbau und Staatsmodernisierung sein werden. mehr...

Porträt Oliver Süme

eco: Zu kleiner Etat für den digitalen Aufbruch

[02.12.2025] Im November einigte sich der Haushaltsausschuss auf den BMDS-Etat für 2026. Viel Spielraum hat das Digitalministerium dennoch nicht, moniert der Internetwirtschaftsverband eco. Die Gelder fließen größtenteils in längst geplante Vorhaben, Mittel für echte Innovationen wie etwa KI liegen bei anderen Häusern. mehr...

Gruppenfoto (Innenaufnahme): Mitglieder des It-Planungsrats im November 2025

IT-Planungsrat: Wichtige Digitalvorhaben beschlossen

[27.11.2025] Der IT-Planungsrat hat bei seiner letzten Sitzung des Jahres zentrale Beschlüsse zur Verwaltungsdigitalisierung gefasst. Er konkretisiert die EUDI-Wallet-Anbindung, übernimmt den KI-Marktplatz MaKI, stärkt Open-Source-Beschaffung und verstetigt die EfA-Lenkungsgruppe. mehr...

Bis zum Jahr 2030 soll es in Deutschland Glasfaser flächendeckend bis ins Haus geben.

Föderale Modernisierungsagenda: Jetzt muss gehandelt werden

[25.11.2025] Der Nationale Normenkontrollrat mahnt die in der Föderalen Modernisierungsagenda vorgesehene bessere Aufgabenbündelung mit Nachdruck an. Die Ministerien müssten dieses Projekt konsequent weiterverfolgen, um Effizienz und Entlastung der Kommunen zu sichern. mehr...

Blick über vollbesetzten Konferenztisch mit Landeswimpeln, großer Unschärfebereich im Vordergrund, Fokus iegt auf Schleswig-Holsteins Digitalminister Dirk Schrödter

Digitalministerkonferenz: Verwaltung im Fokus

[25.11.2025] Auf der vierten Digitalministerkonferenz fassten die Digitalministerinnen und -minister der Länder zentrale Beschlüsse zur Staats- und Verwaltungsmodernisierung. Sie wollen den Deutschland-Stack vorantreiben, wollen „Digital Only“ verbindlich verankern und fordern Tempo bei der Registermodernisierung. mehr...

Registermodernisierung: NOOTS-Staatsvertrag verabschiedet

[24.11.2025] Das Gesetz zum Staatsvertrag über das Nationale Once-Only-Technical-System hat den Bundesrat passiert. Nach Angaben der Bundesregierung kommt damit die Registermodernisierung von Bund, Ländern und Kommunen voran. mehr...