Fraunhofer FOKUS/ÖFITLeitlinien für KI im Staat

KI‑Anwendungen treffen auf staatliche Strukturen – über ihren Erfolg entscheiden Governance und institutionelle Rahmenbedingungen.
(Bildquelle: Philipp Plum / Fraunhofer FOKUS)
Ein internationaler Policy Brief zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung ist jetzt in deutscher Fassung verfügbar. Wie das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS mitteilt, steht hinter dem Papier ein Autorenteam aus mehreren Forschungseinrichtungen und Hochschulen, darunter die Université de Montréal, die University of Cambridge und das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer FOKUS. Der Bericht mit dem Titel „Mit KI regieren – Aufbau einer transformativen und resilienten öffentlichen Verwaltung“ bündelt Erkenntnisse aus internationalen Studien, Regierungsberichten und Praxisbeispielen.
KI ist nicht die Abkürzung zur modernen Verwaltung
Im Zentrum steht dabei nicht die Technik, sondern die Frage, unter welchen organisatorischen und institutionellen Bedingungen KI in der Verwaltung sinnvoll eingesetzt werden kann. Der Policy Brief warnt davor, in Künstlicher Intelligenz eine Abkürzung zur Verwaltungsmodernisierung zu sehen. Ohne institutionelle Reformen, klare Governance und ausreichende Kompetenzen könne KI bestehende Probleme eher verschärfen als lösen. Zugleich verweisen die Autorinnen und Autoren darauf, dass KI in vielen Staaten längst Teil der Verwaltungspraxis ist: Rund 70 Prozent der Länder setzen sie dem Papier zufolge zur Verbesserung interner staatlicher Prozesse ein, etwa ein Drittel auch zur Unterstützung von Politikgestaltung und -umsetzung. Studien zeigten allerdings auch, dass rund 80 Prozent der KI-Projekte scheitern.
Governance statt Technikgläubigkeit
Die Autorinnen und Autoren sehen den Erfolg von KI im öffentlichen Sektor vor allem als Governance-Frage. Entscheidend seien institutionelle Kapazitäten, Rechenschaftsmechanismen, das Kräfteverhältnis gegenüber Anbietern und eine belastbare Resilienzplanung. Empfohlen wird deshalb ein problemorientierter Ansatz: Öffentliche Leistungen sollten zuerst an konkreten Nutzerbedürfnissen und administrativen Problemen neu ausgerichtet werden, bevor Prozesse automatisiert oder KI-Systeme eingeführt werden. Flankierend sprechen sich die Verfasser für Schulungen und crossfunktionale KI-Support-Teams aus, die Behörden über den gesamten Lebenszyklus entsprechender Anwendungen begleiten.
Vier Ansatzpunkte für den Staat
Der Policy Brief benennt vier eng verbundene Handlungsansätze. Erstens sollen Leistungen der Verwaltung vor jeder Automatisierung konsequent entlang realer Bedarfe und Probleme neu gestaltet werden. Zweitens empfiehlt das Papier gezielte Weiterbildung und den Aufbau crossfunktionaler Support-Teams, um technologische, rechtliche und organisatorische Kompetenzen dauerhaft in der Verwaltung zu verankern. Drittens richtet sich der Blick auf Machtasymmetrien gegenüber großen Technologieanbietern. Mehr Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und kooperative Beschaffungsmodelle könnten helfen, Transparenz, Audit-Rechte und Datenportabilität besser durchzusetzen und langfristige Abhängigkeiten zu verringern. Viertens schlagen die Autorinnen und Autoren einen „Trust Stack“ für den öffentlichen Sektor vor, also Transparenz über den KI-Einsatz, Anfechtungs- und Korrekturmechanismen, klare Verantwortlichkeiten, unabhängige Aufsicht sowie Vorsorge für Störungen und Ausfälle.
Fraunhofer FOKUS hebt außerdem hervor, dass sich digitale Souveränität und Vertrauen dem Bericht zufolge nicht allein technisch herstellen ließen. Erforderlich sei vielmehr, KI strategisch und organisatorisch im Staat zu verankern.
AISI Deutschland: Wohin zieht das KI-Sicherheitsinstitut?
[07.09.2026] Der Startschuss für das KI-Sicherheitsinstitut AISI Deutschland ist gefallen. Zum Auftakt stützt sich AISI Deutschland auf BSI und Bundesnetzagentur. Wie und wo das tatsächliche Institut später ausgebaut wird, ist offen. Bayern und das Saarland werben bereits für München und Saarbrücken. mehr...
BMI/BMDS: AISI Deutschland gegründet
[02.09.2026] BMDS und BMI richten ein gemeinsames KI-Sicherheitsinstitut ein. Zunächst sollen BSI und Bundesnetzagentur fortschrittliche KI-Modelle auf Fähigkeiten und Risiken untersuchen, später soll das Institut ausgebaut und international vernetzt werden. mehr...
Hessen: Leitplanken für den KI-Einsatz
[02.09.2026] KI soll in Hessens Landesverwaltung Arbeit abnehmen, Entscheidungen aber nicht übernehmen. Die neue KI-Strategie beschreibt, wie das Land Beschäftigte schulen, Werkzeuge bereitstellen und Zuständigkeiten regeln will. Die technische Basis soll eine Multi-Cloud-Strategie liefern. mehr...
Bundesrat: KI-Nutzung bei Bauleitplänen
[01.09.2026] Die Bauleitplanung bereitet die bauliche Nutzung von Grundstücken einer Gemeinde vor – eine komplexe Aufgabe, die unterschiedlichste Aspekte berücksichtigen muss. KI könnte wesentlich unterstützen, meint der Bundesrat, der deshalb fordert, KI auch bei der Begründung und dem Umweltbericht von Bauleitplänen einsetzen zu können. Die Bundesregierung lehnte dies ab. mehr...
BMDS: Abschlussbericht zum Agentic AI Hub
[25.08.2026] Der Agentic AI Hub hat in 19 Kommunen den Einsatz agentischer KI in 20 Pilotprojekten erprobt. Der Abschlussbericht zeigt deutliche Zeitersparnisse und soll nun den Weg für die Skalierung erfolgreicher Anwendungen ebnen. mehr...
EU AI Act: Stellungnahme von Aristech
[13.08.2026] Mit Artikel 50 des EU AI Acts gilt seit dem 2. August 2026 eine Transparenzpflicht für den Einsatz von KI-Systemen. Aristech-Geschäftsführerin Carolin Edler-Mende sieht bei Voice AI jedoch größere Herausforderungen bei Verantwortung, Risikobewertung und AI Literacy. mehr...
KI-Gesetz: Neue Rolle für Bundesnetzagentur
[07.08.2026] Seit Ende Juli koordiniert die Bundesnetzagentur die Umsetzung der europäischen KI-Verordnung in Deutschland. Sie überwacht unter anderem bestimmte Anwendungen im Personalmanagement, in Kritischen Infrastrukturen sowie im Bildungswesen und nimmt zudem Beschwerden entgegen. mehr...
Nordrhein-Westfalen: KI-Chatbot für die Finanzverwaltung
[05.08.2026] Nordrhein-Westfalens Finanzverwaltung erprobt mit FinAssist.NRW eine selbst entwickelte KI-Lösung im Ministerium und in drei Finanzämtern. Die Anwendung läuft im eigenen Rechenzentrum und kann deshalb auch für sensible interne und steuerliche Daten eingesetzt werden. mehr...
KI: LLMoin auf MDD verfügbar
[29.07.2026] LLMoin ist ab sofort auf dem Marktplatz Deutschland Digital (MDD) verfügbar. Somit können Bund, Länder und Kommunen den KI-Textassistenten ohne eigene Ausschreibungen beziehen. mehr...
Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität
[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...
Berlin: KI-Strategie für Finanzämter
[17.07.2026] Berlin will KI schrittweise in die Steuerverwaltung integrieren. Pilotprojekte sollen zeigen, wie sich Anträge schneller bearbeiten, Beschäftigte entlasten und der Service verbessern lassen. Schulungen und feste Ansprechpersonen begleiten die Einführung. mehr...
Bundesdruckerei: KI-Modellvergleich für die öffentliche Verwaltung
[15.07.2026] Die Bundesdruckerei veröffentlicht das fortlaufende Forschungsprojekt MÖVE. Auf einer interaktiven Website können Behörden KI-Sprachmodelle systematisch vergleichen. Der Bewertungsrahmen ist speziell auf den Public Sector abgestellt und prüft hinsichtlich Leistung, Sicherheit und Einhaltung europäischer Vorgaben. mehr...
Deutschland/Großbritannien: Zusammenarbeit für KI-Sicherheit
[10.07.2026] Mit immer leistungsfähigeren KI-Modellen entstehen neue Sicherheitsrisiken. Deutschland und Großbritannien wollen deshalb ihre Zusammenarbeit in der KI-Sicherheit ausbauen – auch über das britische AISI und das geplante deutsche KI-Sicherheitsinstitut. mehr...
Nordrhein-Westfalen: KI für eine starke Landwirtschaft
[10.07.2026] Zunehmend smart werden nicht nur Städte und Regionen, sondern auch die Landwirtschaft. Das Land Nordrhein-Westfalen erprobt Lösungen, die durch digitale Klimadatennetzwerke zum Schutz vor extremen Wetterereignissen beitragen und einen nachhaltigen Pflanzenbau auch in Zukunft ermöglichen sollen. mehr...
Land Salzburg: KI beschleunigt Förderprüfung
[03.07.2026] Das Land Salzburg hat ein KI-System zur Vorprüfung von Förderanträgen für klimafreundliche Heizungen eingeführt. Die Lösung gleicht Rechnungsdaten und Leistungsinhalte bereits beim Hochladen ab und soll Fördermittel schneller zur Auszahlung bringen. mehr...














