Deutsch-französische KooperationVive la souveraineté !

[19.06.2026] Deutschland und Frankreich haben erstmals eine gemeinsame Definition für digitale Souveränität vorgestellt. Das Papier soll Europas technologische Abhängigkeiten verringern und künftige EU-Regeln zu KI, Cloud und Kritischen Infrastrukturen prägen.

Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger haben zum Start der VivaTech in Paris eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität veröffentlicht.

(Bildquelle: Jens Oellermann)

Deutschland und Frankreich haben zum Start der VivaTech 2026 in Paris eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität veröffentlicht. Wie das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) mitteilt, wollen beide Länder damit eine gemeinsame Grundlage für die europäische Technologiepolitik schaffen und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduzieren.

Die Definition basiert auf sechs Dimensionen, die durch konkrete Kriterien beschrieben werden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die rechtliche Durchsetzbarkeit europäischer Regeln, der Schutz sensibler Daten sowie die Widerstandsfähigkeit Kritischer Infrastrukturen.

Gemeinsame Handlungsfelder

Daraus leiten die beiden Staaten mehrere Handlungsfelder ab. Dazu gehören die stärkere Nutzung digitaler Produkte von Anbietern aus der EU oder aus vertrauenswürdigen Partnerstaaten, der konsequente Einsatz von Open-Source-Lösungen und modularen Architekturen sowie der Ausbau eigener Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Ziel ist es, Lock-in-Effekte zu vermeiden und Europas technologische Handlungsfähigkeit zu stärken.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bezeichnete den Abbau technologischer Abhängigkeiten als „geopolitisches Gebot der Stunde“. Europa müsse seine Kräfte bündeln, heimische Start-ups stärken und global wettbewerbsfähige Unternehmen aufbauen. Die gemeinsame Definition solle nun von möglichst vielen EU-Mitgliedstaaten übernommen und in künftigen Rechtsakten verankert werden.

Auch Frankreich sieht die Initiative als Baustein einer europäischen Digitalstrategie. Digitalministerin Anne Le Hénanff verwies auf die seit dem Berliner Souveränitätsgipfel im November 2025 geführten Gespräche und auf erste Anwendungsfälle aus der Partnerschaft von SAP und Mistral AI (wir berichteten). Diese zeigten, dass souveräne europäische KI-Lösungen die Anforderungen von Verwaltungen und Unternehmen erfüllen könnten.

Deutsch-französische Taskforce

Die gemeinsame Definition richtet sich vor allem an die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten. Sie soll zudem in die Arbeiten am kürzlich vorgestellten „EU Tech Sovereignty Package“ einfließen. Erarbeitet wurde sie von einer deutsch-französischen Taskforce mit Vertretern des BMDS, des Bundeskanzleramts und der französischen Wirtschaftsbehörde Direction Générale des Entreprises.

Parallel dazu kündigten beide Länder die Neuauflage des Deutsch-Französischen Zukunftswerks an. Die Plattform soll Unternehmen, Verbände und weitere Akteure beider Länder zusammenbringen, um industriepolitische Strategien abzustimmen und Europas technologische Resilienz zu stärken. Zu den ersten Vorhaben zählen ein gemeinsamer Katalog souveräner digitaler Lösungen sowie ein Bewertungsrahmen für kritische digitale Abhängigkeiten Europas.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Digitale Souveränität

Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität

[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...

Nahaufnahme weibliche Hände an einer Tastatur

openDesk: Weiterarbeiten in der Krise

[24.07.2026] Ein groß angelegtes Pilotprojekt mit mehreren Sozialversicherungsträgern hat openDesk als Notfallarbeitsplatz unter Realbedingungen getestet. Die vom ZenDiS gesteuerte Erprobung verlief erfolgreich. Der Einsatz von openDesk als souveränem Notfallarbeitsplatz soll weiter skaliert werden. mehr...

Montage: Junger Mann im Karohemd schreibt mit einem Marker auf eine imaginäre Glaswand die Worte "open source"

Bundestag/OSBA: Behörden dürfen Open Source ausschreiben

[20.07.2026] Der Einsatz quelloffener Software gilt als ein wichtiger Baustein, um einzelne Behörden und den Staat als Ganzes digital souveräner aufzustellen. Bei der Vergabe gibt es aber noch viele Unsicherheiten. Ein Gutachten des Bundestags räumt viele davon aus. Die OSBA berichtet. mehr...

Low-Code-Plattformen erlauben die schnelle Programmierung von Lösungen.

Schleswig-Holstein: Fachverfahren per Low Code

[09.07.2026] Schleswig-Holstein will in seiner Landesverwaltung mehr als 100 Fachverfahren ersetzen, die bislang auf Microsoft Access basieren. Für neue webbasierte Anwendungen kommt eine Low-Code-Plattform von mgm zum Einsatz. Andere Verwaltungen sollen die entwickelten Lösungen nachnutzen können. mehr...

Aus Angst vor Datendiebstahl meidet die Mehrheit der Bürger den Online-Behördengang.
bericht

EU/USA: Wackeliger Datenschutzrahmen

[08.07.2026] Eine Entscheidung des US Supreme Court bringt die rechtliche Grundlage transatlantischer Datentransfers ins Wanken: Die Handelsbehörde FTC, die unter anderem kontrollieren soll, ob US-Hyperscaler wichtige Datenschutzgrundsätze einhalten, ist nicht länger neutral. Bayerns Digitalminister Mehring fordert daraus Konsequenzen für Europas digitale Souveränität. mehr...

Ein heller Raum, von hinten aufgenommen über Köpfe und Schultern des Publikums hinweg, vorne Rednerpult, Projektionswand und Dirk Schrödter als Redner

Schleswig-Holstein: Europa braucht Open Source

[07.07.2026] Schleswig-Holstein hat mit „OSPOs for Europe“ ein europäisches Austauschformat zu Open Source angestoßen. Beim zweiten Treffen in Brüssel betonte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, dass digitale Souveränität nicht im Alleingang entsteht, sondern durch gemeinsame Standards und Technologien sowie geteilte Expertise. mehr...

Mecklenburg-Vorpommerns Digitalisierungsminister Heiko Geue (l.) und Landes-CIO Marco Anschütz

Mecklenburg-Vorpommern: Tschüs, Sharepoint – Hallo, Nextcloud

[07.07.2026] Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat für die Kollaborationssoftware seiner Verwaltung den Umstieg auf die quelloffene Lösung Nextcloud begonnen. Die ersten 5.000 Verwaltungsbeschäftigten nutzen die Lösung zum Filesharing. Perspektivisch sollen bis zu 50.000 ÖD-Beschäftigte mit Nextcloud arbeiten. mehr...

Delos Cloud: Sopra Steria wird Partner

[08.06.2026] Sopra Steria unterstützt Behörden und öffentliche IT-Dienstleister bei der Migration in eine souveräne Cloud-Umgebung. Dazu wurde nun eine strategische Partnerschaft mit Delos Cloud vereinbart. mehr...

Das Bild zeigt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring.

Bayern: Souveräner Verwaltungsarbeitsplatz – und zwar schnell

[05.06.2026] Bayerns Digitalministerium macht Tempo beim digital souveränen Arbeitsplatz. Beschäftigte sollen in den kommenden Monaten verschiedene Lösungen im laufenden Betrieb testen. 2027 soll dann bereits ein Fünftel des Hauses mit der dabei gefundenen Arbeitsplatzlösung arbeiten. mehr...

Peter H. Ganten – CEO Univention und Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance

OSBA: „Souveränitätswashing“ vermeiden

[03.06.2026] Die Open Source Business Alliance unterstützt den ZenDiS-Vorstoß für einen Souveränitätscheck, sieht aber Nachbesserungsbedarf. Digitale Souveränität dürfe nicht auf Standortfragen oder Exit-Strategien verengt werden, sondern müsse den Abbau bestehender Abhängigkeiten messen. mehr...

BSI: Klare Souveränitätskriterien für Cloud-Dienste

[29.04.2026] Das BSI hat einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Souveränität von Cloud-Diensten vorgelegt. Das C3A-Framework soll Cloud-Kunden wie auch -Anbietern Orientierung geben und eine selbstbestimmte Nutzung erleichtern. Auch Audits für Cloud-Anbieter sind geplant. mehr...

Plastikbausteine mit Noppen in den Deutschland-Farben, vor blauem Hintergrund

OSBA/Deutschland-Stack: Transparente Standards für Cloud-Dienste

[13.04.2026] Die Open Source Business Alliance bewertet die Integration des Sovereign Cloud Stack in den Deutschland-Stack als wichtigen Schritt für offene Cloud-Standards. Der IT-Planungsrat verankert damit erstmals Open-Source-basierte Referenzarchitekturen für Cloud- und Managed Services in der Verwaltung. mehr...

Beine und Torso eines Mannes mmit hellblauem Business-Hemd, der liegend auf einem Laptop tippt.

Bitkom: Wunsch nach digitaler Unabhängigkeit ist da

[13.04.2026] Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Gleichzeitig werden europäische Anwendungen und Technologien nur in wenigen Bereichen genutzt. Der Bitkom fordert daher bessere Rahmenbedingungen für Innovation. mehr...

Eine Festplatte auf einer Laptoptastatur mit einer Reflexion des Programmcodes, der auf dem Bildschirm zu sehen ist.

OSBA: Cyber Resilience Act und Open Source

[09.04.2026] Open Source ist Grundlage der meisten Softwareprodukte und daher zentral für die IT-Sicherheit. Dies muss auch in der Umsetzung des Cyber Resilience Act berücksichtigt werden, fordert die OSBA. Open Source braucht eine passende Regulierung mit Unterstützung der Wirtschaft und klaren Verfahren. mehr...