Deutsch-französische KooperationVive la souveraineté !

Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger haben zum Start der VivaTech in Paris eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität veröffentlicht.
(Bildquelle: Jens Oellermann)
Deutschland und Frankreich haben zum Start der VivaTech 2026 in Paris eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität veröffentlicht. Wie das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) mitteilt, wollen beide Länder damit eine gemeinsame Grundlage für die europäische Technologiepolitik schaffen und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduzieren.
Die Definition basiert auf sechs Dimensionen, die durch konkrete Kriterien beschrieben werden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die rechtliche Durchsetzbarkeit europäischer Regeln, der Schutz sensibler Daten sowie die Widerstandsfähigkeit Kritischer Infrastrukturen.
Gemeinsame Handlungsfelder
Daraus leiten die beiden Staaten mehrere Handlungsfelder ab. Dazu gehören die stärkere Nutzung digitaler Produkte von Anbietern aus der EU oder aus vertrauenswürdigen Partnerstaaten, der konsequente Einsatz von Open-Source-Lösungen und modularen Architekturen sowie der Ausbau eigener Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Ziel ist es, Lock-in-Effekte zu vermeiden und Europas technologische Handlungsfähigkeit zu stärken.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bezeichnete den Abbau technologischer Abhängigkeiten als „geopolitisches Gebot der Stunde“. Europa müsse seine Kräfte bündeln, heimische Start-ups stärken und global wettbewerbsfähige Unternehmen aufbauen. Die gemeinsame Definition solle nun von möglichst vielen EU-Mitgliedstaaten übernommen und in künftigen Rechtsakten verankert werden.
Auch Frankreich sieht die Initiative als Baustein einer europäischen Digitalstrategie. Digitalministerin Anne Le Hénanff verwies auf die seit dem Berliner Souveränitätsgipfel im November 2025 geführten Gespräche und auf erste Anwendungsfälle aus der Partnerschaft von SAP und Mistral AI (wir berichteten). Diese zeigten, dass souveräne europäische KI-Lösungen die Anforderungen von Verwaltungen und Unternehmen erfüllen könnten.
Deutsch-französische Taskforce
Die gemeinsame Definition richtet sich vor allem an die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten. Sie soll zudem in die Arbeiten am kürzlich vorgestellten „EU Tech Sovereignty Package“ einfließen. Erarbeitet wurde sie von einer deutsch-französischen Taskforce mit Vertretern des BMDS, des Bundeskanzleramts und der französischen Wirtschaftsbehörde Direction Générale des Entreprises.
Parallel dazu kündigten beide Länder die Neuauflage des Deutsch-Französischen Zukunftswerks an. Die Plattform soll Unternehmen, Verbände und weitere Akteure beider Länder zusammenbringen, um industriepolitische Strategien abzustimmen und Europas technologische Resilienz zu stärken. Zu den ersten Vorhaben zählen ein gemeinsamer Katalog souveräner digitaler Lösungen sowie ein Bewertungsrahmen für kritische digitale Abhängigkeiten Europas.
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