Schleswig-HolsteinFachverfahren per Low Code

Fachverfahren sind unverzichtbarer Bestandteil moderner Verwaltungsarbeit. In Schleswig-Holstein sollen sie nun per Low-Code-Lösung entstehen.
(Bildquelle: Bildquelle: 123RF.com/Murrstock)
Die Landesverwaltung Schleswig-Holstein will mehr als 100 Fachverfahren ablösen, die bislang auf der Datenbanksoftware Microsoft Access basieren. Ein relevanter Teil soll laut Staatskanzlei schon 2026 ersetzt werden. Dafür nutzt das Land die A12 AI Low-Code-Plattform des Software-Unternehmens mgm technology partners. Mit ihr sollen moderne webbasierte Verwaltungsanwendungen entstehen, die perspektivisch auch anderen Verwaltungen zur Nachnutzung bereitgestellt werden können. Die A12-Enterprise-Plattform wird bereits seit mehreren Jahren in Anwendungen der öffentlichen Verwaltung eingesetzt, unter anderem beim Steuerportal ELSTER.
Die Umstellung ergänzt den Aufbau eines digital souveränen IT-Arbeitsplatzes für die Landesverwaltung (wir berichteten): Nach dem Abschied von Microsoft Office und Outlook nimmt Schleswig-Holstein nun auch individuelle Fachverfahren in den Blick. Solche Anwendungen bilden komplexe Verwaltungsprozesse ab, beruhen aber häufig auf proprietären oder veralteten Technologien. Mit modellbasierter Softwareentwicklung auf Low-Code-Basis sollen neue Verfahren schneller entwickelt und besser an aktuelle Anforderungen angepasst werden können.
Digitale Eigenständigkeit stärken
Die Plattform A12 verbindet laut Staatskanzlei Low-Code-Modellierung mit einem iterativen Vorgehen. Damit soll die Landesverwaltung Softwarelösungen mit externer Unterstützung, aber auch eigenständig bereitstellen können. Beschäftigte der Landesressorts und nachgeordneten Behörden sollen geschult werden, Anwendungen ohne Programmierkenntnisse als sogenannte Citizen Developer umzusetzen.
Mit der Bereitstellung der Entwicklungsplattform A12 werde eine weitere Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Digitalisierung der Verwaltung in Schleswig-Holstein geschaffen, sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. „Wir setzen bewusst auf digitale Souveränität durch Open-Source-Lösungen und auf bundesweite Nachnutzbarkeit dieser Lösungen sowie auf Transparenz. Unser Ziel ist eine nachhaltige, sichere und unabhängige IT-Infrastruktur in der Landesverwaltung, die Innovationen fördert und die digitale Eigenständigkeit des öffentlichen Sektors stärkt. Basis ist eine kooperative Zusammenarbeit mit unseren Partnern.“
Nachnutzung möglich
Die Eigenentwicklungsfähigkeit soll dauerhaft im landesweiten Low-Code-Kompetenzcenter verankert werden, das im Zentralen IT-Management der Staatskanzlei angesiedelt ist. Der Betrieb der A12-Plattform erfolgt in Rechenzentren des IT-Dienstleisters Dataport. Auf dieser Grundlage können weitere Dataport-Trägerländer entwickelte Verfahren nachnutzen.
Schleswig-Holstein war nach eigenen Angaben auch an der Open-Source-Öffnung der A12-Plattform beteiligt. Nach Abstimmungen mit Verwaltungspartnern und dem Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) stellte mgm im Mai 2026 zentrale Bestandteile von A12 unter der European Public License 1.2 auf openCode und GitHub bereit. Die offene Lizenz soll Rechtssicherheit innerhalb der Europäischen Union schaffen und die Weiterentwicklung durch Dritte erleichtern. Angestrebt wird auch eine Integration von A12 in den Deutschland-Stack – damit soll perspektivisch eine einheitliche Grundlage für die Digitalisierung von Fachverfahren in Deutschland entstehen.
Schleswig-Holstein: Telefonie wird Open Source
[12.08.2026] Schleswig-Holstein erneuert die Telefonie der Landesverwaltung: Die Open-Source-Plattform OSKAR soll die heterogene Infrastruktur modernisieren und das bisher genutzte proprietäre System ersetzen. Den Auftrag erhielt das Flensburger Software-Unternehmen Viakom. mehr...
Impulspapier: Digitale Souveränität in Deutschland und Europa
[10.08.2026] Bundesbank-Vorständin Fritzi Köhler-Geib, BSI-Präsidentin Claudia Plattner und Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus haben ein Impulspapier zur digitalen Souveränität vorgelegt. Zu den Kernpunkten zählen die Bündelung europäischer Kompetenzen bei Schlüsseltechnologien und der Abbau regulatorischer Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. mehr...
Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität
[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...
openDesk: Weiterarbeiten in der Krise
[24.07.2026] Ein groß angelegtes Pilotprojekt mit mehreren Sozialversicherungsträgern hat openDesk als Notfallarbeitsplatz unter Realbedingungen getestet. Die vom ZenDiS gesteuerte Erprobung verlief erfolgreich. Der Einsatz von openDesk als souveränem Notfallarbeitsplatz soll weiter skaliert werden. mehr...
Bundestag/OSBA: Behörden dürfen Open Source ausschreiben
[20.07.2026] Der Einsatz quelloffener Software gilt als ein wichtiger Baustein, um einzelne Behörden und den Staat als Ganzes digital souveräner aufzustellen. Bei der Vergabe gibt es aber noch viele Unsicherheiten. Ein Gutachten des Bundestags räumt viele davon aus. Die OSBA berichtet. mehr...
EU/USA: Wackeliger Datenschutzrahmen
[08.07.2026] Eine Entscheidung des US Supreme Court bringt die rechtliche Grundlage transatlantischer Datentransfers ins Wanken: Die Handelsbehörde FTC, die unter anderem kontrollieren soll, ob US-Hyperscaler wichtige Datenschutzgrundsätze einhalten, ist nicht länger neutral. Bayerns Digitalminister Mehring fordert daraus Konsequenzen für Europas digitale Souveränität. mehr...
Schleswig-Holstein: Europa braucht Open Source
[07.07.2026] Schleswig-Holstein hat mit „OSPOs for Europe“ ein europäisches Austauschformat zu Open Source angestoßen. Beim zweiten Treffen in Brüssel betonte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, dass digitale Souveränität nicht im Alleingang entsteht, sondern durch gemeinsame Standards und Technologien sowie geteilte Expertise. mehr...
Mecklenburg-Vorpommern: Tschüs, Sharepoint – Hallo, Nextcloud
[07.07.2026] Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat für die Kollaborationssoftware seiner Verwaltung den Umstieg auf die quelloffene Lösung Nextcloud begonnen. Die ersten 5.000 Verwaltungsbeschäftigten nutzen die Lösung zum Filesharing. Perspektivisch sollen bis zu 50.000 ÖD-Beschäftigte mit Nextcloud arbeiten. mehr...
Deutsch-französische Kooperation: Vive la souveraineté !
[19.06.2026] Deutschland und Frankreich haben erstmals eine gemeinsame Definition für digitale Souveränität vorgestellt. Das Papier soll Europas technologische Abhängigkeiten verringern und künftige EU-Regeln zu KI, Cloud und Kritischen Infrastrukturen prägen. mehr...
Delos Cloud: Sopra Steria wird Partner
[08.06.2026] Sopra Steria unterstützt Behörden und öffentliche IT-Dienstleister bei der Migration in eine souveräne Cloud-Umgebung. Dazu wurde nun eine strategische Partnerschaft mit Delos Cloud vereinbart. mehr...
Bayern: Souveräner Verwaltungsarbeitsplatz – und zwar schnell
[05.06.2026] Bayerns Digitalministerium macht Tempo beim digital souveränen Arbeitsplatz. Beschäftigte sollen in den kommenden Monaten verschiedene Lösungen im laufenden Betrieb testen. 2027 soll dann bereits ein Fünftel des Hauses mit der dabei gefundenen Arbeitsplatzlösung arbeiten. mehr...
OSBA: „Souveränitätswashing“ vermeiden
[03.06.2026] Die Open Source Business Alliance unterstützt den ZenDiS-Vorstoß für einen Souveränitätscheck, sieht aber Nachbesserungsbedarf. Digitale Souveränität dürfe nicht auf Standortfragen oder Exit-Strategien verengt werden, sondern müsse den Abbau bestehender Abhängigkeiten messen. mehr...
BSI: Klare Souveränitätskriterien für Cloud-Dienste
[29.04.2026] Das BSI hat einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Souveränität von Cloud-Diensten vorgelegt. Das C3A-Framework soll Cloud-Kunden wie auch -Anbietern Orientierung geben und eine selbstbestimmte Nutzung erleichtern. Auch Audits für Cloud-Anbieter sind geplant. mehr...
OSBA/Deutschland-Stack: Transparente Standards für Cloud-Dienste
[13.04.2026] Die Open Source Business Alliance bewertet die Integration des Sovereign Cloud Stack in den Deutschland-Stack als wichtigen Schritt für offene Cloud-Standards. Der IT-Planungsrat verankert damit erstmals Open-Source-basierte Referenzarchitekturen für Cloud- und Managed Services in der Verwaltung. mehr...













