Schleswig-HolsteinTelefonie wird Open Source

[12.08.2026] Schleswig-Holstein erneuert die Telefonie der Landesverwaltung: Die Open-Source-Plattform OSKAR soll die heterogene Infrastruktur modernisieren und das bisher genutzte proprietäre System ersetzen. Den Auftrag erhielt das Flensburger Software-Unternehmen Viakom.
Rotes Retro-Telefon auf blauem Untergrund

Schleswig-Holstein modernisiert die Telefonie in der Landesverwaltung.

(Bildquelle: photoworld/123rf.com)

Die Landesregierung Schleswig-Holstein geht bei der Umsetzung ihrer Open-Source-Strategie die nächsten Schritte: Nach dem Umstieg der Bürosoftware auf LibreOffice, des Mailsystems auf Open-Xchange, der Zusammenarbeitsplattform auf Nextcloud, des Verzeichnisdienstes auf Nubus sowie nach dem begonnenen Umstieg des Betriebssystems auf Linux wird jetzt auch die Telefonie in der Landesverwaltung digital unabhängig.

Das europaweite Vergabeverfahren für eine neue Open-Source-Kommunikations-Architektur (OSKAR) wurde erfolgreich abgeschlossen. Den Zuschlag hat die norddeutsche Firma Viakom erhalten. Das Software-Unternehmen wird jetzt gemeinsam mit dem Land als Auftraggeber sowie dem Landes-IT-Dienstleister Dataport als Betreiber die bestehende Telefonie-Infrastruktur ablösen und in eine einheitliche, moderne Open Source basierte Kommunikationsplattform überführen.

Open Source als Industriepolitik für die Digitalwirtschaft

„Die Modernisierung unserer Telefonie- und Kommunikationslandschaft im Land war ohnehin überfällig. Jetzt kombinieren wir diesen notwendigen Schritt mit unserem Weg in die digitale Unabhängigkeit. Mit der Vergabe an die Viakom haben wir einen weiteren Meilenstein erreicht hin zu unserem Ziel, echte digitale Souveränität durch Open-Source-Lösungen zu erreichen“, sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. Er betonte, das Land gehe diesen Weg nicht aus Selbstzweck, sondern um unsere Verwaltung für die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen schneller, sicherer, transparenter und unabhängiger zu machen. „Wir arbeiten dabei mit hochprofessionellen Open-Source-Unternehmen zusammen. Daher freut es mich besonders, dass den Telefonie-Zuschlag ein etabliertes Unternehmen aus Schleswig-Holstein erhalten hat“, so der Minister. Die Zusammenarbeit öffentlicher Einrichtungen mit Unternehmen der heimischen Digitalwirtschaft ist ein wichtiger Baustein in Schleswig-Holsteins „Open Innovation und Open Source Strategie“.

Alles aus einem Guss

Das Land Schleswig-Holstein betreibt derzeit noch eine heterogene Telefonie- und Kommunikationslandschaft. Die zentrale Komponente für die Telefonie bildet eine sogenannte Voice over IP Telefonanlage, bereitgestellt als Servicedienstleistung durch die Deutsche Telekom. Diese Flexport-Telefonie basiert auf Cisco Technik, einem proprietären System. Der Servicevertrag mit der Telekom besteht bereits seit 1999. Hinzu kommt ein Restbestand alter ISDN Telefonanlagen, für welche es keinen gesicherten Service mehr gibt. Neben der Entwicklung von OSKAR als leistungsstarke Open-Source-Kommunikationsplattform war der Aufbau eines Open-Source-Community-Managements Bestandteil der Vergabe.
Mit dem Zuschlag an die Viakom startet schrittweise der flächendeckende Rollout von OSKAR im Land. Der angestrebte Zeitrahmen für die Umstellung der Telefon-Infrastruktur beträgt drei bis vier Jahre. Die weitere Entwicklung von OSKAR wird durch die Viakom geleistet, Betrieb, Rollout und Anwender-Service übernimmt Dataport.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Digitale Souveränität
Porträt der drei Autorinnen, die nebeneinander in einem modernen Flur stehen.

Impulspapier: Digitale Souveränität in Deutschland und Europa

[10.08.2026] Bundesbank-Vorständin Fritzi Köhler-Geib, BSI-Präsidentin Claudia Plattner und Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus haben ein Impulspapier zur digitalen Souveränität vorgelegt. Zu den Kernpunkten zählen die Bündelung europäischer Kompetenzen bei Schlüsseltechnologien und der Abbau regulatorischer Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. mehr...

Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität

[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...

Nahaufnahme weibliche Hände an einer Tastatur

openDesk: Weiterarbeiten in der Krise

[24.07.2026] Ein groß angelegtes Pilotprojekt mit mehreren Sozialversicherungsträgern hat openDesk als Notfallarbeitsplatz unter Realbedingungen getestet. Die vom ZenDiS gesteuerte Erprobung verlief erfolgreich. Der Einsatz von openDesk als souveränem Notfallarbeitsplatz soll weiter skaliert werden. mehr...

Montage: Junger Mann im Karohemd schreibt mit einem Marker auf eine imaginäre Glaswand die Worte "open source"

Bundestag/OSBA: Behörden dürfen Open Source ausschreiben

[20.07.2026] Der Einsatz quelloffener Software gilt als ein wichtiger Baustein, um einzelne Behörden und den Staat als Ganzes digital souveräner aufzustellen. Bei der Vergabe gibt es aber noch viele Unsicherheiten. Ein Gutachten des Bundestags räumt viele davon aus. Die OSBA berichtet. mehr...

Low-Code-Plattformen erlauben die schnelle Programmierung von Lösungen.

Schleswig-Holstein: Fachverfahren per Low Code

[09.07.2026] Schleswig-Holstein will in seiner Landesverwaltung mehr als 100 Fachverfahren ersetzen, die bislang auf Microsoft Access basieren. Für neue webbasierte Anwendungen kommt eine Low-Code-Plattform von mgm zum Einsatz. Andere Verwaltungen sollen die entwickelten Lösungen nachnutzen können. mehr...

Aus Angst vor Datendiebstahl meidet die Mehrheit der Bürger den Online-Behördengang.
bericht

EU/USA: Wackeliger Datenschutzrahmen

[08.07.2026] Eine Entscheidung des US Supreme Court bringt die rechtliche Grundlage transatlantischer Datentransfers ins Wanken: Die Handelsbehörde FTC, die unter anderem kontrollieren soll, ob US-Hyperscaler wichtige Datenschutzgrundsätze einhalten, ist nicht länger neutral. Bayerns Digitalminister Mehring fordert daraus Konsequenzen für Europas digitale Souveränität. mehr...

Ein heller Raum, von hinten aufgenommen über Köpfe und Schultern des Publikums hinweg, vorne Rednerpult, Projektionswand und Dirk Schrödter als Redner

Schleswig-Holstein: Europa braucht Open Source

[07.07.2026] Schleswig-Holstein hat mit „OSPOs for Europe“ ein europäisches Austauschformat zu Open Source angestoßen. Beim zweiten Treffen in Brüssel betonte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, dass digitale Souveränität nicht im Alleingang entsteht, sondern durch gemeinsame Standards und Technologien sowie geteilte Expertise. mehr...

Mecklenburg-Vorpommerns Digitalisierungsminister Heiko Geue (l.) und Landes-CIO Marco Anschütz

Mecklenburg-Vorpommern: Tschüs, Sharepoint – Hallo, Nextcloud

[07.07.2026] Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat für die Kollaborationssoftware seiner Verwaltung den Umstieg auf die quelloffene Lösung Nextcloud begonnen. Die ersten 5.000 Verwaltungsbeschäftigten nutzen die Lösung zum Filesharing. Perspektivisch sollen bis zu 50.000 ÖD-Beschäftigte mit Nextcloud arbeiten. mehr...

Deutsch-französische Kooperation: Vive la souveraineté !

[19.06.2026] Deutschland und Frankreich haben erstmals eine gemeinsame Definition für digitale Souveränität vorgestellt. Das Papier soll Europas technologische Abhängigkeiten verringern und künftige EU-Regeln zu KI, Cloud und Kritischen Infrastrukturen prägen. mehr...

Delos Cloud: Sopra Steria wird Partner

[08.06.2026] Sopra Steria unterstützt Behörden und öffentliche IT-Dienstleister bei der Migration in eine souveräne Cloud-Umgebung. Dazu wurde nun eine strategische Partnerschaft mit Delos Cloud vereinbart. mehr...

Das Bild zeigt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring.

Bayern: Souveräner Verwaltungsarbeitsplatz – und zwar schnell

[05.06.2026] Bayerns Digitalministerium macht Tempo beim digital souveränen Arbeitsplatz. Beschäftigte sollen in den kommenden Monaten verschiedene Lösungen im laufenden Betrieb testen. 2027 soll dann bereits ein Fünftel des Hauses mit der dabei gefundenen Arbeitsplatzlösung arbeiten. mehr...

Peter H. Ganten – CEO Univention und Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance

OSBA: „Souveränitätswashing“ vermeiden

[03.06.2026] Die Open Source Business Alliance unterstützt den ZenDiS-Vorstoß für einen Souveränitätscheck, sieht aber Nachbesserungsbedarf. Digitale Souveränität dürfe nicht auf Standortfragen oder Exit-Strategien verengt werden, sondern müsse den Abbau bestehender Abhängigkeiten messen. mehr...

BSI: Klare Souveränitätskriterien für Cloud-Dienste

[29.04.2026] Das BSI hat einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Souveränität von Cloud-Diensten vorgelegt. Das C3A-Framework soll Cloud-Kunden wie auch -Anbietern Orientierung geben und eine selbstbestimmte Nutzung erleichtern. Auch Audits für Cloud-Anbieter sind geplant. mehr...

Plastikbausteine mit Noppen in den Deutschland-Farben, vor blauem Hintergrund

OSBA/Deutschland-Stack: Transparente Standards für Cloud-Dienste

[13.04.2026] Die Open Source Business Alliance bewertet die Integration des Sovereign Cloud Stack in den Deutschland-Stack als wichtigen Schritt für offene Cloud-Standards. Der IT-Planungsrat verankert damit erstmals Open-Source-basierte Referenzarchitekturen für Cloud- und Managed Services in der Verwaltung. mehr...