NKRModernisierungsagenda bleibt zu vorsichtig

[10.12.2025] Die föderale Modernisierungsagenda ist beschlossen. Der NKR sieht darin wichtige Impulse für leistungsfähigere Verwaltungen, kritisiert jedoch vertagte Reformhebel und fordert eine konsequente Umsetzung mit starker Einbindung der Kommunen.

Alle 16 Länder haben auf der Konferenz der Regierungschefinnen und –chefs geschlossen ein 200-Maßnahmen-Paket für eine föderale Modernisierungsagenda beschlossen.

(Bildquelle: BMDS)

Die Ministerpräsidentenkonferenz hat die föderale Modernisierungsagenda beschlossen. Bund und Länder machen darin Vorschläge für konkreten Bürokratierückbau, Verfahrensbeschleunigungen, strukturelle Reformen, Digitalisierung und bessere Rechtsetzung (wir berichteten). Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) begrüßt die Bemühungen für eine deutliche Steigerung der Leistungsfähigkeit der Verwaltung – weist aber auch darauf hin, dass weitere wichtige Hebel vertagt wurden. Nun sei eine konsequente Umsetzung unter Einbindung der betroffenen Kommunalebene wichtig, betont das unabhängige Beratungsgremium.

Agenda geht nicht weit genug

„Mit der föderalen Modernisierungsagenda ist Bund und Ländern ein konkretes Maßnahmenpaket zur Entlastung der Vollzugsbehörden und Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit gelungen. Die Themenbreite und die Verzahnung zur Modernisierungsagenda Bund sind ein ambitionierter Aufschlag. Bund und Länder haben sich grundsätzlich dazu entschlossen, Bündelung als Reformansatz zu verfolgen und wollen hierzu Elterngeld und Prozesse unter anderem aus dem Asylbewerberleistungsgesetz und dem Melde-, Pass- und Ausweiswesen prüfen“, so der NKR-Vorsitzende Lutz Goebel. Allerdings, so Goebel, standen gerade bei der Aufgabenbündelung in diesem Jahr bereits deutlich mehr Vorschläge zur Debatte. Mit deren Umsetzung hätten die Leistungsfähigkeit der Verwaltung deutlich verbessert und Kommunen spürbar entlastet werden können. Der NKR fordert nun, dass auch Wohngeld, Einkommensprüfung, Fahrerlaubnis und das gesamte BAföG einer Bündelungsprüfung unterzogen werden. Bund und Länder hätten in Teilen die Gelegenheit verpasst, noch mutigere Entscheidungen auch für eine grundsätzliche Modernisierung in Richtung einer antragslosen, kundenorientierten Verwaltung zu gehen und beispielsweise die antragslose Bereitstellung von Kindergeld bereits jetzt verbindlich festzulegen. 

Notwendiger Kulturwandel

Im Bereich Planungs- und Genehmigungsverfahren wurden mehrere Vorschläge des Projekts „Schneller zur Anlagengenehmigung“ von NKR und Statistischem Bundesamt aufgegriffen. Besonders effektiv könnten etwa die Vereinfachungen bei der Umweltverträglichkeitsprüfung, die Fakultativstellung des Erörterungstermins, die Ersetzung der Genehmigungs- durch Anzeigeverfahren und die Einführung von Stichtagsregelungen sein.

Der NKR nennt aber weitere Maßnahmen, deren „enormes Beschleunigungspotenzial“ mit der nun beschlossenen Modernisierungsagenda nicht ausgeschöpft wurde – etwa die Abschaffung von Jedermann-Einwendungen, die Standardisierung von Verfahren und rechtlichen Anforderungen sowie der Ausbau von Weiterbildungs- und Schulungsangeboten. „Dass eine Kultur von mehr Eigenverantwortung und Vertrauen etabliert werden soll, in der Berichts- und Dokumentationspflichten reduziert und Bürokratie spürbar abgebaut werden, ist ein wichtiges Signal. Dieser Kulturwandel muss jetzt schnell und kraftvoll angestoßen werden“, mahnt Goebel. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung der Agenda insgesamt werden nun ein transparentes Monitoring und eine starke Steuerung durch BMDS und Bundeskanzleramt gemeinsam mit den Staats- und Senatskanzleien der Länder sein.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Mehrere Flaggen mit dem bayrischen blau-weißen Rautenmuster vor blauem Hintergrund.

Bayern: Weiß-blaue Erfolgsbilanz

[28.07.2026] Bayerns Digitalminister Fabian Mehring zog im Landtag eine ausgesprochen wohlwollende Bilanz der eigenen Digitalpolitik. Den Freistaat sieht er bei der Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft auf Kurs und bei der Verwaltungsdigitalisierung bereits als Taktgeber Deutschlands. mehr...

Landesdienstflagge Mecklenburg-Vorpommern, nahaufnahme des in Falten liegenden Fahnenstoffes

Mecklenburg-Vorpommern: Beitritt zum Zweckverband eGo-MV

[28.07.2026] Mecklenburg-Vorpommern tritt dem kommunalen Zweckverband eGo-MV bei. Land und Kommunen wollen damit ihre Zusammenarbeit bei IT-Infrastrukturen, Standards und gemeinsamen Digitalisierungsprojekten verbindlicher organisieren. mehr...

Deutschland/Frankreich: Kooperation bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität

[27.07.2026] Deutschland und Frankreich bauen ihre Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und digitaler Souveränität aus. Die Vereinbarungen sollen gemeinsame Bewertungen leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen und Europas Rolle bei der sicheren Nutzung von Künstlicher Intelligenz stärken. mehr...

Hände und Torso einer mutmaßlich weiblichen Person, die mit nachdenklicher Pose ein Smartphone hält.

BMDS: One-Stop-Shop für die Sozialverwaltung

[21.07.2026] Die Sozialplattform soll zum zentralen digitalen Zugang für Sozialleistungen ausgebaut werden. Vorgesehen sind durchgängig digitale Verfahren, Registerabrufe über NOOTS sowie perspektivisch die Anbindung von Deutschland-App und EUDI-Wallet. mehr...

Papierkorb mit zusammengeknülten Papieren, im Hintergrund unscharf ein Fax-Gerät

Sachsen/Thüringen: Die Verwaltung soll schneller werden

[16.07.2026] Sachsen und Thüringen wollen Verwaltungsverfahren vereinfachen und beschleunigen und haben dazu neue Gesetzespakete auf den Weg gebracht. Thüringen konzentriert sich vor allem auf das Baurecht, während Sachsen einen breiten Umbau des Landesrechts plant. mehr...

Läufer, der die Ziellinie eines Rennens auf einer schwarzen Laufbahn überquert, mit Bewqegungsunschärfe.

Bitkom: Digitalvorhaben kommen voran

[13.07.2026] Die Bundesregierung hält in der Digitalpolitik das Tempo: Erstmals sind doppelt so viele Digitalvorhaben begonnen wie noch nicht begonnen. Das geht aus dem neuesten Monitor Digitalpolitik des Bitkom hervor. Der Verband mahnt, begonnene Projekte nun zügig abzuschließen. mehr...

Karsten Wildberger steht vor einer violett-roten Wand zwischen zwei nicht näher benannten Männern, alle im Anzug

BMDS/Hertie School: Forschungsprojekt zur Staatsmodernisierung

[09.07.2026] Das BMDS fördert ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Staatsmodernisierung an der Hertie School. Die Plattform soll die Modernisierungsagenden von Bund und Ländern wissenschaftlich begleiten und deren Wirkung unabhängig evaluieren. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Komm.ONE fordert neue Dynamik

[06.07.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung in Baden-Württemberg soll deutlich an Tempo gewinnen. Im Mittelpunkt stehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Rolle des kommunalen IT-Dienstleisters bei der Umsetzung zentraler Digitalisierungsprojekte. Auch eine langfristige Annäherung an die Landes-IT BITBW schließen die Verantwortlichen nicht aus. mehr...

Tagungssaal mit runder Tischanordnung, gut besetzt

Ministerpräsidentenkonferenz: Im Schulterschluss zum schlanken Staat

[01.07.2026] Die jüngste Ministerpräsidentenkonferenz hat den ersten Fortschrittsbericht zur Föderalen Modernisierungsagenda beschlossen. In wichtigen Bereichen kam die Umsetzung voran – Bundesdigitalminister Wildberger wie auch der NKR mahnten aber Tempo und weitere strukturelle Entscheidungen an. mehr...

Gruppenfoto: alle IT-PLR-Mitglieder stehen in einem Innneraum nebeneinander und sehen wohlwollend und zufrieden aus

IT-Planungsrat: Der D-Stack gewinnt an Kontur

[22.06.2026] Für die Umsetzung des Deutschland-Stacks wurden einige entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Bei der letzten Sitzung des IT-Planungsrats haben sich Bund und Länder auf wesentliche Elemente des im Aufbau befindlichen standardisierten, interoperablen digitalen Ökosystems geeinigt. mehr...

BMDS/Mecklenburg-Vorpommern: Verwaltungsdigitalisierung gemeinsam beschleunigen

[22.06.2026] Der Bund und Mecklenburg-Vorpommern haben eine Verwaltungsvereinbarung zur vertieften Zusammenarbeit unterzeichnet. Damit sollen Maßstäbe für digitale Verwaltung, Bürokratierückbau, bessere Rechtsetzung und mehr Serviceorientierung gesetzt werden. mehr...

Vier Männer vor Bildschirmen_5G-Campusnetze_SH

Schleswig-Holstein: Wirkmächtiges Instrument

[19.06.2026] Eine positive Bilanz zum Digitalisierungsbooster SH hat Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter gezogen. Zentrale Maßnahmen sind eine LoRaWAN-Infrastruktur, die 5G-Campusnetze und das Landesprogramm Offene Innovation. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens, mit verschränkten Armen im dunklen Blazer vor einer braunen Wand stehend

Sachsen-Anhalt: Positive Zwischenbilanz zur Digitalstrategie

[17.06.2026] Eine positive Zwischenbilanz der Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ hat Digitalministerin Lydia Hüskens gezogen. Rund 80 Prozent der definierten Ziele sind bereits erreicht oder aktiv in Bearbeitung. Der Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen zählt zu den sichtbarsten Erfolgen. mehr...

Karsten Wildberger am Rednerpult in klassizistischer Kulisse.

BMDS: Umsetzungsstand der Modernisierungsagenden

[16.06.2026] In Berlin diskutierten 200 Expertinnen und Experten aus Bund und Ländern über die Fortschritte der Modernisierungsagenden. Dabei wurde deutlich: Die Umsetzung hängt vor allem an der engen Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen. mehr...

Drei steif lächelnde Menschen stehen nebeneinander vor einer blauen Wand und halten Doklumentenmappen in ihren Händen.

Bayern: Rückenwind für den Digitalstaat

[12.06.2026] Ein Rechtsgutachten der Universität Passau sieht keine grundsätzlichen Hürden für durchgängig digitale Verwaltungskommunikation. Gegen Ende-zu-Ende-Digitalisierung der Verwaltung bestehen demnach weder grundsätzliche verfassungsrechtliche noch ethische Bedenken. mehr...