NExT/DigitalServiceNachhaltige Verwaltungsmodernisierung

Eine nachhaltige, wirksame Modernisierung der Verwaltung darf sich nicht auf technologische Ergänzungen beschränken.
(Bildquelle: khaligo/123rf.com)
Die deutsche Verwaltung steht unter massivem Druck: Kosten steigen und gleichzeitig sind aufgrund des demografischen Wandels zunehmend Stellen unbesetzt und Aufgaben unerledigt. Um funktionsfähig zu bleiben, setzt die Verwaltung auf unterschiedliche Reformansätze, deren Wirksamkeit jedoch variiert. Nun haben NExT und der DigitalService des Bundes ein Policy Paper vorgelegt, das kritisch beleuchtet, welche Ansätze in der Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung tatsächlich Erfolg versprechen und welche eher irreführend sind. Erschienen ist die Publikation Für eine echte Digitalrendite: Nachhaltige Effizienz statt kurzfristiger Sparlogik in der Reihe GovImpact, einem gemeinsamen Projekt von NExT und DigitalService, das von der Stiftung Mercator gefördert wird. Wie der DigitalService berichtet, wurde das Papier bei einem Abendessen mit Parlamentarierinnen und Parlamentariern sowie Führungskräften aus Bund, Ländern und Kommunen und weiteren Expertinnen und Experten vorgestellt.
Budgetkürzungen vergrößern die technischen Schulden
Auf Basis von Workshops und Interviews mit Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktikern identifiziert das Paper drei typische Strategien, die aktuell verfolgt werden, um Kosten zu sparen und Renditen zu erzielen: die Ressourcenkürzungen vor der Wertschöpfungskette, technologische Ergänzungen am Ende der Wertschöpfungskette sowie Verbesserung innerhalb der Wertschöpfungskette. Letztere umfasst die Modernisierung von Bestandssystemen, die Anpassung von Zuständigkeiten, Standards und internen Abläufen ebenso wie die Optimierung der Nutzererfahrung. Das Paper warnt ausdrücklich davor, dass reine Budgetkürzungen oder das oberflächliche Hinzufügen von KI-Tools langfristig eher technische Schulden vergrößern, anstatt Probleme zu lösen. Stattdessen sollen Investitionen in die grundlegende Modernisierung ineffizienter IT-Systeme und die Verbesserung von Prozessen, sowie nutzerzentrierte Anwendungen nachhaltige Renditen für Verwaltung und Gesellschaft erzeugen.
Den Maschinenraum aufräumen
„Digitalisierung ist kein Kostenfaktor. Sie ist eine Investition, die sich nicht nur selbst finanziert, sondern das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Fürsorge und Handlungsfähigkeit des Staates stärken kann. Ein handlungsfähiger Staat entsteht dabei nicht durch verordneten Personalabbau und schillernde Technologien, sondern indem wir den Maschinenraum der Verwaltung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger aufräumen und modernisieren“, erläutert Joshua Pacheco vom DigitalService.
Um diesen Ansatz umzusetzen, brauche es strategische Anpassungen, so der DigitalService. Darunter fallen eine systematische Wirkungsmessung, moderne Anreize im Personalrecht sowie eine ebenenübergreifende Kosten-Nutzen-Betrachtung im Haushaltsrecht.
Ann Cathrin Riedel, Geschäftsführerin von NExT, betont die Dringlichkeit der Verwaltungstransformation: „Die Digitalisierung der Verwaltung soll kein Personal ersetzen, sie muss es angesichts von einer Million unbesetzter Stellen bis 2030 schlichtweg.“ Damit diese gelinge, müssten veraltete Anreize im Personal- und Haushaltsrecht aufgebrochen werden. „Effizienzgewinne müssen belohnt und durch eine moderne, ebenenübergreifende Erfolgsmessung als echte Rendite für unseren Staat sichtbar werden“, so Riedel.
Baden-Württemberg: Schneller Roll-out statt vieler Einzellösungen
[15.10.2026] Baden-Württemberg hat mit dem Bund vereinbart, fünf bestehende Online-Dienste innerhalb von neun Monaten bei allen zuständigen Behörden im Land verfügbar zu machen. Ein zentral organisierter Anschlussprozess soll die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen. mehr...
Thüringen: Gemeinsame Standards vereinbart
[14.10.2026] Thüringen und die kommunalen Spitzenverbände haben ihre Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung neu vereinbart. Gemeinsame Standards und eine stärkere Nutzung der Verwaltungscloud sollen die IT-Systeme von Land und Kommunen besser verbinden. mehr...
OSBA: Vorrang für Open Source
[13.10.2026] Die EU-Kommission hat einen Entwurf für eine neue Vergabeverordnung vorgestellt, womit die bisherigen EU-Richtlinien zur Vergabe öffentlicher Aufträge ersetzt werden sollen. Die Open Source Business Alliance sieht in dem Entwurf verpasste Chancen. mehr...
NKR-Jahresbericht 2026: Bürokratieabbau kommt kaum voran
[12.10.2026] Der Nationale Normenkontrollrat zieht in seinem Jahresbericht 2026 eine gemischte Bilanz zum Bürokratieabbau und zur Staatsmodernisierung. Zwar ist der jährliche Erfüllungsaufwand um 6,8 Milliarden Euro gesunken, gleichzeitig steigen jedoch die Bürokratiekosten. mehr...
Schleswig-Holstein: Schrödter offen für Cyber-Sicherheitsgremium
[12.10.2026] Digitalisierungsminister Dirk Schrödter unterstützt die Prüfung eines nationalen Cyber Incident Review Boards, das schwerwiegende Cyber-Angriffe systematisch untersuchen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten soll. In einer Landtagsrede verwies er auf die wachsende Bedrohung digitaler Infrastrukturen und stellte die bereits ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen Schleswig-Holsteins vor. mehr...
Schleswig-Holstein: Neuer Datenschutzbeauftragter
[12.10.2026] Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat Jens Ambrock einstimmig zum neuen Landesbeauftragten für Datenschutz gewählt. Er tritt die Nachfolge von Marit Hansen an, deren zweite Amtszeit im Januar 2027 endet. Ambrock bringt langjährige Erfahrung im Datenschutzrecht und in der behördlichen Datenschutzaufsicht mit. mehr...
Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen
[09.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...
BMDS: Zwischenbilanz zur Staatsmodernisierung
[08.10.2026] Ein Jahr nach dem Beschluss ihrer Modernisierungsagenda zieht die Bundesregierung Bilanz. Sie meldet Fortschritte bei digitalen Verfahren und mehr als zehn Milliarden Euro weniger jährlichen Erfüllungsaufwand. Fünf von 23 zentralen Projekten sind abgeschlossen. mehr...
EUDI-Wallet: Anhörung im Bundestag
[08.10.2026] Die geplante EUDI-Wallet stößt bei Sachverständigen grundsätzlich auf Zustimmung, zugleich sehen sie Nachbesserungsbedarf beim Digitale Identitätengesetz. Vor allem die Einbindung der Kommunen, die Verarbeitung digitaler Nachweise sowie Datenschutz und Sicherheit gelten noch als offene Punkte. mehr...
Hessen: Positive Halbzeitbilanz
[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...
Saarland: Fünf Leistungen schneller in die Fläche
[05.10.2026] Fünf weitere Verwaltungsleistungen sollen im Saarland innerhalb von neun Monaten flächendeckend digital verfügbar sein. Der Ministerrat hat grünes Licht für die Teilnahme des Saarlandes am Bundesprogramm „Flächendeckung digitale Verwaltungsleistungen“ gegeben. mehr...
Bayern/Hessen: Digital-Roundtable geplant
[01.10.2026] Bayern und Hessen wollen die Zusammenarbeit der Länder bei Innovation und Wachstum stärken. Für die Veranstaltung Bits & Pretzels 2027 ist ein Roundtable der Digitalministerinnen und Digitalminister geplant. mehr...
Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz
[28.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...
Thüringen / Schleswig-Holstein: Digital-Kooperation wird vertieft
[23.09.2026] Thüringen und Schleswig-Holstein wollen bei der Digitalisierung ihrer Landesverwaltungen enger zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Dateninfrastrukturen, Registermodernisierung, Open Source, souveräne KI-Lösungen und länderübergreifende Netzwerke. mehr...
IT-Planungsrat: Weichen für Deutschland-Stack gestellt
[21.09.2026] Bund und Länder haben zentrale Zuständigkeiten für den Deutschland-Stack festgelegt. Der Bund übernimmt mit Unterstützung der FITKO die Verantwortung für fünf Basiskomponenten der föderalen Digitalinfrastruktur. mehr...










