CloudlösungenVollständige Kontrolle ist eine Illusion

[09.07.2025] Für Behörden und regulierte Branchen gewinnen souveräne Cloudlösungen an Bedeutung. Doch was genau bedeutet Souveränität in der Cloud? Jochen Malinowski von Accenture gab auf einer Presseveranstaltung einen Überblick über verschiedene Ansätze – von der Public Cloud mit Einschränkungen bis hin zu vollständig isolierten Rechenzentren.
Composite: ein in blau gehaltener schemenhafter Computer-Arbeitsplatz, davor die Illustration eines Dokuments mit einem Schloss daran

Bei Cloudservices stellen sich Fragen nach Datenschutz und Kontrolle.

(Bildquelle: Adobe Stock)

Cloudlösungen sind aus der digitalen Infrastruktur nicht mehr wegzudenken, auch nicht im öffentlichen Sektor. Bei der Nutzung von Angeboten großer internationaler Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud stellen sich jedoch Fragen nach Datenschutz und Kontrolle. Auf einer Onlineveranstaltung des Beratungsunternehmens Accenture für die Presse am 8. Juli 2025 stellte Jochen Malinowski, Geschäftsführer Cloud, Software und Infrastruktur, aktuelle Entwicklungen rund um souveräne Cloudangebote vor und erläuterte die Anforderungen an eine solche Infrastruktur.

Unterschiedliche Definitionen

Gleich zu Beginn machte Malinowski deutlich, dass der Begriff souveräne Cloud unterschiedlich ausgelegt wird. „Jede und jeder versteht etwas anderes darunter“, sagte er. In einem von Accenture gegründeten Kompetenzzentrum für souveräne Clouds wird deshalb zunächst geklärt, warum Kundinnen und Kunden eine solche Lösung überhaupt benötigen und für welche Daten sie relevant ist. Dabei zeigt sich regelmäßig, dass es nicht um eine allgemeine, sondern um eine abgestufte Lösung für unterschiedliche Datenarten geht. Grundsätzlich umfasse Souveränität laut Malinowski drei Aspekte: die Kontrolle darüber, wo die Daten gespeichert werden, wer auf sie zugreifen darf und wer die Cloudinfrastruktur betreibt.

Technische Abstufungen

Der Vortrag bot einen Überblick über die verschiedenen Ausprägungen souveräner Cloudangebote. Am einen Ende des Spektrums stehen vollständig abgeschottete Rechenzentren mit lokaler Hardware und ohne Verbindung zu US-Anbietern. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich die klassische Public Cloud, bei der die Daten auf Servern internationaler Konzerne, oft in den USA, liegen und der Betreiber vollen Zugriff hat.

Dazwischen gibt es zahlreiche Zwischenstufen. Viele Anbieter versuchen, ihre Public-Cloud-Dienste mithilfe technischer Maßnahmen anzupassen. So bietet Microsoft beispielsweise eine Sovereign Cloud, bei der bestimmte Zugriffe von außen nur mit Zustimmung der Kundin oder des Kunden erfolgen dürfen. Auch können Schlüssel zur Datenverschlüsselung lokal verwaltet werden. Laut Malinowski richten sich diese Lösungen vor allem an Organisationen, die gewisse Kontrolle benötigen, aber dennoch nicht auf die umfangreichen Dienste großer Anbieter verzichten wollen.

AWS geht einen anderen Weg. Der Amazon-Konzern plant, Ende 2025 eine AWS Sovereign Cloud in Brandenburg zu eröffnen. Diese soll von einem rechtlich unabhängigen Unternehmen betrieben werden. Auch hier ist das Ziel, den Zugriff aus den USA auszuschließen.

Deutsche Alternativen

Zunehmend treten auch europäische Anbieter auf den Markt. Dazu zählen Unternehmen wie Ionos, die Deutsche Telekom oder Schwarz Digits, eine Tochter des Handelsunternehmens Schwarz, mit dem Cloudprovider Stackit. Diese Unternehmen betreiben ihre Rechenzentren in Deutschland oder Europa und versprechen volle Kontrolle über Daten und Betrieb. Allerdings können diese Anbieter laut Malinowski derzeit noch nicht den gesamten Funktionsumfang internationaler Clouddienste bieten, insbesondere nicht bei KI-Anwendungen oder spezialisierten Softwarediensten. Einige Organisationen stünden daher vor der Frage, ob sie auf bestimmte Funktionen verzichten oder Sicherheitsbedenken in Kauf nehmen wollten.

Besondere Konstruktionen

Malinowski stellte ein spezielles Modell am Beispiel der Delos Cloud vor. Dabei handelt es sich um eine Microsoft-Cloud-Lösung, die von der SAP-Tochter Delos und dem Dienstleister Arvato in Deutschland betrieben wird (wir berichteten). Die Daten liegen in Deutschland und der Zugriff erfolgt ausschließlich durch deutsches Personal. Updates aus den USA werden zunächst geprüft und erst nach Freigabe installiert. Das Ziel besteht darin, den US-Einfluss technisch und organisatorisch zu minimieren.

Multi-Cloud-Strategie für den Public Sector

Laut Malinowski werde sich in der Praxis der öffentlichen Verwaltung ein Multi-Cloud-Ansatz als Mischmodell durchsetzen. Hochsensible Daten, etwa Verschlusssachen, könnten in der vom ITZBund betriebenen Bundescloud gespeichert werden. Weniger kritische Informationen, wie die Inhalte öffentlicher Webseiten, lassen sich dagegen problemlos in der Public Cloud ablegen.

Eine vollständige digitale Souveränität sei technisch kaum möglich. „Man kann sich ihr jedoch annähern“, sagte Malinowski. Doch auch in einer souveränen Cloud könnten Komponenten aus den USA stecken, beispielsweise in Chips oder Netzwerkkomponenten. Zudem bleibt der Softwarecode oft im Besitz amerikanischer Firmen. „Die vollständige Kontrolle über jede Ebene ist illusorisch“, so seine Einschätzung.

Alexander Schaeff




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Digitale Souveränität
Plastikbausteine mit Noppen in den Deutschland-Farben, vor blauem Hintergrund

OSBA/Deutschland-Stack: Transparente Standards für Cloud-Dienste

[13.04.2026] Die Open Source Business Alliance bewertet die Integration des Sovereign Cloud Stack in den Deutschland-Stack als wichtigen Schritt für offene Cloud-Standards. Der IT-Planungsrat verankert damit erstmals Open-Source-basierte Referenzarchitekturen für Cloud- und Managed Services in der Verwaltung. mehr...

Beine und Torso eines Mannes mmit hellblauem Business-Hemd, der liegend auf einem Laptop tippt.

Bitkom: Wunsch nach digitaler Unabhängigkeit ist da

[13.04.2026] Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Gleichzeitig werden europäische Anwendungen und Technologien nur in wenigen Bereichen genutzt. Der Bitkom fordert daher bessere Rahmenbedingungen für Innovation. mehr...

Eine Festplatte auf einer Laptoptastatur mit einer Reflexion des Programmcodes, der auf dem Bildschirm zu sehen ist.

OSBA: Cyber Resilience Act und Open Source

[09.04.2026] Open Source ist Grundlage der meisten Softwareprodukte und daher zentral für die IT-Sicherheit. Dies muss auch in der Umsetzung des Cyber Resilience Act berücksichtigt werden, fordert die OSBA. Open Source braucht eine passende Regulierung mit Unterstützung der Wirtschaft und klaren Verfahren. mehr...

Composit: Hände halten ein Tablet, darüber schwebt ein 2D-Objekt mit den Umrissen und Farben von Deutschland, überlagert von einem gezeichneten Netzwerk.

ZenDiS: Konsultation zur digitalen Souveränität

[30.03.2026] Dass die Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von außereuropäischen Technologieanbietern verringert werden muss, ist unstrittig. Gleichzeitig bleibt der Begriff der digitalen Souveränität oft unscharf. Das ZenDiS will dafür nun messbare Kriterien entwickeln – auf Basis eines möglichst breiten Konsens. mehr...

menschenmenge - die meisten personen Männer in hellblauen Oberhemden - in einem modern eingerichteten Konferenzraum.

Schleswig-Holstein: Call for Concepts beim Landesprogramm Offene Innovation

[29.01.2026] Es ist erklärtes Ziel Schleswig-Holsteins, mit Open Source die digitale Souveränität zu sichern und den Digitalstandort zu stärken. Dazu trägt auch das Landesprogramm Offene Innovation bei, mit dem praxisrelevante Open-Source-Projekte in Verwaltung und Zivilgesellschaft gefördert werden. Nun startet die dritte Runde. mehr...

Detailaufnahme einer Computertastatur. Ein Zeigefinger drückt die Taste "Open Source".

openDesk: Arbeitsfähig im Krisenfall

[27.01.2026] In einem Pilotprojekt erproben die Deutsche Rentenversicherung Bund und weitere Sozialversicherer die souveräne Office- und Kollaborationssuite openDesk des ZenDiS – speziell für die Kommunikation im Krisenfall. mehr...

OSBA: Europäische IT gegen digitale Erpressung

[22.01.2026] Digitale Dienste von US-Anbietern können umstandslos blockiert werden, wie der Fall des Internationalen Strafgerichtshofs zeigt. Weitere Fälle könnten folgen. Open-Source-Lösungen bieten eine sichere, europäische Alternative. Die OSBA berät Organisationen beim Umstieg. mehr...

Printversion der Studie liegt auf einem hellgrauen Tisch.

Next:Public: Studie belegt deutliche Souveränitätslücken

[16.12.2025] Die öffentliche Verwaltung aller Ebenen ist stark von außereuropäischen IT-Anbietern abhängig. Eine neue Studie unterfüttert diesen Befund erstmals mit konkreten Zahlen. Vor allem bei Standardsoftware zeigt sich ein struktureller Lock-in. Die Umstellung von On-Premise-Systemen auf Cloud-Dienste könnte ein möglicher Ausweg sein. mehr...

Berliner Rathaus, daneben der Fernsehturm

Berlin: Weichenstellung für Verwaltungs-IT

[15.12.2025] Der Berliner Senat hat zwei Beschlüsse zur Weiterentwicklung der Verwaltungs-IT gefasst. Eine Open-Source-Strategie soll digitale Souveränität und offene IT-Strukturen stärken. Zudem schafft eine Änderung des E-Government-Gesetzes eine Rechtsgrundlage für den KI-Einsatz. mehr...

Digitalisierungsminister Dirk Schrödter hat die neue Digitalstrategie für Schleswig-Holstein in Kiel vorgestellt.

Schleswig-Holstein: Open Source spart Millionen

[08.12.2025] Digitale Souveränität ist möglich und wirtschaftlich – das zeigt Schleswig-Holstein, indem es zentrale IT-Komponenten auf quelloffene Software umstellt. Schon fast 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Landesverwaltung nutzen LibreOffice. Als limitierender Faktor erweisen sich einige Fachanwendungen. mehr...

Eingangstür des ITDZ Berlin

Digitale Souveränität: Berlin plant openDesk-Einsatz

[05.12.2025] Berlin plant nach erfolgreichen Tests im CityLab die Einführung der quelloffenen Officesuite openDesk in der Verwaltung. Das ITDZ stimmt sich dazu eng mit der Senatskanzlei und dem ZenDiS ab und bereitet erste Bereitstellungen einzelner Komponenten vor. mehr...

Junge Frau im Hörsaal lächelt in die Kamera

DAAD: Neue Infrastruktur stärkt digitale Souveränität

[26.11.2025] Um eine zukunftsfähige IT-Basis für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zu schaffen, wurde die virtuelle Infrastruktur der Organisation auf eine hochverfügbare, Open-Source-basierte IaaS-Plattform migriert. Unterstützt wurde der DAAD dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...

Französische und deutsche Flagge wehen nebeneinander, im Hintergrund leicht bewölkter blauer Himmel.

BSI/ANSSI: Gemeinsame Kriterien zur Cloud-Souveränität

[19.11.2025] BSI und ANSSI wollen EU-weite Kriterien für souveräne Cloud-Dienste entwickeln und eine Methodik zu deren Prüfung vorlegen. Die Vereinbarung soll einheitliche Sicherheitsanforderungen schaffen und öffentlichen wie privaten Stellen klare Orientierung bieten. mehr...

Delos Cloud: Deutsch-französische Cloud-Allianz

[19.11.2025] Um die Verfügbarkeit von Cloud-Diensten in Europa auch in Notlagen zu gewährleisten, haben Delos Cloud, der französische Cloud-Dienstleister Bleu und Microsoft eine Kooperation vereinbart. Diese Absprachen wurden beim deutsch-französischen EU-Gipfel zur digitalen Souveränität in Berlin bekannt gegeben. mehr...

Peter H. Ganten – CEO Univention und Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance

OSBA: Stellungnahme zum Deutschland-Stack

[17.11.2025] Mit dem Deutschland-Stack will die Bundesregierung Rahmenbedingungen und eine technologische Basis für Digitalvorhaben festlegen. Die OS Business Alliance warnt vor „Souveränitäts-Washing“ und fordert eine klare Ausrichtung auf offene Standards und Schnittstellen. mehr...