BitkomWunsch nach digitaler Unabhängigkeit ist da

[13.04.2026] Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Gleichzeitig werden europäische Anwendungen und Technologien nur in wenigen Bereichen genutzt. Der Bitkom fordert daher bessere Rahmenbedingungen für Innovation.
Beine und Torso eines Mannes mmit hellblauem Business-Hemd, der liegend auf einem Laptop tippt.

Bequemlichkeit scheint den Wechsel zu digital souveränen Lösungen und Diensten in vielen Fällen zu verhindern.

(Bildquelle: voobino/123rf.com)

Ob KI, Software, Messenger oder Smartphones: Viele digitale Angebote des Alltags kommen derzeit von Unternehmen außerhalb Europas. Die große Mehrheit der Deutschen hält den Aufbau eigener digitaler Kapazitäten und Angebote für dringend notwendig. Dies zeigt eine Befragung, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde. Demnach halten 93 Prozent Deutschland bei digitalen Technologien für „abhängig von anderen Ländern“. 79 Prozent fordern, Deutschland solle stärker in digitale Schlüsseltechnologien investieren. Und so gut wie alle (99 Prozent) finden es wichtig, dass Deutschland bei digitalen Technologien insgesamt unabhängiger wird. Befragt wurden 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.

Mehr strategische Partnerschaften

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sagt, um diese Ziele zu erreichen, brauche es mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien durch die Unternehmen, aber auch einen Abbau der „überbordenden Regulierung“ in Deutschland wie auch auf EU-Ebene. Kritische Technologien, sofern sie nicht aus Deutschland oder Europa kommen, müssten auf jeden Fall unsere Anforderungen an Sicherheit und Souveränität erfüllen. „Klar ist auch: Wir brauchen Kooperationen mit internationalen Tech-Unternehmen auf Augenhöhe, im Alleingang lässt sich digitale Souveränität nicht erreichen. Aus Investitionen, maßvoller Regulierung und strategischen Partnerschaften entsteht mehr digitale Souveränität“, so Wintergerst.

Abschied von (digitalen) Gewohnheiten ist schwer

Ein Drittel der Menschen in Deutschland (34 Prozent) hat sich bereits bewusst für einen digitalen Dienst oder ein digitales Gerät aus Europa entschieden. Weitere 27 Prozent haben sich darüber zumindest schon einmal Gedanken gemacht. 34 Prozent sagen, dass sie darüber bislang noch nicht nachgedacht haben. Zugleich werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung gesehen: 87 Prozent meinen, dass sich auch die Menschen anpassen müssen, wenn Deutschland digital unabhängiger werden soll. 62 Prozent sind zudem der Ansicht, dass auch kurzfristige Nachteile in Kauf genommen werden sollten, wenn Deutschland bei der Digitalisierung dadurch unabhängiger würde. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wo es in der Praxis häufig hakt: 55 Prozent erscheint der Wechsel zu europäischen Anbietern oft zu aufwendig.

Chance für europäische Produkte

Die Befragung liefert eine erste Orientierung, wo Verbraucherinnen und Verbraucher aktuell auf europäische Angebote zurückgreifen: 14 Prozent sagen, sie nutzten bereits europäische soziale Netzwerke, 13 Prozent eine europäische Suchmaschine oder einen europäischen Browser und 11 Prozent einen europäischen Messenger. 6 Prozent setzen auf europäische KI-Anwendungen oder Chatbots, 5 Prozent auf Smartphones europäischer Anbieter. „Das Interesse an europäischen Angeboten ist da. Europa muss digitale Technologien nicht nur entwickeln, sondern auch schneller skalieren und in die breite Anwendung bringen“, so Wintergerst. Dafür brauche es eine innovationsfreundliche Regulierung, mehr Wachstumskapital und eine öffentliche Beschaffung, die auch jungen Unternehmen eine echte Chance gibt.





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