Digitale SouveränitätMehr als nur Datenhoheit

[07.04.2025] Digitale Souveränität geht weit über die Frage hinaus, wo Daten gespeichert werden. Sie entscheidet auch, ob wir sinnvolle datenbasierte Entscheidungen treffen. Vor allem raumbezogene Daten spielen dabei eine wichtige Rolle – etwa bei Stadtplanung, Krisenprävention oder Risikomanagement.

Die Daten in der eigenen Hand behalten? Digitale Souveränität sollte darüber hinaus gedacht werden.

(Bildquelle: wirestock/123ref.com)

Ob Exportbeschränkungen auf Tech-Güter oder Project Stargate: Die Digitalpolitik der USA verdeutlicht, welchen Stellenwert Daten als Wirtschaftsgut inzwischen auf dem internationalen Markt haben. Damit gewinnt auch auf unserer Seite des Atlantiks das Thema Digitale Souveränität – also die selbstbestimmte Kontrolle über Daten – an Brisanz. Jürgen Schomakers, CEO beim Technologieanbieter ESRI, der auf Geo-Informationssysteme (GIS), Location Intelligence und Mapping spezialisiert ist, zeigt, an welchen Stellen die Diskussion um Digitale Souveränität und die Wege dorthin zu kurz greift.

Im öffentlichen Diskurs werde Digitale Souveränität gerne auf die technisch-juristische Frage reduziert: Wo sind meine Daten gespeichert? Dabei greife diese Thematik viel weiter, so Schomakers. Die eigentliche Frage laute: Befähigen mich die Daten in der Form, wie sie mir zur Verfügung stehen, zu selbstständigen sinnvollen Entscheidungen? Denn im Zentrum der Digitalen Souveränität solle die Fähigkeit stehen, datenbasiert fundierte Entscheidungen zu treffen. Das gelte für Privatpersonen, Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und eben auch für öffentliche Einrichtungen.

Der Rahmen für mündige Entscheidungen

Besonders deutlich zeige sich dieser Aspekt der Digitalen Souveränität am Beispiel von raumbezogenen Daten, betont der ESRI-CEO. Diese Daten seien als essenzielle Entscheidungsbasis anzusehen: im öffentlichen Sektor unter anderem für die Stadtentwicklung, Mobilitäts- und Infrastrukturplanung und Krisenprävention; in der Privatwirtschaft für die Standort- oder Prozessplanung, bei Nachhaltigkeit und Risikomanagement. Über Branchen und Sektoren hinweg bilden raumbezogene Daten das Fundament resilienter Infrastrukturen und umsichtiger Entscheidungen. Digitale Souveränität liege also nicht nur in der Speicherung, also im reinen Besitzen der Daten, sondern auch in der technischen und fachlichen Fähigkeit, sie sinnvoll auszuwerten, um einen positiven Effekt auf die reale Welt zu erzielen.

Aus Daten wird Wissen

Mit einem Geografischen Informationssystem (GIS) kann beispielsweise eine Kommune die vorliegenden Daten visualisieren und analysieren, und diese in wertvolle Informationen und Wissen umwandeln – auch für Politik und Zivilbevölkerung. Die Verbindung von geografischen Daten und Sachdaten erleichtert die GeoAI-gestützte Risikoanalyse und -prävention im Rahmen eines ganzheitlichen Gefahrenmanagements. Das betrifft beispielsweise Hochwassergebiete, in denen ein GIS den Verlauf des Wasserflusses auf Basis von Wetterprognosen simulieren kann, sowie ein ganzheitliches Gefahrenmanagement in Hochwassergebieten – von der Vorsorge und Vorbereitung bis hin zur Bewältigung und Nachbereitung. Die nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr, etwa Feuerwehr und Rettungskräfte, profitiert beim Schutz Kritischer Infrastrukturen ebenfalls von einer konsolidierten Datenbasis.

Technologieoffenheit als Schlüssel

Digitale Souveränität bedeute auch, möglichst vielen Menschen einen einfachen Zugang zu Daten und deren Interpretation zu ermöglichen – insbesondere in Kommunen, die mit Digitalisierungsdruck, knappen Mitteln und Fachkräftemangel kämpfen. Für zukunftsfähige Verwaltungen braucht es daher eine flexible, sichere und interoperable GIS-Infrastruktur mit offenen Schnittstellen. Technologievielfalt ist dabei zentral. Der oftmals gedachte Gegensatz zwischen Open Source und proprietären Lösungen greife zu kurz. In dem Bestreben, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und Interoperabilität sicherzustellen, wird Digitale Souveränität oftmals mit einer vollständigen Abkehr von proprietären Lösungen gleichgesetzt. Ein technologieoffener Ansatz hingegen verbinde Marktstandards, Sicherheit und Support mit der Flexibilität integrierter Open-Source-Komponenten. So lasse sich digitale Souveränität praxisnah umsetzen – ohne Abhängigkeiten, aber mit offenem Blick für das technisch Sinnvolle.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Digitale Souveränität

Deutsch-französische Kooperation: Vive la souveraineté !

[19.06.2026] Deutschland und Frankreich haben erstmals eine gemeinsame Definition für digitale Souveränität vorgestellt. Das Papier soll Europas technologische Abhängigkeiten verringern und künftige EU-Regeln zu KI, Cloud und Kritischen Infrastrukturen prägen. mehr...

Delos Cloud: Sopra Steria wird Partner

[08.06.2026] Sopra Steria unterstützt Behörden und öffentliche IT-Dienstleister bei der Migration in eine souveräne Cloud-Umgebung. Dazu wurde nun eine strategische Partnerschaft mit Delos Cloud vereinbart. mehr...

Das Bild zeigt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring.

Bayern: Souveräner Verwaltungsarbeitsplatz – und zwar schnell

[05.06.2026] Bayerns Digitalministerium macht Tempo beim digital souveränen Arbeitsplatz. Beschäftigte sollen in den kommenden Monaten verschiedene Lösungen im laufenden Betrieb testen. 2027 soll dann bereits ein Fünftel des Hauses mit der dabei gefundenen Arbeitsplatzlösung arbeiten. mehr...

Peter H. Ganten – CEO Univention und Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance

OSBA: „Souveränitätswashing“ vermeiden

[03.06.2026] Die Open Source Business Alliance unterstützt den ZenDiS-Vorstoß für einen Souveränitätscheck, sieht aber Nachbesserungsbedarf. Digitale Souveränität dürfe nicht auf Standortfragen oder Exit-Strategien verengt werden, sondern müsse den Abbau bestehender Abhängigkeiten messen. mehr...

BSI: Klare Souveränitätskriterien für Cloud-Dienste

[29.04.2026] Das BSI hat einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Souveränität von Cloud-Diensten vorgelegt. Das C3A-Framework soll Cloud-Kunden wie auch -Anbietern Orientierung geben und eine selbstbestimmte Nutzung erleichtern. Auch Audits für Cloud-Anbieter sind geplant. mehr...

Plastikbausteine mit Noppen in den Deutschland-Farben, vor blauem Hintergrund

OSBA/Deutschland-Stack: Transparente Standards für Cloud-Dienste

[13.04.2026] Die Open Source Business Alliance bewertet die Integration des Sovereign Cloud Stack in den Deutschland-Stack als wichtigen Schritt für offene Cloud-Standards. Der IT-Planungsrat verankert damit erstmals Open-Source-basierte Referenzarchitekturen für Cloud- und Managed Services in der Verwaltung. mehr...

Beine und Torso eines Mannes mmit hellblauem Business-Hemd, der liegend auf einem Laptop tippt.

Bitkom: Wunsch nach digitaler Unabhängigkeit ist da

[13.04.2026] Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Gleichzeitig werden europäische Anwendungen und Technologien nur in wenigen Bereichen genutzt. Der Bitkom fordert daher bessere Rahmenbedingungen für Innovation. mehr...

Eine Festplatte auf einer Laptoptastatur mit einer Reflexion des Programmcodes, der auf dem Bildschirm zu sehen ist.

OSBA: Cyber Resilience Act und Open Source

[09.04.2026] Open Source ist Grundlage der meisten Softwareprodukte und daher zentral für die IT-Sicherheit. Dies muss auch in der Umsetzung des Cyber Resilience Act berücksichtigt werden, fordert die OSBA. Open Source braucht eine passende Regulierung mit Unterstützung der Wirtschaft und klaren Verfahren. mehr...

Composit: Hände halten ein Tablet, darüber schwebt ein 2D-Objekt mit den Umrissen und Farben von Deutschland, überlagert von einem gezeichneten Netzwerk.

ZenDiS: Konsultation zur digitalen Souveränität

[30.03.2026] Dass die Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von außereuropäischen Technologieanbietern verringert werden muss, ist unstrittig. Gleichzeitig bleibt der Begriff der digitalen Souveränität oft unscharf. Das ZenDiS will dafür nun messbare Kriterien entwickeln – auf Basis eines möglichst breiten Konsens. mehr...

menschenmenge - die meisten personen Männer in hellblauen Oberhemden - in einem modern eingerichteten Konferenzraum.

Schleswig-Holstein: Call for Concepts beim Landesprogramm Offene Innovation

[29.01.2026] Es ist erklärtes Ziel Schleswig-Holsteins, mit Open Source die digitale Souveränität zu sichern und den Digitalstandort zu stärken. Dazu trägt auch das Landesprogramm Offene Innovation bei, mit dem praxisrelevante Open-Source-Projekte in Verwaltung und Zivilgesellschaft gefördert werden. Nun startet die dritte Runde. mehr...

Detailaufnahme einer Computertastatur. Ein Zeigefinger drückt die Taste "Open Source".

openDesk: Arbeitsfähig im Krisenfall

[27.01.2026] In einem Pilotprojekt erproben die Deutsche Rentenversicherung Bund und weitere Sozialversicherer die souveräne Office- und Kollaborationssuite openDesk des ZenDiS – speziell für die Kommunikation im Krisenfall. mehr...

OSBA: Europäische IT gegen digitale Erpressung

[22.01.2026] Digitale Dienste von US-Anbietern können umstandslos blockiert werden, wie der Fall des Internationalen Strafgerichtshofs zeigt. Weitere Fälle könnten folgen. Open-Source-Lösungen bieten eine sichere, europäische Alternative. Die OSBA berät Organisationen beim Umstieg. mehr...

Printversion der Studie liegt auf einem hellgrauen Tisch.

Next:Public: Studie belegt deutliche Souveränitätslücken

[16.12.2025] Die öffentliche Verwaltung aller Ebenen ist stark von außereuropäischen IT-Anbietern abhängig. Eine neue Studie unterfüttert diesen Befund erstmals mit konkreten Zahlen. Vor allem bei Standardsoftware zeigt sich ein struktureller Lock-in. Die Umstellung von On-Premise-Systemen auf Cloud-Dienste könnte ein möglicher Ausweg sein. mehr...

Berliner Rathaus, daneben der Fernsehturm

Berlin: Weichenstellung für Verwaltungs-IT

[15.12.2025] Der Berliner Senat hat zwei Beschlüsse zur Weiterentwicklung der Verwaltungs-IT gefasst. Eine Open-Source-Strategie soll digitale Souveränität und offene IT-Strukturen stärken. Zudem schafft eine Änderung des E-Government-Gesetzes eine Rechtsgrundlage für den KI-Einsatz. mehr...

Digitalisierungsminister Dirk Schrödter hat die neue Digitalstrategie für Schleswig-Holstein in Kiel vorgestellt.

Schleswig-Holstein: Open Source spart Millionen

[08.12.2025] Digitale Souveränität ist möglich und wirtschaftlich – das zeigt Schleswig-Holstein, indem es zentrale IT-Komponenten auf quelloffene Software umstellt. Schon fast 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Landesverwaltung nutzen LibreOffice. Als limitierender Faktor erweisen sich einige Fachanwendungen. mehr...