Open-Source-TransformationVon Dänemark lernen

[04.08.2025] Die öffentliche Verwaltung Dänemarks will auf Open Source Software umsteigen, um die digitale Souveränität zu schützen. Treiber ist die Sorge vor geopolitischen Abhängigkeiten. Erste konkrete Schritte kommen aus Kopenhagen, Aarhus und dem Digitalministerium. Die OSBA berichtet.
Eine rote Flagge mit weißem Kreuz (Dänemark-Flagge) weht vor blauem Himmel von rechts nach links.

Dänemark gilt schon lange als europäisches Digitalisierungsmusterland - und geht nun auch entschlossen den Weg zu mehr digitaler Souveränität.

(Bildquelle: Pexels/Markus Winkler)

Die Open-Source-Transformation in Dänemark hat 2025 enorm Fahrt aufgenommen, berichtet die Open Source Business Alliance (OSBA), der Verband der Open-Source-Industrie in Deutschland. Als einen möglichen Grund dafür macht die OSBA die expansionistischen Ansprüche des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump aus. Diese seien in Dänemark deutlicher zu spüren als in manch anderem europäischen Land: Trump hat immer wieder angekündigt, dass er Grönland, das zum dänischen Staatsterritorium gehört, annektieren will. Vor diesem Hintergrund steigen in der dänischen Politik die Befürchtungen, dass im Rahmen von Sanktionen der Zugriff auf digitale Infrastrukturen US-amerikanischer Anbieter gesperrt werden könnte. Es sei also höchste Zeit, Alternativen zu den proprietären Softwarelösungen aufzubauen, die der dänische Staat selbst kontrollieren und gestalten kann.

Gute Ausgangslage

Dänemark gilt als eines der europäischen Länder, dessen Verwaltungsdigitalisierung sich bereits auf hohem Niveau befindet. Eine gute Voraussetzung, um auch die Open-Source-Transformation zügig voranzutreiben, konstatiert die OSBA. Den ersten Schritt machten die beiden größten dänischen Kommunen Kopenhagen und Aarhus, die ankündigten, sich von Microsoft-Produkten lösen zu wollen. Dem folgte die dänische Digitalministerin, die im Juni 2025 ebenfalls ankündigte, Microsoft-Produkte Schritt für Schritt durch Open-Source-Lösungen ersetzen zu wollen. Im ersten Schritt sollen im Ministerium die Hälfte aller Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt werden. Das Vorgehen ähnelt der Open-Source-Transformation in Schleswig-Holstein (mehr dazu in unserem Interview mit Dirk Schrödter).

Den Schwung aus Dänemark nutzen

Im Frühsommer 2025 gründete sich der dänische Open-Source-Unternehmensverband Danske Open Source Leverandører (DOSL). In dem Verband haben sich dänische Open-Source-Hersteller zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist eine IT-Branche, die digitale Souveränität priorisiert. Hierfür sollen Herstellerunabhängigkeit, offene Standards und modulare Systeme promotet werden. Anfang Juni 2025 trat der neue dänische Open-Source-Verband in den europäischen Open-Source-Dachverband APELL ein, um sich gemeinsam mit anderen europäischen Open-Source-Verbänden auch auf EU-Ebene politisch für digitale Souveränität und Open Source Software zu engagieren. Auch für die deutsche Verwaltung kann Dänemark ein inspirierendes Vorbild sein, so die OSBA. Dänemark zeige, wie schnell der Aufbau von Open-Source-Alternativen angegangen werden kann, wenn nur der ernste politische Wille da ist. Die OSBA weist auch darauf hin, dass bei Interesse ein Austausch mit dänischen Open-Source-Unternehmen vermittelt werden kann. Ansprechpartner ist Benjamin Kolbe, zugleich OSBA-Kontakt für Schleswig-Holstein (kolbe@osb-alliance.com).



Stichwörter: Politik, Dänemark, Open Source, OSBA


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Thüringen / Schleswig-Holstein: Digital-Kooperation wird vertieft

[23.09.2026] Thüringen und Schleswig-Holstein wollen bei der Digitalisierung ihrer Landesverwaltungen enger zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Dateninfrastrukturen, Registermodernisierung, Open Source, souveräne KI-Lösungen und länderübergreifende Netzwerke. mehr...

IT-Planungsrat: Weichen für Deutschland-Stack gestellt

[21.09.2026] Bund und Länder haben zentrale Zuständigkeiten für den Deutschland-Stack festgelegt. Der Bund übernimmt mit Unterstützung der FITKO die Verantwortung für fünf Basiskomponenten der föderalen Digitalinfrastruktur. mehr...

Das passende Vorgehensmodell zu wählen

Hessen: Land fördert Low Code für Kommunen

[17.09.2026] Der Main-Kinzig-Kreis will die Open-Source-Plattform Limbas für den Einsatz in Kommunalverwaltungen weiterentwickeln. Das Land Hessen unterstützt das Projekt OSLOCO-Hessen mit rund 1,3 Millionen Euro. Verwaltungen sollen damit eigene Anwendungen ohne spezielle Programmierkenntnisse erstellen können. mehr...

Sachsen-Anhalt: Erste Bilanz der Digitalstrategie

[16.09.2026] Sachsen-Anhalt will die Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft bis 2030 systematisch vorantreiben. Die Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ setzt dabei auf digitale Verwaltungsangebote, vernetzte Smart Regions, digitale Souveränität und nachnutzbare Lösungen. mehr...

Thüringens Digitalminister Steffen Schütz im Dialog mit Bürgern

Thüringen: Im Digital Dialog mit Bürgern

[14.09.2026] Unter dem Motto „Mitreden. Nachfragen. Mitgestalten“ fand kürzlich im Festsaal Schloßvippach der Auftakt zur Gesprächsreihe „Digital Dialog – Thüringen digital verstehen“ statt. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger spricht im Bundestag.

Bund: Eine Milliarde Euro für Verwaltungsdigitalisierung

[09.09.2026] Der Bund will die Verwaltungsdigitalisierung weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sind dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger kündigte zudem weitere Schritte beim Deutschland-Stack, bei digitalen Verwaltungsleistungen und der Deutschland-App an. mehr...

Wehende Brandenburg-Flagge mit dem Landeswappen, das einen Adler zeigt.

Brandenburg: Breiter Dialog für neue Digitalstrategie

[07.09.2026] Brandenburg bezieht Verbände, Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen in die Erarbeitung der neuen Digitalstrategie ein. Nach Online-Befragung und Verbändeanhörung folgt im September ein Kommunalworkshop. Die Strategie soll bis Ende 2026 verabschiedet und veröffentlicht werden. mehr...

Porträt Anke Pörksen

Niedersachsen: Neue Strukturen bringen Digitalisierung voran

[04.09.2026] Ein Jahr nach der Neuordnung seiner Digitalpolitik zieht Niedersachsen eine positive Bilanz: Zuständigkeiten wurden neu geordnet, Strukturen geschaffen, wichtige Fortschritte sind sichtbar. Nun sollen Verwaltungsdigitalisierung, KI und Cyber-Sicherheit weiter vorankommen. mehr...

Gruppenbild im Scdhlosspark

Digitalpolitik: Kabinettsklausur in Neuhardenberg

[31.08.2026] Bei ihrer Kabinettsklausur in Neuhardenberg beriet die Bundesregierung unter anderem über industrielle KI, digitale Souveränität und Bürokratieabbau. Mit weniger Berichtspflichten sowie schnelleren Genehmigungen und Unternehmensgründungen will sie die Wirtschaft entlasten. mehr...

Blick vom Spreeufer auf das Reichstagsgebäude.

Bundeshaushalt 2027: Digitaletat steigt auf 1,44 Milliarden Euro

[27.08.2026] Der Haushaltsentwurf 2027 sieht für das Bundesdigitalministerium höhere Ausgaben für die IT-Infrastruktur und mehr Mittel aus dem Sondervermögen vor. Schwerpunkte sind Breitbandausbau und Verwaltungsdigitalisierung. Bei Mobilfunk und Registermodernisierung wird dagegen gekürzt. mehr...

Luftaufnahme Berlin, Blick über die Museumsinsel auf den Alexanderplatz

Bitkom: Wie digital sind Berlins Parteien?

[24.08.2026] Welche Berliner Parteien passen bei digitalpolitischen Fragen zu den eigenen Positionen? Zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September gleicht der neue Bitkomat die Antworten der Nutzerinnen und Nutzer auf 20 Thesen mit den Angaben der im Parlament vertretenen Parteien ab. mehr...

Außenansicht des Rathauses in Bremen

Bremen: Leitplanken für Verwaltungs-KI

[21.08.2026] Der Bremer Senat hat jetzt eine KI-Strategie für die Verwaltung beschlossen. Sie soll den Einsatz der Technologie mit sieben Handlungsschwerpunkten und 39 Projekten verbindlich steuern, um Verfahren zu beschleunigen, Beschäftigte zu entlasten und die Datenhoheit zu sichern. mehr...

Dänemark ist ein Leuchtturm bei der Digitalisierung.

Schleswig-Holstein/Dänemark: Zwei Digitalregionen rücken zusammen

[20.08.2026] Schleswig-Holstein und Dänemark vertiefen ihren Austausch zur digitalen Verwaltung. In Flensburg diskutierten Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Technologie über erfolgreiche gemeinsame Projekte sowie Ansätze für die weitere Zusammenarbeit, etwa bei Verwaltungsdigitalisierung, Cyber-Sicherheit und Open Source. mehr...

3D-Rendering einer Lupe über einem aufgeschlagenen Buch mit einem Paragrafenzeichen.

Berlin: Start des Digitalchecks

[14.08.2026] Werden Gesetze von Anfang an digitaltauglich gestaltet, können Verfahren beschleunigt und Verwaltungskosten gesenkt werden. Für die dahingehende systematische Prüfung von Gesetzesvorhaben in ihrer Frühphase hat sich der Begriff „Digitalcheck“ etabliert. Einen solchen hat nun auch das Land Berlin beschlossen. mehr...

Porträt von Finanzminister Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Zwei Strategien für digitale Verwaltung

[10.08.2026] Mecklenburg-Vorpommern ordnet die Verwaltungsdigitalisierung mit zwei Strategien neu: Eine bündelt 43 Maßnahmen für die Landesverwaltung bis 2030. Die andere legt in zwölf Grundsätzen fest, wie Land und Kommunen digitale Vorhaben gemeinsam planen, priorisieren und umsetzen. mehr...