ÖFIT-StudieLLMs nutzen und digital souverän bleiben

[09.12.2025] Der Einsatz von LLMs eröffnet Chancen für die digitale Transformation der Verwaltung – stellt aber auch hohe Ansprüche an die digitale Souveränität. Eine aktuelle Studie untersucht den LLM-Einsatz in der Bundesverwaltung. Um langfristig handlungsfähig zu bleiben, sind Weiterentwicklungen notwendig.
Detailansicht eines moernen Schreibtischs mit Laptop, man sieht zwei Männertorsos, die etwas zusammen bearbeiten.

Die ÖFIT-Studie zum LLM-Einsatz in der Bundesverwaltung betrachtet das Thema der digitalen Souveränität differenziert.

(Bildquelle: everythingpossible/123rf.com)

Die fortschreitende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung führt dazu, dass große Sprachmodelle (LLMs) zunehmend in den Arbeitsalltag integriert werden – auch in der Bundesverwaltung. Damit wachsen aber auch die Ansprüche an digitale Souveränität. Insbesondere stellt sich dabei die Frage, wie die Bundesverwaltung technologische Abhängigkeiten vermeiden und gleichzeitig leistungsfähige KI-Systeme sicher einsetzen kann. Das Kompetenzzentrum für Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer-Institut FOKUS hat nun eine Studie publiziert, welche die Eigenentwicklungen im Bereich generativer KI untersucht und deren Einfluss auf zentrale Souveränitätsziele wie Wechselmöglichkeit, Gestaltungsfähigkeit und Anbieterunabhängigkeit beleuchtet. Grundlage der Untersuchung waren eine umfassende Datenerhebung zu laufenden KI-Projekten sowie eine internationale Markt- und Maßnahmenbetrachtung in Bezug auf KI und LLMs.

Überschaubare Risiken für die digitale Souveränität

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Durch selbst entwickelte KI-Systeme muss die Verwaltung für viele typische LLM-Anwendungsfälle nicht auf proprietäre Produkte großer, vor allem nicht-europäischer Technologiekonzerne zurückgreifen. So werden Risiken vermindert, sich in neue Abhängigkeiten zu Technologieanbietern begeben zu müssen oder bestehende Abhängigkeiten zu vertiefen. Zudem kommen die derzeit eingesetzten Lösungen primär als Arbeitsunterstützung zum Einsatz – ein Ausfall würde also nicht die Handlungsfähigkeit der Verwaltung gefährden. Die Risiken für die digitale Souveränität sind aus dieser Perspektive daher überschaubar. Zudem werden ressortübergreifende Systeme, die potenziell einer Vielzahl von Nutzenden zur Verfügung stehen, schon jetzt mit Blick auf digitale Souveränität entwickelt: So laufen die LLMs zumeist auf eigener Hardware; sie können bei Bedarf mit geringem bis mittlerem Aufwand ausgetauscht werden, da mehrere hinreichend leistungsstarke Modelle zur Auswahl stehen, und für Betrieb sowie Weiterentwicklung sind keine externen Anbieter nötig.

Maßnahmen, um unabhängig zu bleiben

Die Studie belegt, dass auf Ebene der LLMs bislang hauptsächlich auf nicht-europäische Open-Source-Lösungen gesetzt wird, die auf verwaltungsinterner Hardware gehostet sind. Angesichts sich verändernder Open-Source-Rahmenbedingungen empfehlen die Autorinnen und Autoren, die Entwicklung eines eigenen europäischen LLMs zu prüfen, das Verwaltungsanforderungen besser abbildet und langfristige Unabhängigkeit sicherstellt.

Gleichzeitig wirft die Marktanalyse Fragen zur Entwicklung eines breiteren Ökosystems für staatliche LLM-Anwendungen auf – etwa durch Förderung, gezielte Beschaffung oder föderale Kooperationen wie im Deutschland-Stack. Die Untersuchung weist jedoch auch auf Herausforderungen hin: komplexe rechtliche Anforderungen, Unsicherheiten bei der Bereitstellung zur Nachnutzung sowie ein Mangel an spezialisierter KI-Infrastruktur und Fachpersonal. In einer Reihe konkreter Handlungsempfehlungen fordert die Studie daher unter anderem gemeinsame Infrastrukturen, klare rechtliche Vorgaben, stärkere Open-Source-Initiativen und zusätzliche Maßnahmen zur Qualifizierung.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Blau hinterlegte, stilisierte Darstellung einer Waage, verschwommen dahinter die Umrisse einer Hand, die mit dem Zeigefinger in Richtung des Waagesymbols tippt.

Brandenburg: KI in der Justiz

[11.06.2026] Brandenburg baut den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Justiz aus: Den Beschäftigten steht künftig eine KI-gestützte Recherchefunktion innerhalb der juristischen Datenbank Beck-online zur Verfügung. mehr...

Verpixelte, in Blau gehaltene Ansicht eines Bildschirms, der neben zahlreichen Nullen und Einsen die Buchstaben "KI" zeigt.

Thüringen: KI-Suite für Juris

[08.06.2026] Die Thüringer Justiz hat die Juris-KI-Suite flächendeckend eingeführt. Damit sollen die juristische Recherche erleichtert und Fachinformationen schneller erschlossen werden. Die Nutzung der KI ist freiwillig. mehr...

BMDS: Zuschlag für souveräne Cloud-Plattform

[27.05.2026] Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat zwei Konsortien mit dem Aufbau einer souveränen KI-Plattform beauftragt. Die PaaS-Lösung soll Anwendungen für Bund, Länder und Kommunen tragen. Das Auftragsvolumen liegt bei knapp 250 Millionen Euro. mehr...

Zwei lächelnde ältere Männer sitzen in einem historisch getäfelten Zimmer an einem polierten Holztisch, vor sich Dokumente.

Bremen: Dienstvereinbarung für den KI-Einsatz

[05.05.2026] In Bremen tritt eine neue Dienstvereinbarung zur Nutzung Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung in Kraft. Mit internen klaren Regeln gibt sie den Mitarbeitenden Rechtssicherheit im Umgang mit KI und sorgt für Transparenz und Beschäftigtenschutz. mehr...

Frau vor Laptop_LLMoin-pilot-SH

Schleswig-Holstein: LLMoin-Pilot für die Landesverwaltung

[29.04.2026] In der Landesverwaltung Schleswig-Holstein ist das Pilotprojekt LLMoin gestartet. Bei 1.000 Beschäftigten wird der KI-Assistent nun in den IT-Arbeitsplatz integriert. Das norddeutsche Bundesland nutzt erstmals eine von Dataport angepasste Produktversion von LLMoin. mehr...

Wolters Kluwer (hier der deutsche Hauptsitz in Hürth) liefert Diktier-Workflow-Lösung an rheinland-pfälzische Justiz.

Wolters Kluwer: Von der Idee zur Anwendung

[28.04.2026] Wolters Kluwer lädt zum dritten GovTech Prompt-a-thon ein. Am 18. Juni werden Expertinnen und Experten aus dem öffentlichen Sektor sowie aus IT, Recht und Projektmanagement gemeinsam an zukunftsweisenden KI-Lösungen für reale Verwaltungsherausforderungen arbeiten. mehr...

Graph Intelligence

Materna/Neo4j: Strategische Partnerschaft

[17.04.2026] Eine strategische Partnerschaft für Graph-Intelligence und erklärbare KI haben Materna und Neo4j geschlossen. Damit baut die Unternehmensgruppe Materna ihre Kompetenz für vernetzte Datenanalysen in sicherheitskritischen und regulierten Umfeldern aus. mehr...

Nahaufnahme einer Hand eines futuristischen Roboters, der auf einer Tastatur tippt.

BMDS: Open-Source-KI-Module für die Verwaltung

[08.04.2026] Im Projekt SPARK hat das BMDS in den vergangenen acht Monaten KI-Module entwickeln lassen, die komplexe verwaltungsrechtliche Planungs- und Genehmigungsverfahren als operative Assistenz unterstützen können. mehr...

Häne über Laptop-Tastatur, im Hintergrund ein Bildschirm mit Code, Lichtstimmung Türkis-Blau

Orientierungshilfe: KI in der Verwaltung – aber mit Datenschutz

[01.04.2026] Um Künstliche Intelligenz innerhalb der öffentlichen Verwaltung erfolgreich zu betreiben, müssen europäische und nationale Datenschutzverordnungen eingehalten werden. Der Bayerische Datenschutzbeauftragte hat jetzt eine Orientierungshilfe für die Umsetzung von KI-Projekten vorgelegt. mehr...

Ordner mit Namen Finanzamt und Steuererklärung

Bayern: Steuerverwaltung
 macht Tempo mit KI

[20.03.2026] Die bayerische Steuerverwaltung setzt für noch mehr Effizienz und Bürgerfreundlichkeit verstärkt auf KI-Lösungen. Entsprechende Pilotprojekte sind jetzt in den Finanzämtern Augsburg-Stadt und Regensburg gestartet. mehr...

Illustration: Mann sitzt mit freundlichem Roboter an Büroschreibtisch

Nordrhein-Westfalen: KI für schnellere Verwaltung

[04.03.2026] Der Verwaltungsassistent NRW.Genius ist das zentrale KI-Projekt in Nordrhein-Westfalen. Die Lösung wurde gezielt für alle Verwaltungsebenen entwickelt. Bald steht sie auch für die Finanzverwaltung zur Verfügung – aus Datenschutzgründen erfolgt der Betrieb im eigenen Rechenzentrum. mehr...

Vektorgrafik eines Laptops, im Hintergrund sind abgehakte Dokumente zu sehen.

Brandenburg: KI für Ausländerbehörden

[13.02.2026] Mit „Aufenthalt Digital“ verantwortet das Innenministerium Brandenburg ein bundesweit erfolgreiches Programm. Dieses erhält nun ein KI-Update: Eine neue Funktion prüft, ob digital eingereichte Dokumente die tatsächlich erforderlichen sind. mehr...

Blick über die Spree aufs Bundeskanzleramt

EU AI Act: Schlanke KI-Aufsicht für Deutschland

[12.02.2026] Das Bundeskabinett hat den Entwurf zum nationalen Durchführungsgesetz für den EU AI Act beschlossen. Ziel ist die Schaffung einer Aufsichtsstruktur für Entwicklung, Bereitstellung und Betrieb von KI-Systemen in der Verwaltung und Wirtschaft. mehr...

Männerhände auf Laptop-Tastatur, auf dem Screen sieht man ein KI-Eingabefeld

ÖFIT: Nachnutzung generativer KI-Systeme

[12.02.2026] Eine ÖFIT-Untersuchung zeigt: Die Nachnutzung bestehender generativer KI-Systeme in Bund, Ländern und Kommunen ist möglich, die Schaffung einer Plattform für alle Akteure aber schwierig. Stattdessen empfiehlt die Studie eine gemeinsame Referenzarchitektur, basierend auf den Nutzerbedarfen. mehr...

Nahaufnahme einer Hand eines futuristischen Roboters, der auf einer Tastatur tippt.

Dataport/IBM: KI-gestützter Transkriptionsservice

[10.02.2026] Ob in der Justiz, im Amt oder im Bildungsbereich: In der öffentlichen Verwaltung wird viel besprochen, manuell transkribiert und dokumentiert. Das bindet Ressourcen. Dataport stellt eine KI-Lösung vor, die diese Arbeit erleichtert – und die speziell für den öffentlichen Sektor ausgelegt ist. mehr...