Schleswig-HolsteinFachverfahren per Low Code

[09.07.2026] Schleswig-Holstein will in seiner Landesverwaltung mehr als 100 Fachverfahren ersetzen, die bislang auf Microsoft Access basieren. Für neue webbasierte Anwendungen kommt eine Low-Code-Plattform von mgm zum Einsatz. Andere Verwaltungen sollen die entwickelten Lösungen nachnutzen können.
Low-Code-Plattformen erlauben die schnelle Programmierung von Lösungen.

Fachverfahren sind unverzichtbarer Bestandteile moderner Verwaltungsarbeit. In Schleswig-Holstein sollen sie nun per Low-Code-Lösung entstehen.

(Bildquelle: Bildquelle: 123RF.com/Murrstock)

Die Landesverwaltung Schleswig-Holstein will mehr als 100 Fachverfahren ablösen, die bislang auf der Datenbanksoftware Microsoft Access basieren. Ein relevanter Teil soll laut Staatskanzlei schon 2026 ersetzt werden. Dafür nutzt das Land die A12 AI Low-Code-Plattform des Software-Unternehmens mgm technology partners. Mit ihr sollen moderne webbasierte Verwaltungsanwendungen entstehen, die perspektivisch auch anderen Verwaltungen zur Nachnutzung bereitgestellt werden können. Die A12 Enterprise-Plattform wird bereits seit mehreren Jahren in Anwendungen der öffentlichen Verwaltung eingesetzt, unter anderem beim Steuerportal ELSTER.

Die Umstellung ergänzt den Aufbau eines digital souveränen IT-Arbeitsplatzes für die Landesverwaltung (wir berichteten): Nach dem Abschied von Microsoft Office und Outlook nimmt Schleswig-Holstein nun auch individuelle Fachverfahren in den Blick. Solche Anwendungen bilden komplexe Verwaltungsprozesse ab, beruhen aber häufig auf proprietären oder veralteten Technologien. Mit modellbasierter Softwareentwicklung auf Low-Code-Basis sollen neue Verfahren schneller entwickelt und besser an aktuelle Anforderungen angepasst werden können.

Digitale Eigenständigkeit stärken

Die Plattform A12 verbindet Low-Code-Modellierung mit einem iterativen Vorgehen. Damit soll die Landesverwaltung Softwarelösungen mit externer Unterstützung, aber auch eigenständig bereitstellen können. Beschäftigte der Landesressorts und nachgeordneten Behörden sollen geschult werden, Anwendungen ohne Programmierkenntnisse als sogenannte Citizen Developer umzusetzen.

Mit der Bereitstellung der Entwicklungsplattform A12 werde eine weitere Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Digitalisierung der Verwaltung in Schleswig-Holstein geschaffen, sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. „Wir setzen bewusst auf digitale Souveränität durch Open-Source-Lösungen und auf bundesweite Nachnutzbarkeit dieser Lösungen sowie auf Transparenz. Unser Ziel ist eine nachhaltige, sichere und unabhängige IT-Infrastruktur in der Landesverwaltung, die Innovationen fördert und die digitale Eigenständigkeit des öffentlichen Sektors stärkt. Basis ist eine kooperative Zusammenarbeit mit unseren Partnern.“

Nachnutzung möglich

Die Eigenentwicklungsfähigkeit soll dauerhaft im landesweiten Low-Code-Kompetenzcenter verankert werden, das im Zentralen IT-Management der Staatskanzlei angesiedelt ist. Der Betrieb der A12-Plattform erfolgt in Rechenzentren des IT-Dienstleisters Dataport. Auf dieser Grundlage können weitere Dataport-Trägerländer entwickelte Verfahren nachnutzen.

Schleswig-Holstein war nach eigenen Angaben auch an der Open-Source-Öffnung der A12-Plattform beteiligt. Nach Abstimmungen mit Verwaltungspartnern und dem Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) stellte mgm im Mai 2026 zentrale Bestandteile von A12 unter der European Public License 1.2 auf openCode und GitHub bereit. Die offene Lizenz soll Rechtssicherheit innerhalb der Europäischen Union schaffen und die Weiterentwicklung durch Dritte erleichtern. Angestrebt wird auch eine Integration von A12 in den Deutschland-Stack – damit soll perspektivisch eine einheitliche Grundlage für die Digitalisierung von Fachverfahren in Deutschland entstehen.





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