OSBACyber Resilience Act bremst Open Source

[17.08.2023] Das Europäische Datengesetz soll für höhere Sicherheitsstandards in der IT sorgen. Für Open-Source-Projekte entsteht damit große Rechtsunsicherheit, weil auch nicht-kommerzielle Mit-Akteure in Haftung genommen werden. Die Open Source Business Alliance nimmt Stellung.

Der Cyber Resilience Act (CRA) der europäischen Union will Hersteller, Vertreiber und Importeure von Produkten mit digitalen Komponenten zu höheren Sicherheitsstandards für ihre Produkte oder Dienstleistungen verpflichten. Nun beleuchtet die Open Source Business Alliance (OSB Alliance/OSBA) die Regulierungsinitiative mit Blick auf Open-Source-Software. Der Verband befürwortet ausdrücklich die Ziele des Cyber Resilience Act, die Qualität und Sicherheitsstandards von IT-Produkten zu erhöhen – dies entspreche auch dem Interesse der Mitgliedsunternehmen, die sichere Software vertreiben wollen und kommerzielle Software-Anbieter in der Verantwortung sehen. Allerdings würden unscharfe Formulierungen in den aktuellen CRA-Entwürfen eine Gefahr für das europäische Open-Source-Ökosystem und für die Innovations- und Wertschöpfungsfähigkeit des europäischen IT-Sektors darstellen. Die Bundesregierung müsse sich daher bei den anstehenden Trilogverhandlungen dafür einsetzen, dass das Open-Source-Ökosystem ausreichend geschützt werde.

Rechtsunsicherheit und Überregulierung

Der CRA scheint in erster Linie mit Blick auf die Entwicklungs- und Vertriebsmodelle proprietärer Software geschrieben zu sein, konstatiert die OSBA. Bei Open Source Software unterscheiden sich diese Modelle beträchtlich durch den offenen und kooperativen Ansatz und durch die mit den Lizenzen gewährten Freiheiten. Zwar strebe der CRA eine Ausnahme für Open Source Software an, die nicht für kommerzielle Aktivitäten eingesetzt werde – doch genau diese Abgrenzung sei schwierig. Das Open-Source-Ökosystem sei durch eine Verflechtung von ehrenamtlichen und kommerziellen Akteuren und Organisationen gekennzeichnet. So berge der CRA eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Während kommerzielle Open-Source-Software-Anbieter aus Sicht der OSB Alliance ganz klar in den Anwendungsbereich des CRA fallen sollen, muss die Ausnahme für nicht-kommerzielle Open-Source-Hersteller noch verbessert werden.

Forderung an die Bundesregierung

Beim derzeitigen Stand des CRA bestehe die Gefahr, dass zu viele ehrenamtliche Open-Source-Initiativen, Projekte aus Forschung und Lehre oder Einzelpersonen mit in die Haftung genommen werden, die eigentlich nicht zur beabsichtigten Zielgruppe des CRA gehören. Aus Vorsicht würden sich möglicherweise Unternehmen und Initiativen vom europäischen Markt zurückziehen. Da zahllose digitale Produkte und Lösungen auf Open-Source-Komponenten aufbauen, sei von einem negativen Dominoeffekt für die gesamte Software-Branche auszugehen, befürchtet die OSBA.
Voraussichtlich ab September 2023 sollen die abschließenden Trilogverhandlungen zum CRA beginnen. Die Bundesregierung müsse sich dabei dafür einsetzen, dass im CRA das Open-Source-Ökosystem und damit wichtige Teile der IT-Wirtschaft und die digitale Souveränität Deutschlands geschützt werden. Hierfür sei ein Austausch mit Vertretern der Open-Source-Industrie unerlässlich, so die OSBA, die nach eigenem Bekunden jederzeit für einen Austausch sowie Beratungen zur Verfügung stehe.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Purpurfarben ausgeleuchtetes Podium mit Diskususionsteilnehmenden auf Sesseln

dbb-Diskussion: Staatsmodernisierung im Fokus

[06.02.2026] Bei der dbb-Jahrestagung diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden über die bundesweite und die föderale Modernisierungsagenda. Die Debatte ist nun als Video verfügbar. mehr...

Die Landesflagge von Schleswig-Holstein, im Hintergrund blauer Himmel.

Schleswig-Holstein: Konsequent digital

[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...

Karsten Wildberger, Kirsten Sinemus und Fabian Mehring sowie mehrere unbekannte Personen in Rückenansicht in einem Sitzungssaal.
bericht

OZG-Leistungen: Schub für die digitale Verwaltung

[23.01.2026] Der Bund sowie Bayern und Hessen als Pilotländer erproben einen neuen Weg, um digitale Verwaltungsdienste überall anbieten zu können. Dabei finanziert der Bund Roll-in-Teams für die Kommunen, während sich die Länder verpflichten, bis Ende 2026 fünf Online-Dienste landesweit einzuführen. Das Verfahren soll auf andere Länder übertragen werden. mehr...

Bayernflagge (Rauten mit Wappen) vor blauem Himmel.
bericht

Bayern: Umstrittene Microsoft-Cloud

[15.01.2026] Die geplante Einführung von Microsoft-Cloud-Diensten in Bayerns Verwaltung sorgt bereits seit Monaten für Diskussionen. Das Finanzressort erwartet durch die Einführung Kostenvorteile und eine Konsoldierung der Verwaltungs-IT, der Digitalminister fordert eine Neubewertung im Zeichen digitaler Souveränität. mehr...

Porträt Jan Pörksen

Digitalministerkonferenz: Hamburg ist 2026 Vorsitzland

[15.01.2026] Als zentrales politisches Gremium von Bund und Ländern bündelt die Digitalministerkonferenz die Zusammenarbeit in der digitalen Transformation und stimmt länderübergreifende Strategien ab. 2026 führt Hamburg den Vorsitz, vertreten durch Staatsrat Jan Pörksen. mehr...

Person mit hellem Hemd hält virtuelle Deutschlandkarte in schwarz-rot-gold in den Händen.

Bitkom: Digitalministerium macht Tempo

[13.01.2026] Der Bitkom bescheinigt der Bundesregierung ein hohes Umsetzungstempo in der Digitalpolitik. Jedes zwanzigste Projekt ist abgeschlossen, 45 Prozent sind in Umsetzung. Für viele zentrale Projekte wird das Jahr 2026 als entscheidend bewertet. mehr...

Porträt Luise Hölscher

IT-Planungsrat: Vorsitzjahr 2026 unter Bundesführung

[12.01.2026] Zum Jahresbeginn hat der Bund den Vorsitz im IT-Planungsrat übernommen. Zentrale Themen sind der Deutschland-Stack und die Registermodernisierung, auch die FITKO als Umsetzungsorganisation des IT-Planungsrates soll ein schärferes Profil erhalten. mehr...

Zwei Personen reichen einander die Hände.

Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts

[09.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...

Thüringen: Neue Digitalstrategie beschlossen

[19.12.2025] Das Thüringer Kabinett hat eine neue Digitalstrategie beschlossen, welche die Verwaltungsdigitalisierung bündeln und beschleunigen soll. Kernpunkte sind eine zentrale Steuerung, einheitliche IT-Standards und ab 2026 eine App, über die Behördenleistungen per Smartphone zugänglich werden sollen. mehr...

IT-Planungsrat: 2025 war ein Jahr der Meilensteine

[19.12.2025] Mecklenburg-Vorpommern hatte in diesem Jahr den Vorsitz im IT-Planungsrat inne und nun eine positive Bilanz gezogen. 2025 sei ein Meilenstein-Jahr auf dem Weg zur digitalen Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Unternehmen gewesen. mehr...

Die rheinland-pfälzische Digitalministerin Dörte Schall.

Rheinland-Pfalz: Digitalprogramm 2026/2027 beschlossen

[18.12.2025] Das Landeskabinett Rheinland-Pfalz hat die Fortschreibung der Digitalstrategie von 2023 beschlossen. Deren Inhalte wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet. mehr...

NKR: Modernisierungsagenda bleibt zu vorsichtig

[10.12.2025] Die föderale Modernisierungsagenda ist beschlossen. Der NKR sieht darin wichtige Impulse für leistungsfähigere Verwaltungen, kritisiert jedoch vertagte Reformhebel und fordert eine konsequente Umsetzung mit starker Einbindung der Kommunen. mehr...

Ministerpräsidentenkonferenz: Eine schnellere, digitalere Verwaltung

[08.12.2025] Auf der Konferenz der 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten wurde ein 200-Maßnahmen-Paket für eine föderale Modernisierungsagenda beschlossen. Viele der Maßnahmen betreffen auch die Verwaltung und deren digitale Transformation. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, im Schatten unter Bäumen, im Hintergrund ein Kanal.

BMDS: Wildwuchs der Bundes-IT zügeln

[05.12.2025] Das Bundesministerium für Digitales hat mit dem Zustimmungsvorbehalt ein wirkungsvolles Instrument erhalten, um Digitalprojekte und IT-Ausgaben über Ressortgrenzen hinweg zu steuern. So soll zentral für Kompatibilität, Effizienz und Einhaltung der strategischen Richtung gesorgt werden. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens, mit verschränkten Armen im dunklen Blazer vor einer braunen Wand stehend

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[05.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...