Ein Jahr BMDSGute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[08.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger mit Papiern unter dem Arm in einem dynamischen Bildsetting

Der ursprünglich politikfremde Manager Karsten Wildberger hat in seinem ersten Jahr als Digitalminister wichtige Impulse gesetzt – muss nun aber stärker in die Umsetzung kommen.

(Bildquelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Steffen Kugler)

Ein Jahr nach dem Start des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unter Karsten Wildberger bewerten verschiedene Branchenverbände die Arbeit des neuen Ressorts. Nach dem Bitkom (wir berichteten) blicken nun auch die Open Source Business Alliance (OSBA) und der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) aus ihrer jeweiligen Perspektive auf das erste Jahr des Ministeriums. Beide Verbände sehen das Erreichte grundsätzlich positiv, konstatieren aber auch das Bestehen eines erheblichen Handlungsbedarfs.

Mehr Verbindlichkeit bei Open Source

Die OSBA sieht im Digitalministerium die richtigen Ansätze. Digitale Souveränität werde als grundlegende Voraussetzung für Sicherheit und Innovation ernst genommen. Zugleich fordert der Open-Source-Verband mehr Konsequenz bei der Umsetzung. Die Weichen müssten klarer in Richtung Open Source gestellt werden, um echte digitale Souveränität zu erreichen. Derzeit scheine die Bundesregierung noch zu oft in bestehenden Abhängigkeiten zu verharren. „Karsten Wildberger stellt die richtigen Fragen, und oft sind wir uns bei den Antworten einig. Weniger Abhängigkeit von monopolartigen Strukturen mit proprietären Lösungen und mehr Transparenz durch Open Source“, sagt der OSBA-Vorstandsvorsitzender Peter Ganten. Was fehle, sei eine eindeutige Festlegung, „die allen Klarheit gibt und dadurch gemeinsames Handeln vereinfacht“. Nötig sei eine Strategie, die digitale Souveränität nicht nur als Ziel benenne, sondern mit den richtigen Maßnahmen durchsetze.

Eines der relevantesten Ressorts

Nach Einschätzung der OSBA entscheiden geopolitische Verwerfungen und zunehmende Cyber-Bedrohungen mit darüber, ob Europa digital unabhängig, innovativ und sicher handeln kann. Wer die Infrastrukturen kontrolliere, von denen Verwaltung, Wirtschaft und öffentliche Daseinsvorsorge abhängen, habe strategische Macht über Preise, Datenzugriffe und im Krisenfall über die Funktionsfähigkeit des Staates. Das Digitalministerium werde damit zu einem der relevantesten Ressorts dieser Legislaturperiode.

Konkrete Fortschritte sieht der Verband beim Deutschland-Stack. Dass der IT-Planungsrat die Open-Source-Standards des Sovereign Cloud Stack verbindlich in den Deutschland-Stack integriert habe, sei positiv zu bewerten. Die Verwaltung setze damit auf interoperable, transparente und anbieterneutrale Standards für Cloud-Infrastrukturen. Nun brauche es eine eigene Open-Source-Strategie als Grundlage des Deutschland-Stacks, mit messbaren Zielen und klarem Zeitplan. Auch die neuen EVB-IT-Musterverträge und der angekündigte IT-Planungs- und Beschaffungsvorbehalt könnten aus Sicht der OSBA Hebel sein, um Abhängigkeiten abzubauen und Open Source in Bundesbehörden stärker zu verankern.

Investitionssicherheit für Glasfaser gefordert

Der BREKO sieht nach einem Jahr BMDS ebenfalls einen positiven Wandel, aber noch wenig konkrete Wirkung. Sven Knapp, Mitglied der BREKO-Geschäftsleitung, sagte: „Karsten Wildberger hat im ersten Jahr wichtige Impulse gesetzt: Das Eckpunktepapier zur Beschleunigung des Übergangs von DSL auf Glasfaser, die gesetzliche Festlegung des überragenden öffentlichen Interesses für den Glasfaser- und Mobilfunkausbau sowie die Nationale Rechenzentrumsstrategie zeigen den hohen politischen Stellenwert der digitalen Infrastruktur als wichtige Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“ Jetzt müsse aus guten Ansätzen verlässliche Umsetzung werden.

Politischer Rahmen fehlt bisher

Nach Ansicht des Verbands braucht der Glasfaserausbau einen ordnungspolitischen Rahmen, der langfristige Investitionssicherheit schafft. Der aktuelle Entwurf für Änderungen am Telekommunikationsgesetz bringe mit Regelungen zum Kupfer-Glasfaser-Upgrade und einfacheren Genehmigungsverfahren wichtige Neuerungen. Schädlich wäre aus Sicht des BREKO jedoch zusätzliche Regulierung für nicht marktmächtige Unternehmen. Kritisch bewertet der Verband auch Regelungen, die einen Glasfaser-Doppelausbau begünstigen könnten.

Um Planbarkeit, Investitionssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, müssten BMDS und Bundesnetzagentur das ökonomische und regulatorische Umfeld ganzheitlich betrachten und Maßnahmen auch gegen starke Einzelinteressen durchsetzen. Mit Blick auf den geplanten Digital Networks Act der EU erwartet der BREKO eine starke deutsche Position in Brüssel: Für einen regelbasierten Übergang auf Glasfaser, den Erhalt der Regulierung marktmächtiger Unternehmen und gegen zusätzliche Regulierung der Wettbewerber.



Stichwörter: Politik, BREKO, OSBA


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Gruppenfoto: alle IT-PLR-Mitglieder stehen in einem Innneraum nebeneinander und sehen wohlwollend und zufrieden aus

IT-Planungsrat: Der D-Stack gewinnt an Kontur

[22.06.2026] Für die Umsetzung des Deutschland-Stacks wurden einige entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. Bei der letzten Sitzung des IT-Planungsrats haben sich Bund und Länder auf wesentliche Elemente des im Aufbau befindlichen standardisierten, interoperablen digitalen Ökosystems geeinigt. mehr...

BMDS/Mecklenburg-Vorpommern: Verwaltungsdigitalisierung gemeinsam beschleunigen

[22.06.2026] Der Bund und Mecklenburg-Vorpommern haben eine Verwaltungsvereinbarung zur vertieften Zusammenarbeit unterzeichnet. Damit sollen Maßstäbe für digitale Verwaltung, Bürokratierückbau, bessere Rechtsetzung und mehr Serviceorientierung gesetzt werden. mehr...

Vier Männer vor Bildschirmen_5G-Campusnetze_SH

Schleswig-Holstein: Wirkmächtiges Instrument

[19.06.2026] Eine positive Bilanz zum Digitalisierungsbooster SH hat Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter gezogen. Zentrale Maßnahmen sind eine LoRaWAN-Infrastruktur, die 5G-Campusnetze und das Landesprogramm Offene Innovation. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens, mit verschränkten Armen im dunklen Blazer vor einer braunen Wand stehend

Sachsen-Anhalt: Positive Zwischenbilanz zur Digitalstrategie

[17.06.2026] Eine positive Zwischenbilanz der Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ hat Digitalministerin Lydia Hüskens gezogen. Rund 80 Prozent der definierten Ziele sind bereits erreicht oder aktiv in Bearbeitung. Der Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen zählt zu den sichtbarsten Erfolgen. mehr...

Karsten Wildberger am Rednerpult in klassizistischer Kulisse.

BMDS: Umsetzungsstand der Modernisierungsagenden

[16.06.2026] In Berlin diskutierten 200 Expertinnen und Experten aus Bund und Ländern über die Fortschritte der Modernisierungsagenden. Dabei wurde deutlich: Die Umsetzung hängt vor allem an der engen Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen. mehr...

Drei steif lächelnde Menschen stehen nebeneinander vor einer blauen Wand und halten Doklumentenmappen in ihren Händen.

Bayern: Rückenwind für den Digitalstaat

[12.06.2026] Ein Rechtsgutachten der Universität Passau sieht keine grundsätzlichen Hürden für durchgängig digitale Verwaltungskommunikation. Gegen Ende-zu-Ende-Digitalisierung der Verwaltung bestehen demnach weder grundsätzliche verfassungsrechtliche noch ethische Bedenken. mehr...

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[12.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Handshake-Pose von Pakoste und Wildberger vor blauem Hintergrund

Deutschland/Estland: Partnerschaft für digitale Verwaltung

[11.06.2026] Deutschland und Estland wollen bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung enger zusammenarbeiten. Eine neue Absichtserklärung umfasst Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, EUDI-Wallet, Beschaffung und Cyber-Sicherheit. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[29.05.2026] Niedersachsen sieht seinen Roll-out-Ansatz für Online-Dienste durch erste Ergebnisse bestätigt. Mit Unterstützung des Bundes soll eine neu gegründete „Taskforce Digitalisierung Niedersachsen“ fünf Fokusleistungen bis Ende 2026 landesweit verfügbar machen und medienbruchfreie Prozesse vorbereiten. mehr...

Porträt Florian Hauer, mittelalter Mann im dunklen Anzug vor grauem Hintergrund
bericht

Berlin: Hauptstadt ohne CDO

[28.05.2026] Berlins oberster Verwaltungsmodernisierer, der Dresdner IT-Unternehmer Matthias Hundt, ist nach weniger als drei Monaten auf eigenen Wunsch aus seinem Amt ausgeschieden. Übergangsweise übernimmt Staatssekretär Florian Hauer seine Aufgaben. mehr...

Digitalminister Karsten Wildberger auf der re:publica26

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[22.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

zwei Männer in Anzügen sitzen an einem Tisch mit der NRW und Bayern-Flagge, vor ihnen liegen Unterlagen


Nordrhein-Westfalen / Bayern: Steuerdaten besser schützen

[21.05.2026] Gemeinsam mit Bayern treibt Nordrhein-Westfalen eine länderübergreifende Kooperation bei der Betriebsinfrastruktur der Steuer-IT voran. Damit soll die Informationssicherheit der Finanzverwaltungen gestärkt und speziell Steuerdaten besser geschützt werden. mehr...

Nicolas Sölter

Hessen: Neuer Staatssekretär im Digitalministerium

[19.05.2026] In Hessen soll Nicolas Sölter als neuer Staatssekretär im Digitalministerium die Digitalisierung in dem Bundesland weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei unter anderem auf Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz. mehr...

Großer Saal mit barocken Deckenelementen und rotem Teppich, darin eine U-förmige Tischanordnung und zahlreiche menschen in Anzügen und Kostümen sowie Monitore

Digitalministerkonferenz: Alle ziehen an einem Strang

[15.05.2026] Die Digitalministerkonferenz hat in Hamburg Beschlüsse zur Umsetzung der föderalen Modernisierungsagenda gefasst. Die Vereinbarungen betreffen unter anderem die DeutschlandID, die Registermodernisierung und ein länderübergreifendes Reallabor für Law-as-Code. mehr...

Montage: Ina Scharrenberger, Kristina Sinemus und Thomas Strobl mit der unterzeichneten Vereinbarung, plus die drei Ministeriumslogos

Kooperation: Gemeinsame KI-Plattform für drei Länder

[11.05.2026] Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg wollen beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung enger zusammenarbeiten. Eine gemeinsame Plattformarchitektur soll Standards, Schnittstellen und Pilotanwendungen bündeln. mehr...