Mecklenburg-VorpommernTschüs, Sharepoint – Hallo, Nextcloud

Digitalisierungsminister Heiko Geue (l.) und Landes-CIO Marco Anschütz wirken sichtlich erfreut.
(Bildquelle: Ministerium für Finanzen und Digitalisierung M-V)
Mit seiner Digitalstrategie will Mecklenburg-Vorpommern die digitale Leistungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Sicherheit der öffentlichen Verwaltung erhöhen. Dazu gehört digitale Souveränität: Die öffentliche Hand will künftig selbstbestimmt über eigene IT-Infrastrukturen und die Daten verfügen. Mit der Einführung der Kollaborationslösung von Nextcloud in der Landesverwaltung setzt Mecklenburg-Vorpommern auf eine Open-Source-Plattform, die es selbst kontrollieren, prüfen und weiterentwickeln kann.
Verantwortlich für Aufbau und Betrieb ist die Datenverarbeitungszentrale Mecklenburg-Vorpommern (DVZ M-V), die als IT-Dienstleister des Landes die Plattform für den öffentlichen Dienst bereitstellt. „Digitale Souveränität und Open Source sind zentrale Ziele und Eckpfeiler der Digitalisierungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Wir planen, den Einsatz von Open Source kontinuierlich auszubauen und die Nutzung gemeinsamer Standards und offener Schnittstellen für IT-Lösungen der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben. Nur so können Land und Kommunen auch in Zukunft handlungsfähig bleiben. Genau hier setzen wir mit Nextcloud an“, sagt Heiko Geue, Finanz- und Digitalisierungsminister von Mecklenburg-Vorpommern.
Reibungsloser Umstieg
Derzeit nutzen laut Digitalisierungsministerium bereits rund 5.000 Beschäftigte die Kollaborationsplattform mit Filesharing aktiv. Mittelfristig soll die Lösung auch für Chat, Videokonferenzen und Groupware-Applikationen ausgebaut werden und über 50.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stehen – von den Ministerien bis zu den kommunalen Einrichtungen. „Der Umstieg von Microsoft Sharepoint ist schrittweise und ohne Reibungs- und Datenverluste für die Beschäftigten abgeschlossen worden. Gemeinsam mit der DVZ M-V haben wir eine Plattform aufgebaut, die heute zuverlässig läuft und sich Schritt für Schritt erweitert wird“, sagt der Landes-CIO Marco Anschütz.
Die Lizenz GNU Affero General Public License Version 3 (GNU AGPLv3), unter der die Software läuft, gestattet es dem Land, den Quellcode jederzeit einzusehen, zu prüfen und nach eigenen Sicherheits- und Funktionsanforderungen anzupassen. Aufgebaut wurde das Projekt nach dem Prinzip „Open Source by Design“: Es umfasst eigene Test- und Produktivumgebungen, Betriebsschulungen, Sicherheitsprüfungen sowie eine priorisierte Einbindung von Stabilitätsupdates.
Umfassende Open-Source-Strategie
Die Einführung von Nextcloud ist nur ein Teil einer umfassenderen Open-Source-Strategie des Landes: Parallel dazu setzt Mecklenburg-Vorpommern auf OpenProject als Alternative zu proprietären Projektmanagement-Lösungen und hat mit dem KI-Verwaltungschatbot LEA, der auf OpenWebUI basiert, einen eigenen, lokal kontrollierten KI-Assistenten für die Verwaltung entwickelt.
Mecklenburg-Vorpommern handelt dabei nicht allein: Im November 2025 unterzeichnete das Ministerium für Finanzen und Digitalisierung eine Kooperationsvereinbarung mit der Staatskanzlei Schleswig-Holstein zur Stärkung der digitalen Souveränität beider Länder (wir berichteten). Schleswig-Holstein gilt deutschlandweit als Vorreiter beim Umstieg der Landesverwaltung auf Open-Source-Software und nutzt ebenfalls Nextcloud als zentrale Kollaborationsplattform.
„Mit Mecklenburg-Vorpommern setzt nun ein weiteres deutsches Bundesland auf Nextcloud als souveräne Kollaborationsplattform, und das im engen Schulterschluss mit Schleswig-Holstein. Das zeigt einmal mehr, dass Lösungen verfügbar und einsatzbereit sind“, sagt Frank Karlitschek, CEO und Gründer von Nextcloud. „Solche Allianzen zwischen Ländern sind entscheidend, um Open Source in der öffentlichen Verwaltung zum Standard zu machen statt zur Ausnahme.“
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